Aus Sicht des Islamwissenschaftlers Sebastian Sons geht mit dem Iran-Krieg und dessen Folgen ein Reputationsverlust der Golfstaaten im Sport einher. „Das ist ein Super-GAU und ein absoluter Albtraum – vor allem, was ihr Image als Zentrum des globalen Sports angeht“, sagte Sons der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ).
Experte: Iran-Krieg belastet Sportstrategie der Golfstaaten
Experte: Iran-Krieg belastet Sportstrategie der Golfstaaten
Staaten wie Katar, Bahrain oder die Vereinigten Arabischen Emirate waren zuletzt von iranischen Vergeltungsschlägen getroffen worden. Durch den Krieg infolge der Angriffe der USA und Israels kam es zu Verschiebungen, Absagen und Komplikationen im internationalen Sport. In der Formel 1 wurden beispielsweise Reifentests in Bahrain abgebrochen, in der katarischen Liga Spiele auf unbestimmte Zeit verschoben. Auch das „Finalissima“ zwischen Argentinien und Spanien, das in Katars Hauptstadt Doha ausgetragen werden soll, steht auf der Kippe.
„Ein Großteil ihrer Soft Power und ihrer globalen Marketingstrategie beruht darauf, dass sie als neue Akteure im Sport ernst- und wahrgenommen werden“, erklärte Sons. „Dass sie jetzt Sportveranstaltungen absagen müssen, ist für die ‚Marke Golf‘ reputations- und geschäftsschädigend.“
Die Auseinandersetzung mit dem Krieg im Nahen Osten sieht Sons derweil als Thematik, an der sich Sportverbände „die Finger verbrennen“ könnten. Dennoch erwartet der Wissenschaftler, dass die anstehende Fußball-WM mit Co-Gastgeber USA „noch politisierter“ sein werde als das Turnier in Katar: „Der Sport kann sich der Weltlage nicht entziehen.“
Verbände müssten vor dem Turnier in den USA, Mexiko und Kanada (11. Juni bis 19. Juli) „eine klare Haltung und Kommunikationsstrategie formulieren: Wir sind nicht unpolitisch, aber wir lassen uns nicht für politische Zwecke instrumentalisieren. Das ist ein schmaler Grat“. Es gehe auch für den Deutschen Fußball-Bund (DFB) darum, „mit einem Plan in diese WM zu gehen“, sagte Sons: „Der DFB sollte nicht wie ein Getriebener wirken. Wichtig ist, den Druck von den Spielern zu nehmen. Das war ein Versäumnis in Katar, dort hat man die Spieler mehr oder weniger mit politischen Themen alleingelassen.“