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Die vergessene Jahrhundert-Leichtathletin

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Die vergessene Jahrhundert-Sportlerin

Fanny Blankers-Koen kennt heute kaum noch jemand. Dabei war sie eine der besten Leichtathletinnen der Historie. Die „fliegende Hausfrau“ hatte ihre Sternstunde bei den Olympischen Spielen 1948, als sie in London vier Goldmedaillen holte.
Fanny Blankes-Koen holte in London vier Goldmedaillen
Fanny Blankes-Koen holte in London vier Goldmedaillen
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Johannes Fischer
Fanny Blankers-Koen kennt heute kaum noch jemand. Dabei war sie eine der besten Leichtathletinnen der Historie. Die „fliegende Hausfrau“ hatte ihre Sternstunde bei den Olympischen Spielen 1948, als sie in London vier Goldmedaillen holte.

Zehntausende Menschen stehen am Straßenrand und jubeln einer Frau zu, die in einer Pferdekutsche durch die Straßen von Amsterdam fährt. Es regnet Konfetti und überall werden Fahnen geschwenkt.

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Die Szenerie spielt sich im August 1948 im Königreich der Niederlande ab. Es ist allerdings keine Monarchin, die auf den Straßen Amsterdams für die Jubelstürme sorgt, sondern eine Hausfrau. Genauer gesagt eine „fliegenden Hausfrau“.

Zehntausende Menschen säumten die Straßen in Amsterdam, als Fanny Blankeres-Koen aus London zurückkam
Zehntausende Menschen säumten die Straßen in Amsterdam, als Fanny Blankeres-Koen aus London zurückkam

Blankers-Koen rennt die Konkurrenz in Grund und Boden

Unter ihrem bürgerlichen Namen Fanny Blankers-Koen ist sie es, der die Herzen zufliegen, weil sie bei den Olympischen Spielen in London schier Unvorstellbares leistete. Die damals 30-Jährige startete insgesamt viermal und holte ebenso viele Goldmedaillen.

Kein Wunder also, dass die Leichtathletin als Nationalheldin aus England in ihre Heimat zurückkehrt. Ihr zu Ehren wird später sogar eine Statue in Rotterdam errichtet.

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Den beeindruckendsten Sieg errang Blankers-Koen am 6. August, als sie bei starkem Regen die Konkurrenz über 200 Meter in Grund und Boden rannte. Sie gewann in 24,4 Sekunden und mit einem Vorsprung von 0,7 Sekunden, dem größten in der Geschichte der Olympischen Spiele über diese Distanz.

Auch über 100 Meter (11,9 Sekunden), 80 Meter Hürden (11,2 Sekunden) und in der 4x100-m Staffel (47,5 Sekunden), die sie als Schlussläuferin auf Platz drei liegend noch zum Triumph führte, stand sie auf dem Siegertreppchen.

Besonders bemerkenswert: Wie ihr Spitzname andeutet, konnte sie sich nicht ausschließlich auf ihren Sport konzentrieren, sondern kümmerte sich nebenbei um ihre beiden Kinder, die sie zu ihren Wettkämpfen begleiteten - auch in London.

Immer mit dabei: Ihre beiden Kinder

„Sie müssen wissen, dass ich schon 30 Jahre alt war. Ich hatte zwei Kinder, Jan, geboren 1941, und Fanny, mein kleines Mädchen, damals gerade mal zwei“, erzählte sie der Berliner Morgenpost. Vor den Spielen in London habe sie gehört, sie sei zu alt und solle sich lieber um ihre Kinder kümmern.

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Dass sie auch während der Olympia-Wettkämpfe das familiäre Wohl im Blick hatte, schilderte sie anhand einer besonderen Anekdote: „In einem Kaufhaus hatte ich sehr schöne und dazu noch billige Badetücher entdeckt. Sie müssen wissen, damals nach dem Krieg gab es das alles nicht so einfach. Also stellte ich mich an“, berichtete sie.

Dies dauerte allerdings so lange, dass sie um ein Haar zu spät zum Staffel-Finale gekommen wäre. Ihre Teamkameradinnen waren bereits auf dem Einlaufplatz, als sie dazukam - und von ihrem Trainer Jan Blankers, gleichzeitig ihrem Ehemann, einen Einlauf bekam.

Fanny Blankes-Koen holte in London vier Goldmedaillen
Fanny Blankes-Koen holte in London vier Goldmedaillen

„Ich wollte ihm das mit den Badetüchern berichten, doch er ließ mich gar nicht zu Wort kommen“, sagte sie. Nachdem sie die Staffel zum Sieg geführt hatte, habe sie ihm den Grund für ihre Verspätung offenbart - und für familiären Frieden gesorgt: „Jan hat mich gleich doppelt so heftig gedrückt.“

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Olympia-Regel verhindert zwei weitere Goldmedaillen

Dass es für die „fliegende Hausfrau“ bei vier Siegen in London blieb, lag an einer besonderen IOC-Regel. Zwei weitere Goldmedaillen hätten für die Dominatorin quasi bereitgelegen, doch das damalige Olympia-Reglement verhinderte das.

Als Weltrekordlerin im Weitsprung und Hochsprung musste sie auf beide Disziplinen verzichten, weil Frauen damals nur drei Einzelstarts erlaubt wurden.

Auch dank ihrer Leistungen fand nach und nach ein Umdenken zur Rolle von Frauen im Sport statt, wobei sich Blankers-Koen nie als Vorreiterin für den Frauensport sah: „Emanzipation war ein Fremdwort für sie“, schrieb der Sport-Informations-Dienst.

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Die Niederländerin blieb trotz des fortgeschrittenen Alters auch in den folgenden Jahre nahezu unschlagbar und holte bei den Europameisterschaften 1950 Goldmedaillen über 100 Meter, 200 Meter und 80 Meter Hürden, während sie mit der Staffel Zweite wurde. Ihre aktive sportliche Laufbahn beendete sie 1956 im Alter von 38 Jahren.

Ihre Leistungen waren so beeindruckend, dass sie der Weltverband 1999 in Monte Carlo zur „Leichtathletin des Jahrhunderts“ ernannte. Am 25. Januar 2004 starb sie im Alter von 85 Jahren in einem Pflegeheim.