Formel 1: Vier Kernpunkte für das Baku-Rennen

von SID
Russell glänzt nach Antonelli-Patzer im Qualifying
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Russell glänzt nach Antonelli-Patzer im Qualifying

Zwei Mercedes-Rivalen in völlig unterschiedlicher Stimmung und ein Stadtkurs mit vielen Tücken: Der Ausblick auf den Grand Prix von Aserbaidschan.

Geht es im Titelkampf der Formel 1 doch noch einmal in eine andere Richtung? Wenn, dann sollte Baku der Ausgangspunkt sein. Denn in den Grand Prix von Aserbaidschan am Samstagmittag (13.00 Uhr MESZ) startet George Russell von ganz vorne, WM-Spitzenreiter Kimi Antonelli nach einem schwachen Qualifying dagegen nur von Rang 16.

Russell braucht gegen seinen Mercedes-Teamkollegen einen deutlichen Sieg, um mal wieder ein Zeichen zu setzen, im Klassement liegt er 81 WM-Punkte zurück. Ein Blick auf die beiden Protagonisten und auf die Tücken des 15. Saisonrennens.

Russell startet vor Leclerc (l.) und Piastri (r.)
Russell startet vor Leclerc (l.) und Piastri (r.)Russell startet vor Leclerc (l.) und Piastri (r.)© AFP/SID/Igor IVANKO

Russell glänzt, Antonelli patzt

HOCH: Ist das schon wieder der George Russell von damals? Der Fahrer also, der als junger Kerl den Rekordweltmeister Lewis Hamilton hatte alt aussehen lassen? Der immer wirkte wie ein baldiger Weltmeister? In Baku jedenfalls sieht der Engländer erstmals seit vielen Monaten wieder aus wie ein Ausnahmefahrer, mit jeder schnellen Runde auf dem Stadtkurs schraubte er die Bestzeit weiter nach unten, am Ende trennten ihn acht Zehntelsekunden von der Konkurrenz.

„Das ist wahrscheinlich der größte Vorsprung meiner Karriere, sogar inklusive der Formel-2- und Formel-3-Zeiten“, sagte Russell nach seiner Fahrt zur Pole Position. Er habe nach den Veränderungen der letzten Wochen wieder Vertrauen ins Auto, und damit steige das Vertrauen in sich selbst, „das wird dann zu einer Aufwärtsspirale“. Eigentlich hat Russell in dieser Saison keine Chance mehr auf den Titel, in der aktuellen Form ist er aber klarer Favorit auf den Sieg in Baku. Immerhin.

TIEF: Spürt Kimi Antonelli nun doch die Last der Titelchance? Das ist in Baku eine Frage, die vielfach gestellt wird, denn einfache Fehler waren in diesem Jahr bislang überhaupt nicht sein Ding. Der harte Kontakt mit der Mauer und das frühe Aus im Qualifying waren untypisch, „ich bin wütend auf mich selbst“, sagte Antonelli später.

DEINE MEINUNG

Am Samstag schaut nun alles ganz genau hin: Schüttelt Antonelli das Qualifying ab und startet die nächste Aufholjagd? Zuletzt in Monza war er sogar von Startplatz 19 zum Sieg gerast. Oder wird Baku eines der bislang so seltenen schwachen Wochenenden für den 20-Jährigen – und damit vielleicht der Beginn einer Abwärtsspirale?

Pole-Fluch in Baku

START-ZIEL-SIEG? Die Pole Position sei „ein guter Ausgangspunkt für einen Sieg“, sagte Russell, „aber wir sind in Baku, da kann alles passieren.“ Auch dort kann Startplatz eins ein großer Vorteil sein, es ist schließlich immer noch ein Stadtkurs. Aber eben kein ganz gewöhnlicher. Nur dreimal bei den bislang neun Rennen führte die Pole Position später zum Sieg, der große Verlierer in dieser Statistik ist Charles Leclerc.

Der Ferrari-Pilot ist in Baku Rekord-Pole-Setter, von 2021 bis 2024 stand er viermal in Folge auf Startplatz eins – gewonnen hat er das Rennen noch nie. Zum einen bietet die 2,2 km lange und sehr breite Vollgaspassage vor dem Ziel viel Windschatten und eine gute Überholmöglichkeit, zum anderen ist der Baku City Circuit mit seinen harten Bremspunkten und nahen Mauern das, was man eine selektive Strecke nennt: Man kann dort viel falsch machen.

CHAOS: Für Beispiele genügt ein Blick in die Geschichte: 2017 etwa gab es in einem Rennen gleich vier Safety-Car-Phasen, in einer davon fuhren sich Sebastian Vettel und Lewis Hamilton gegenseitig ins Auto. 2018 kollidierten Max Verstappen und Daniel Ricciardo in ihren Red Bulls, späte Reifenschäden für Verstappen und Lance Stroll stellten das Rennen 2021 kurz vor Schluss auf den Kopf. Das ist nur eine Auswahl wilder Szenen aus Baku.

Ein weiteres Beispiel lieferte erst am Freitag die Formel 2: Mitten im Rennen führte ein Massencrash in Kurve zwei zur Unterbrechung, am Ende kamen nur 14 der 22 Autos ins Ziel. Auch für die Formel 1 werden es am Samstag lange 51 Runden.