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Leichtathletik: DM-Titel nach vier Jahre Ruhestand - Knäsche überrascht bei den Finals

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Leichtathletik: DM-Titel nach vier Jahre Ruhestand - Knäsche überrascht bei den Finals

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Sensation der deutschen Leichtathletik

Sensation der deutschen Leichtathletik

Bei den deutschen Leichtathletik-Meisterschaften gewinnt Anjuli Knäsche völlig überraschend den Titel. Dabei hat die Stabhochspringerin bereits mit ihrer Laufbahn abgeschlossen.
Rutger Koppelaar zeigt beim Stabhochspringen eine kuriose Einlage. Während seines Sprungs bei der ISTAF Indoor versucht er wie ein Frosch über die Latte zu kommen - allerdings erfolglos.
Sebastian Mühlenhof
Sebastian Mühlenhof
Johannes Fischer
Johannes Fischer

Sie ist DIE Überraschung der „Finals“ von Berlin.

Anjuli Knäsche hat sich am Sonntag in Berlin zur deutschen Meisterin im Stabhochsprung gekürt. Mit einer übersprungenen Höhe von 4,55 Meter stellte sie ihre persönliche Bestleistung ein. Erst die EM-Norm von 4,60 m war zu hoch für sie.

Ihre Leistung ist vor allem deshalb so unglaublich, da die 28-Jährige ihre Karriere eigentlich schon beendet hatte.

Anjuli Knäsche bei ihrem Sprung über 4,55 Meter
Anjuli Knäsche bei ihrem Sprung über 4,55 Meter

Knäsche fehlte die Motivation

Vor vier Jahren hatte sich Knäsche dazu entschieden, ihre Stäbe in die Ecke zu stellen. Ausschlaggebend für ihr promptes Karriereende war damals ein Trainer, der sie nach ihrer Motivation fragte.

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„Ich habe bemerkt, dass ich den Stabhochsprung zwar gerne mache, ihn aber gleichzeitig als Flucht benutzt habe“, schrieb sie sie auf der Website Termin2go. „Die Erfolge im Außen waren da, allerdings war ich innerlich leer und auch die Erfolge haben mich nicht so erfüllt, wie ich erfüllt werden wollte. Mir hat es nicht gereicht, ich wollte mehr vom Leben.“

Sie verabschiedete sich vom Profi-Sport und machte nur noch „ein, zwei Mal die Woche Sport“, wie sie verriet.

Neustart von Knäsche in Stuttgart

Im vergangenen Jahr startete sie den kompletten Neuanfang. Sie verließ ihre Heimat in Schleswig-Holstein und zog nach Stuttgart. Dort fand sie zu ihrem Sport zurück und wurde beim ansässigen Verein LG Leinfelden-Echterdingen Trainerin im Stabhochsprung.

Anfang des Jahres meldete sie sich als Aktive bei den baden-württembergischen Hallenmeisterschaften in Sindelfingen zurück. Zwar startete sie „nur aus Spaß an der Freude“, wie sie der Filder-Zeitung erklärte, war mit 4,30 Meter aber zwischenzeitlich die beste deutsche Stabhochspringerin der Hallen-Saison.

Zwei Wochen später nahm Knäsche an der deutschen Hallenmeisterschaft teil und verpasste den Sieg lediglich wegen der mehr benötigten Versuche.

Mit dem Rückenwind aus dem Winter kramte sie ihre Stäbe auch für die Sommersaison hervor, weiterhin ganz ohne Druck. Und siehe da - auch in der Freiluft-Saison überzeugte sie und fuhr mit der zweitbesten Leistung einer deutschen Stabhochspringerin nach Berlin.

Erfüllt sich Knäsche den Traum von der Heim-EM?

Dort erfüllt sie sich ihren Traum von dem deutschen Meistertitel - zehn Jahre nach ihrem ersten DM-Start. Am Ende sprang sie satte 15 Zentimeter höher als ihre Konkurrentinnen Ella Buchner und Jacqueline Otchere, die jeweils 4,40 Meter überquerten.

Am Ende war sie von ihrem Coup offenbar bei weitem nicht so überrascht wie die Öffentlichkeit, wie sie im Anschluss erklärte. „Eine Medaille wollte ich definitiv und auch die Meisterschaft wollte ich gewinnen, wenn es möglich ist“, sagte sie bei leichtathletik.de mit einem verschmitzten Lächeln..

„Just for fun“ zur Meisterschaft - Anjuli Knäsche ist der lebende Beweis, dass dies funktionieren kann „Wenn es gut läuft vier Mal pro Woche“ habe sie im Vorfeld der Titelkämpfe trainiert - und damit bei weitem weniger als ihre Konkurrentinnen.

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Und trotzdem habe sich die Siegerhöhe von 4,55 Meter trotz der geringen Trainingsumfänge angekündigt, verriet sie.

„Einfach, weil ich Bock habe“

Knäsches erstaunlicher Erfolg basiert letztlich auf eine völlig geänderte Sichtweise, was Leistungsgedanke und Erfolgsdruck angeht.

„Als wir überlegt haben, ob es Sinn macht wieder zu springen, war die Regel, die wir aufgestellt haben: ‚Nur Springen wenn es Spaß macht‘ - ansonsten es einfach sein lassen. Das macht es leichter und nimmt den Druck raus“, sagte sie nach ihrem Gold-Coup.

„Ich mache es nicht, weil ich irgendwelche Normen springen muss, um irgendwo Gelder zu bekommen und überleben zu können. Sondern einfach, weil ich Bock habe, es zu machen - und das hilft schon.“

Bock hat die deutsche Sensationsmeisterin auch auf die Heim-EM in München - dafür muss sie „nur“ noch fünf Zentimeter höher springen. Bis zum 26. Juli hat sie noch Zeit, die Norm von 4,60 Meter zu knacken „Dafür war es heute technisch zu viel Kraut und Rüben“, sagte sie lachend.

„Just for fun“ zu den europäischen Titelkämpfen? In diesem Jahr scheint für Anjuli Knäsche fast alles möglich zu sein.