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Die 45 unglaublichsten Sportminuten

Die 45 unglaublichsten Sportminuten

Am 25. Mai 1935 stellte Jesse Owens fünf Weltrekorde an einem Tag auf, im Jahr darauf holte er viermal Olympia-Gold. Gewürdigt wurde er dafür nur bedingt.
Jesse Owens hat Leichtathletik-Geschichte geschrieben
Jesse Owens hat Leichtathletik-Geschichte geschrieben
© Imago
. SPORT1
von SPORT1
25.05.2021 | 15:24 Uhr

Jesse Owens hatte sich geprügelt, bevor er zur Legende wurde.

Nach einer "freundschaftlichen Rauferei" war er die Treppe runtergestürzt, und so taten ihm an diesem noch immer die Beine weh. Owens fühlte sich alles andere als fit - und schrieb dennoch Geschichte. Fünf Weltrekorde an einem Tag, ein weiterer eingestellt, bis heute unerreicht.

Der Tag ging als "Day of Days" in die Sportgeschichte ein.

"Ich wollte einfach nur gute Leistungen abliefern. Über Weltrekorde habe ich mir keine Gedanken gemacht", sagte Owens, nachdem sein Stern beim "Big Ten" im Stadion der Universität in Ann Arbor/Michigan aufgegangen war.

Jesse Owens sorgte 1935 für einen Urknall

Das jüngste von zehn Kindern eines armen Baumwollpflückers aus den Südstaaten war plötzlich ein Star und wurde in den Presseberichten mit Genies wie Shakespeare und Mozart verglichen, wurde zur großen Hoffnung für Olympia 1936 in Berlin - wo er vor den Augen von Adolf Hitler und seinem rassistischen Nazi-Regimes schließlich vier Goldmedaillen holen sollte.

Vor seinem Durchbruch hatte sich Owens mit schlecht bezahlten Jobs als Nachtportier und Liftboy durchgeschlagen oder den Zapfhahn einer Tankstelle bedient.

Doch am 25. Mai 1935 wurde alles anders. Los ging es nach offizieller Lesart des Weltverbandes World Athletics um 15.15 Uhr, als Owens in 9,4 Sekunden den Rekord über 100 Yards egalisierte. Zehn Minuten später sprang er in seinem einzigen Versuch 8,13 m weit - ein Weltrekord, der bis 1960 hielt.

Doch damit nicht genug. Um 15.45 Uhr lief Owens die 220 Yards in 20,3 Sekunden, was auch als Rekord über 200 m gewertet wurde. Und um 16 Uhr benötigte er schließlich 22,6 Sekunden für die 220 Yards Hürden, was gleichzeitig als Rekord über die 200-m-Hürden-Strecke galt.

Owens' Leistung bis heute unerreicht

Bis heute streiten sich die Gelehrten, ob der damals 21-jährige James Cleveland Owens, genannt Jesse, seine Höchstleistungen tatsächlich binnen 45 oder doch eher 70 Minuten oder gar zweieinhalb Stunden aufstellte.

Wie auch immer: Eine ähnliche Kollektion an Höchstleistungen an einem Tag bleibt bis heute in der Geschichte der Leichtathletik unerreicht.

Bitteres Nachspiel nach Olympia 1936

Mit Blick auf das, was Owens 1935 und 1936 vollbracht hat, ist umso bitterer, wie es danach mit dem Ausnahme-Athlet weiterging: Eine angemessene Würdigung seiner Leistungen gab es in seinem Heimatland nicht, Präsident Franklin D. Roosevelt weigerte sich Owens, im Weißen Haus zu empfangen - aus Furcht, sich bei seinen Wählern im Süden, wo noch die Rassentrennung galt, unbeliebt zu machen.

Eine unrühmliche Behandlung erfuhr Owens auch vom berüchtigten NOK-Chef Avery Brundage, der 32 Jahre später als IOC-Chef auch beim Umgang mit der Black-Power-Geste von Tommie Smith und John Carlos eine trübe Rolle spielte: Brundage suspendierte Owens, als der eine Europatournee nach Olympia abbrach, um nach drei Monaten zu seiner Familie zurückzukehren, und entzog ihm das Startrecht für weitere Amateur-Wettbewerbe.

Owens beendete schließlich mit nur 23 Jahren seine Sportkarriere, weil er keine Perspektive sah, damit seinen Lebensunterhalt zu bestreiten.

Owens starb 1980, sein Vermächtnis lebt

Owens starb am 31. März 1980 (Todesursache: Lungenkrebs), sein Vermächtnis als weltweit berühmtester Leichtathlet seiner Zeit ist präsent geblieben.

Jesse Owens starb 1980, Todesursache war Lungenkrebs
Jesse Owens starb 1980, Todesursache war Lungenkrebs

Der Schauplatz der "großartigsten 45 Minuten der Sportgeschichte" (Sports Illustrated) steht noch immer: Das Ferry Field in Ann Arbor sollte eigentlich längst einem riesigen Parkplatz weichen.

Doch die Anlage existiert noch und damit auch die goldene Plakette am Eingang, die an die "World Records" von Owens erinnert.

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