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Leichtathletik-WM in Eugene: Vergabe an US-Stadt wirft bis heute Fragen auf

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Leichtathletik-WM in Eugene: Vergabe an US-Stadt wirft bis heute Fragen auf

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Vergabe der Leichtathletik-WM irritiert

Vergabe der Leichtathletik-WM irritiert

Am Freitag beginnt in Eugene die erste Leichtathletik-WM in den USA. Die Hintergründe der Vergabe sind bis heute ominös.
Sie hat vermeintlich schon alle Titel der Leichtathletik-Welt gewonnen. Im Exklusiv-Interview spricht Weitspringerin Malaika Mihambo unter anderem über ihre Begabung, die Vermarktung in der Leichtathletik und Schlafexperimente wie von Cristiano Ronaldo.
SID
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von SID

Die USA sind das Land von Jesse Owens und Carl Lewis, von Wilma Rudolph und Florence Griffith-Joyner.

Sie sind seit jeher die Weltmacht der Leichtathletik. Eine Weltmacht allerdings, die bislang noch nie die Weltmeisterschaften ausgerichtet hat. Dass sich dies ab Freitag ändert, lässt die heutigen Topstars in Sternen und Streifen geradezu schwärmen.

„Endlich sind wir zu Hause. Ich bin so dermaßen aufgeregt“, sagt Kugelstoß-Weltrekordler Ryan Crouser: „Gerade für mich, der in Oregon aufgewachsen ist, wird das ein absoluter Höhepunkt.“

Oregon? Richtig: Nicht in die Megametropole New York, nicht in die Olympiastädte Los Angeles oder Atlanta ist die erste US-Ausgabe (15. bis 24. Juli) der seit 1983 ausgetragenen Titelkämpfe vergeben worden.

Stattdessen ist das 170.000-Einwohner-Städtchen Eugene Schauplatz des coronabedingt um ein Jahr verschobenen Showdowns. Dass die 18. Weltmeisterschaften in der mit Abstand kleinsten Stadt ihrer Geschichte Station machen, hat zwei Gründe.

Ist die Leichtathletik-WM in Eugene gekauft?

Erstens und nachvollziehbar: Eugene ist die Hauptstadt der US-Leichtathletik, das für die WM grundrenovierte Stadion Hayward Field auf dem Campus der University of Oregon ist regelmäßig Schauplatz nationaler Meisterschaften sowie der Diamond League und war 2014 U20-WM-Gastgeber. „Eugene ist ein Ort mit einer langen und schönen Leichtathletik-Geschichte“, sagte Weitsprung-Olympiasiegerin Malaika Mihambo dem SID.

Zweitens und problematisch: Eugene ist Gründungsort des weltmächtigsten Sportartikel-Herstellers - Nike.

Die Mega-Kompanie soll mitverantwortlich dafür gewesen sein, dass die WM im Frühjahr 2015 überraschend nach Oregon vergeben wurde. Überraschend deshalb, weil die Titelkämpfe vom Weltverband, der damals noch IAAF hieß, nicht einmal ausgeschrieben worden waren.

Damals war Lamine Diack IAAF-Präsident, und da der 2021 verstorbene Senegalese sich als grundkorrupt entpuppte, passte die Affäre, die später französische Strafermittler beschäftigte, ins Bild.

Richtig pikant wurde sie aber, als die BBC Mailverkehr zwischen der Nike-Zentrale und Eugenes Bewerbungschef veröffentlichte, in dem den WM-Aspiranten der förderliche Einsatz Sebastian Coes versichert wurde.

Coe bestreitet Korruptions-Vorwürfe

Der Brite Coe, zweimaliger Olympiasieger, war seinerzeit IAAF-Vizepräsident - und bis November 2015 Nike-Markenbotschafter. Im August 2015 wurde Coe Diacks Nachfolger.

Als Ikone der deutschen Leichtathletik werden der Weitspringerin unzählige Fragen gestellt. Uns verrät sie im Exklusiv-Interview, welche die nervigste ist und was sie auf eine einsame Insel mitnimmt.
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Weitsprung-Star Malaika Mihambo stellt sich im Exklusiv-Interview unseren Fragen

Unlautere Lobby-Arbeit bestritt Sir Sebastian vehement. „Ich habe sie nur nach ihrer knappen Niederlage für die WM 2019 zu einer neuen Bewerbung ermutigt“, teilte Coe mit.

Er dürfte in der Tat viel zu smart für tumben Lobbyismus sein. In seiner Amtszeit wechselte beispielsweise der Weltverband seinen Ausrüster millionenschwer von einem deutschen Hersteller zu einem japanischen - und nicht zu Nike.

Für die Marke im Zeichen der Siegesgöttin dürften die Weltmeisterschaften dennoch stattlichen Werbeeffekt haben - ein Großteil der US-Spitzenathleten steht in Beaverton unter Vertrag.

USA hofft auf WM-Effekt

Und die WM dürfte zu Festtagen der US-Leichtathletik werden - das Tief von 2015 (nur Platz drei in der Nationenwertung) ist längst überwunden.

Ob die Sprinter um Christian Coleman und Noah Lyles, die Hürdenstars Sydney McLoughlin und Devon Allen, die Wurf- und Stoß-Giganten Valarie Allman und Ryan Crouser - nicht nur wirtschaftlich ist eine Machtdemonstration des US-Sports zu erwarten.

„Das ist eine einzigartige, einmalige Gelegenheit, die Leichtathletik-Landschaft in den USA zu verändern“, sagt der nationale Verbandschef Max Siegel. Fragen nach den Hintergründen dürften da nur stören.