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Wilder kann Fury über 150 Millionen kosten

Wilder kann Fury über 150 Millionen kosten

Tyson Fury sind durch Deontay Wilder zwei große Zahltage gegen Anthony Joshua durch die Lappen gegangen. Um sie nachzuholen, darf er heute Nacht nicht stolpern.
Im Vorfeld zum Kampf Fury gegen Wilder Teil 3, geben sich beide Boxer selbstbewusst. "Wilder hat den stärksten Schlag, aber ich hab die dicksten Eier!", flachst Tyson Fury.
Martin Hoffmann
von Martin Hoffmann
09.10.2021 | 14:26 Uhr

Tyson Fury hatte völlig andere Pläne für das Jahr 2021. Pläne, die ihn um rund 200 Millionen Dollar reicher machen hätten sollen.

100 Millionen Dollar - etwa 86 Millionen Euro - war die geschätzte Börse für die beiden eigentlich schon verabredeten WM-Vereinigungskämpfe gegen Anthony Joshua. Pro Kampf. Pro Kämpfer.

Diese Planungen sind inzwischen völlig vom Gleis geraten, weil Ex-Champion Deontay Wilder mit dem gewonnenen Rechtsstreit gegen Fury dazwischengefunkt ist.

Joshua hat stattdessen einen WM-Fight gegen Oleksandr Usyk bestritten und verloren. Er müsste den Titel wiedergewinnen, um dem Traumduell der britischen Schwergewichte wieder den gleichen Marktwert zu verschaffen.

Und: Deontay Wilder darf heute gegen Fury nicht nochmal den Spielverderber geben.

Fury und Wilder seit Anfang 2020 nicht mehr im Ring

In der Nacht zum Sonntag steigt in Paradise bei Las Vegas das dritte Duell Wilder vs. Fury, auf dem Spiel steht der WBC-Titel, den Fury dem US-Amerikaner in Kampf Nummer 2 im Februar 2020 durch Technischen K.o. abgeknöpft hat.

Seitdem wurde viel geredet, geschachert und gegiftet – aber nicht gekämpft. Teil 3 der Trilogie, den Fury nicht mehr wollte, Wilder unter Berufung auf die vorher ausverhandelten Verträge aber erfolgreich eingeklagt hat, ist für beide der erste Fight seit damals.

Wer besser vorbereitet aus der unfreiwillig langen Corona-Pause kommt? Schwer zu sagen.

Tyson Fury beim Wiegen über 125 Kilo schwer

Furys Schwierigkeiten, sich über einen längeren Zeitraum topfit und -motiviert zu halten, sind Legende. Nach dem Überraschungssieg gegen Wladimir Klitschko 2015 stürzte der unter einer bipolaren Störung leidende Fury in ein psychisches Loch und geriert körperlich völlig außer Form.

Während der Corona-Pandemie verordnete Fury sich zwischenzeitlich ganz bewusst, keine sportlichen Ansprüche an sich zu stellen. Im Frühjahr gestand er freimütig, täglich literweise Bier zu trinken, zeigte sich mit viel Bauchspeck. Er sei jetzt „ein Mann der Freizeit“, in Form bringe er sich zu gegebener Zeit. Eine eigene Corona-Infektion Furys schob das Comeback weiter nach hinten.

Dass Fury - der beim Wiegen nun auf 125,5 Kilo kam (Wilder 108) - trotz seiner Probleme immer wieder Weltklasse-Leistungen abgerufen hat, wenn sie gefordert waren, macht einen beträchtlichen Teil seiner Faszination aus. Klappt es aber auch diesmal?

„Ich spiele mit einer Atombombe“

Dass Fury Wilder technisch überlegen ist, ist Experten-Konsens. „Wilder hat einfach nicht die boxerische Klasse und die Technik von Fury“, sagte etwa der langjährige Klitschko-Manager Bernd Bönte soeben der Augsburger Allgemeinen. Letztlich könne der 35-Jährige nur auf seine enorme Schlagkraft bauen und es mit Risiko auf einen K.o. anlegen.

Fury scheint sich derweil auch selbst ermahnen zu wollen, sich nicht in Siegesgewissheit einlullen zu lassen.

„Viele Leute schreiben Wilder ab, als wäre er irgendein Penner, ein nutzloser Typ, der nicht boxen könne“, übermittelte er der BBC: „Dabei darf man ihn keinesfalls abschreiben.“ Wilder sei noch immer „das gefährlichste Schwergewicht“, das es gebe, gefährlicher als alle anderen zusammen: „Wenn ich mit Wilder in den Ring steige, spiele ich mit einer Atombombe und fummele an den Drähten.“

Kein Kassenschlager wie Fury vs. Joshua

Dass Fury seinen Gegner eher stark als schwach redet, hat womöglich auch kommerzielle Gründe: Der Hype um den Fight ist nicht übermäßig groß.

Fury ist auf dem US-Markt kein so großer Star wie in anderen Erdteilen, die auch stets begrenzte Begeisterung für Wilder hält sich nach seiner Entzauberung im letzten Duell noch mehr im Rahmen.

Ein Wettbieten wie um die Austragung des Fury-Joshua-Fights gab Fury - Wilder nicht her. Laut Medienberichten können die beiden jetzt auch „nur“ mit einer Kampfbörse von je etwa 21 Millionen Euro rechnen. 151 Millionen weniger also, als in diesem Jahr mit den beiden Joshua-Fights zu verdienen gewesen wäre.

Um den weit größeren Geldregen noch nachholen zu können, muss Fury darauf hoffen, dass „A.J.“ nach der Pleite gegen Usyk wieder auf die Beine kommt. Und er darf sich selbst keinen Patzer erlauben. 100 Millionen Dollar pro Kampf wäre er danach nicht mehr wert.

Tyson Fury vs. Deontay Wilder: Uhrzeit, TV, Stream auf DAZN:

Uhrzeit: Übertragung ab 4 Uhr, Kampf ca. 5.30 Uhr

TV: -

Stream: DAZN