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"Serie A ist besser als die Bundesliga": Ex-HSV-Profi Tolgay Arslan über Udine, DFB-Team & Fehler

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"Serie A ist besser als die Bundesliga": Ex-HSV-Profi Tolgay Arslan über Udine, DFB-Team & Fehler

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„Hätte HSV früher verlassen müssen”

„Hätte HSV früher verlassen müssen”

Seit zwei Jahren ist Tolgay Arslan bei Udinese Calcio unter Vertrag. Nach dem Hamburger SV und den beiden Istanbuler Topklubs Besiktas und Fenerbahce scheint er in Italien endlich sein Glück gefunden zu haben.
Bei Udinese Calcio scheint Tolgay Arslan endlich sein Glück gefunden zu haben
Bei Udinese Calcio scheint Tolgay Arslan endlich sein Glück gefunden zu haben
© Imago
Reinhard Franke
Reinhard Franke

Tolgay Arslan scheint endlich angekommen zu sein.

Fünfeinhalb Jahre stand er beim Hamburger SV unter Vertrag, doch Verletzungen warfen ihn immer wieder zurück. Später folgten Engagements in Istanbul bei Besiktas und Fenerbahce.

Seit 2020 spielt der gebürtige Paderborner bei Udinese Calcio in Italien. Am vergangenen Spieltag erzielte Arslan das 3:1 beim Heimsieg gegen Inter Mailand und war der gefeierte Held. (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der Serie A)

Im SPORT1-Interview spricht der 32-Jährige über seine Karriere, die Serie A, die Zeit beim HSV - und seinen größten Fehler.

SPORT1: Herr Arslan, der Schritt nach Italien zu wechseln, hat sich gelohnt, oder?

Tolgay Arslan: Absolut. Ich habe es nicht bereut. Der Wechsel war natürlich unglaublich. Auch in der Türkei hatte ich sehr schöne Jahre, aber am Ende war ich dort nicht mehr ganz glücklich. Ich hatte meinen Vertrag dann aufgelöst und plötzlich klopfte Udinese an. Ich wusste sofort, dass ich das machen muss und will. So, wie es dann gelaufen ist, war es sicher ein Traum. Udinese hat mir eine zweite Karriere geschenkt. Ich fühle mich super wohl und konnte dem Verein auch viel zurückgeben. Udinese hat einen besonderen Platz in meinem Herzen.

Udinese Calcio wie Union Berlin

SPORT1: Am vergangenen Spieltag haben Sie Udinese in die Top 3 der Serie A geschossen.

Arslan: Das war mein erstes Tor in dem Stadion, es war ein geiles Gefühl. Vor den eigenen Fans zu treffen, ist natürlich immer etwas Besonderes. Es herrschte eine unglaubliche Atmosphäre. Ich konnte den Klub endgültig zum Sieg köpfen. Und dann noch gegen Inter. Es war wirklich ein besonderer Moment. (DATEN: Die Tabelle der Serie A)

SPORT1: Ist Udinese Calcio so ein bisschen wie Union Berlin?

Arslan: Der Vergleich passt. Udinese ist eine Stadt, die komplett für den Fußball lebt. Wenn man die vergangenen Jahre Revue passieren lässt, gab es einige Spieler, die sich toll entwickelt haben und heute bei Topklubs spielen. Viele Vereine können sich an Udinese Calcio durchaus ein Beispiel nehmen, weil sehr gut gewirtschaftet wurde. Die Philosophie stimmt einfach. Zudem konnte in diesem Sommer ein Großteil der Mannschaft gehalten werden. Wir spielen immer noch mit sieben, acht Jungs, die schon drei Jahre zusammenspielen. In den zurückliegenden beiden Jahren hat der Klub 150 Millionen Euro eingenommen. Wenn man dann schaut, was ausgegeben wurde, dann steht am Ende eine grüne Zahl. Das passt auch zu Union.

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SPORT1: Sie standen fünfeinhalb Jahre beim Hamburger SV unter Vertrag. Der ganz große Durchbruch gelang ihnen dort aber nicht, oder?

Arslan: Das stimmt. Es war keine leichte Zeit in Hamburg. Ich habe dort aber meine Spiele gemacht. Ich bin dem HSV sehr dankbar, das war mein Türöffner als Profi. Viele in Deutschland wissen, wie turbulent es in der Vergangenheit beim HSV abging. Ständig waren neue Spieler und neue Trainer da. Da konntest du dich nur schwer auf Fußball konzentrieren. Ich hätte beim HSV früher den Absprung wagen müssen. Ich weiß nicht, wie viele Trainer ich damals dort hatte. Und jedes Jahr kamen zehn neue Spieler, die Zeit beim HSV war sehr turbulent. Nichtsdestotrotz hat mir der Klub wirklich viel gegeben. Danach ging es für mich bergauf. Ich habe mit Besiktas zwei türkische Meistertitel gewonnen, konnte Champions-League-Erfahrung sammeln und habe mich super entwickelt.

SPORT1: Wer war eigentlich Ihr bester HSV-Trainer?

Arslan: Thorsten Fink. Er hat mir am meisten gegeben, hatte eine super Idee vom Fußball. Mit Fink war es einfach sensationell. Seine Art, wie er Spieler begeistern kann, hatte mich gleich gepackt. Für mich ein unglaublich guter Trainer.

Lazar Samardzic? „Eine große Karriere vor sich“

SPORT1: Sind Sie mit der Rolle des Jokers bei Udinese Calcio zufrieden?

Arslan: Ich sehe mich nicht als Joker, habe in den ersten beiden Jahren sehr viele Spiele gemacht. Die meisten auch von Beginn an. Und vor dieser Saison konnte ich aufgrund einer Verletzung die Vorbereitung nicht mitmachen. Dann habe ich mich aber langsam wieder ranarbeiten können und schließlich zweimal von Anfang an gespielt. Zuletzt durfte ich pausieren. Ich denke, dass ich auch weiterhin viele Spiele komplett bestreiten werde.

SPORT1: Was halten Sie von Ihrem Kollegen Lazar Samardzic, der deutscher U20-Nationalspieler ist?

Arslan: Er hat eine große Karriere vor sich. Ich habe auch schon mit Antonio di Salvo (deutscher U21-Trainer, Anm. d. Red.) über Lazar gesprochen, weil Toni und ich uns gut kennen. Er kommt wie ich aus Paderborn. Wenn Lazar weiter so bodenständig bleibt und so hart an sich arbeitet, werden wir noch viel Freude an ihm haben. Als Lazar die ersten Spiele bei Udinese gemacht hat, hat Toni sich auch mal nach ihm erkundigt. In ein, zwei Jahren wird Lazar ein Kandidat für die A-Nationalmannschaft sein. Da bin ich mir sicher.

Rückkehr in die Bundesliga? Das sagt Tolgay Arslan

SPORT1: Ein anderer Spieler bei Udinese Calcio ist Gerard Deulofeu. Er galt früher als kleiner Messi, schaffte aber den Durchbruch nicht. Inzwischen spielt er groß auf.

Arslan: Gerard ist auch ein Riesen-Spieler. Man darf nicht vergessen, dass wir in der Liga einige große Vereine haben von den Namen her. Aber ich glaube, dass keiner dieser Klubs gerne bei uns spielt. Wir haben Jungs mit viel Qualität im Team und spielen sehr unangenehm. Auch Gerard hat eine unfassbare Qualität. De Paul (Rodrigo) und Molina (Nahuel) waren in Udine, jetzt spielen sie bei Atlético Madrid. Viele denken immer noch, dass Udinese Calcio ein kleiner Verein ist, aber auch Bruno Fernandes war hier und spielt jetzt bei Manchester United.

Christian Eriksen (l.) und Bruno Fernandes (r.) sollen Manchester United wieder in die Erfolgsspur bringen
Christian Eriksen (l.) und Bruno Fernandes (r.) sollen Manchester United wieder in die Erfolgsspur bringen

SPORT1: Träumen Sie auch nochmal von einer Rückkehr in die Bundesliga?

Arslan: Nein. Ich sehe meine Zukunft in Italien, genieße das in Udine sehr. Die Serie A ist besser als die Bundesliga. In Italien kämpfen viele Klubs um die Meisterschaft und um die internationalen Plätze. In Deutschland gibt es den FC Bayern, dann kommt Borussia Dortmund und das war‘s. Das hat man in der Serie A nicht. Natürlich ist das Spiel hier sehr taktisch geprägt, aber die Serie A ist nicht schlechter als die Bundesliga. Ich sehe meine Zukunft weiter in Italien. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Serie A)

SPORT1: Der frühere Kölner Kingsley Ehizibue spielt auch bei Udinese Calcio. Was ist er für ein Typ?

Arslan: Er ist ein starker Außenverteidiger und passt hervorragend in unser System. Und er hat eine super Mentalität. Kingsley ist ein bodenständiger Typ. Er hatte in Köln ein sehr gutes Jahr. Er kommt oft von der Bank, aber bei seinen Leistungen wird er demnächst von Beginn an spielen können. In Italien wird ein robuster Fußball gespielt und daran muss man sich erstmal gewöhnen. Bis jetzt hat er seine Sache toll gemacht.

Das war Arslans größter Fehler

SPORT1: Thema Nationalmannschaft. Wie denken Sie da?

Arslan: Als ich noch in der Türkei spielte, hatte ich gehofft, für die türkische Nationalmannschaft auflaufen zu können, doch das hat leider nicht geklappt. Ich bin in Deutschland aufgewachsen und die deutsche Mannschaft hat genügend starke Spieler im Repertoire. Ich habe mich aber nie damit beschäftigt.

SPORT1: Udinese ist ein kleines Märchen für Sie. Wo wollen Sie noch hin?

Arslan: Sportlich gesehen habe ich mir schon einige Träume erfüllt. Ich wollte immer Champions League spielen, mich mit den Großen messen und Titel gewinnen. Ich kann zufrieden sein. Natürlich hätte ich hier und da gewisse Dinge besser machen können, aber ich bereue nichts. Der Fußball hat mir alles gegeben.

SPORT1: Letzte Frage: Was war Ihr größter Fehler als Profi?

Arslan: Als ich von Besiktas zu Fenerbahce wechselte, habe ich mich gegenüber den Fans nicht gut verhalten. Ich habe mich bei den Besiktas-Fans und dem Verein nicht korrekt verabschiedet. Ich wurde aus dem Nichts suspendiert und der Frust und die Wut saßen tief in mir. Ich wollte weg und habe öffentlich gegen Besiktas geschossen. Heute würde ich da einiges anders machen.