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Unfall-Flut durch neues Reglement?

Unfall-Flut durch neues Reglement?

In der Formel 1 kommt es in dieser Saison zu besonders vielen Unfällen. Geht es nach McLaren-Teamchef Andreas Seidl, spielt bei dieser Unfall-Flut auch das neue Reglement 2022 eine Rolle.
Weltmeister Lewis Hamilton gilt als absoluter Superstar in der Formel 1. Eine Person ist während der Saison stets an seiner Seite.
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von SPORT1

Max Verstappen, Mick Schumacher, Sebastian Vettel oder auch Sergio Perez: Sie alle verursachten in dieser Saison schon mindestens einmal einen Unfall.

Insgesamt gab es an den bislang 16 Rennwochenenden 16 Unfälle mit Totalschäden und 26 Crashs, die mehr als 100.000 Dollar kosteten. Acht Mal im Rennen, vier Mal in der Qualifikation, ein Mal im Sprint und drei Mal in freien Trainings. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Formel 1)

In den Vorjahren wäre das alles noch halb so schlimm gewesen. Doch seit dieser Saison zwingt erstmal in der Geschichte der Formel 1 eine Budgetdeckelung die Teams zum Sparen.

Wurden Mehrkosten durch Unfälle in den Vorjahren einfach auf das Budget obendrauf geschlagen, müssen eventuelle Crashkosten nun bereits zu Saisonbeginn im Budget Berücksichtigung finden. Rund drei Prozent sollen in dieser Saison von den Teams für Reparaturen und Ersatzteile eingeplant worden sein.

Andreas Seidl: „Je später die Unfälle, desto schwieriger“

Damit hat man in dieser Saison zwar eine Gleichbehandlung zwischen reichen und armen Rennställen -dennoch werden die kleineren Teams dadurch nicht entlastet.

McLaren-Teamchef Andreas Seidl bei Auto, Motor und Sport: „Wenn es mehr Unfälle werden, musst du bei der Entwicklung sparen. In der ersten Saisonhälfte kannst du das noch gut ausbalancieren. Je später die Unfälle stattfinden, desto schwieriger wird das. Weil dann bei beiden Posten nicht mehr viel Spielraum ist.“

Allerdings darf man die von den Teams genannten Kosten nach Unfällen nicht Eins-zu-Eins übernehmen. Mercedes und Red Bull haben nach den Unfällen in Imola (Valtteri Bottas) und Silverstone (Max Verstappen) jeweils über eine Million Dollar angegeben.

Der Titelkampf in der Formel 1 zwischen Hamilton und Verstappen spitzt sich zu. Marc Surer äußert sich zur Favoriten-Frage.
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"Crash-Potenzial" im Titelfight: Surer über Hamilton vs. Verstappen

Dabei berücksichtigten die Verantwortlichen allerdings nicht die unterschiedliche Lebensdauer der einzelnen Teile. Vielmehr wurden alle beschädigten Komponenten pauschal als fabrikneu bewertet. (DATEN: Der Rennkalender der Formel 1)

Daher müsse man die Kosten relativieren, erklärte Seidl, da Teile am Ende ihrer Lebensdauer keinen finanziellen Wert mehr hätten. Aufgrund des Alters wären sie „sowieso aussortiert worden.“

Aber nicht nur das Alter der Komponenten beeinflusst den Wert, auch technische Weiterentwicklungen können bestimmte Spezifikationen veralten lassen, was ebenfalls einen Austausch nötig machen würde.

Das neue Reglement und seine Auswirkung auf 2021

Zudem hat gerade das neue Reglement für 2022 eine interessante Nebenwirkung auf die laufende Saison.

Vorhandene Komponenten können zum großen Teil in der kommenden Saison nicht mehr verwendet werden, da sie dem neuen Reglement nicht mehr entsprechen.

„Was am Ende noch kaputtgeht, wäre sowieso weggeworfen worden“, bescheinigte Seidl.

Dennoch bleibt die Frage: Warum kommt es zu dieser Unfallhäufung in der laufenden Saison?

Hartes Duell zwischen Hamilton und Verstappen

Ein Hauptgrund dürfte vor allem die Dichte im Fahrerfeld sein. Vorne gibt es ein hartes Duell zwischen Lewis Hamilton und Max Verstappen. Aber auch dahinter kämpfen zahlreiche Fahrer um die Plätze.

Daher gehen die Piloten in dieser Saison mehr Risiko ein. Mehr Risiko bedeutet aber zwangsläufig auch mehr Unfälle! (DATEN: Die Fahrerwertung der Formel 1)

Diese dürften gegen Saisonende sogar noch mehr werden. Wie Seidl richtig bemerkte: Aktuelle Teile können kaum in die neue Saison mitgenommen werden und haben keinen Wert mehr für die Teams.

Daher werden die Fahrer mit dem Material nicht unbedingt vorsichtiger umgehen, wenn es Richtung Saisonende geht.

Mercedes' British driver Lewis Hamilton wins the Turkish Formula One Grand Prix at the Intercity Istanbul Park circuit in Istanbul on November 15, 2020. (Photo by TOLGA BOZOGLU / POOL / AFP) (Photo by TOLGA BOZOGLU/POOL/AFP via Getty Images)
ISTANBUL, TURKEY - NOVEMBER 15: Race winner Lewis Hamilton of Great Britain and Mercedes GP celebrates winning a 7th F1 World Drivers Championship on the podium during the F1 Grand Prix of Turkey at Intercity Istanbul Park on November 15, 2020 in Istanbul, Turkey. (Photo by Tolga Bozoglu - Pool/Getty Images)
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7x Weltmeister - so machte sich Hamilton unsterblich

Fahrer gehen gegen Saisonende mehr Risiko ein

Ganz im Gegenteil: WM-Punkte und damit einhergehende Anteile am Formel-1-Finanztopf sind bedeutsamer als Teile, die sowieso weggeschmissen werden.

Daher werden die Fahrer auch mehr Risiko eingehen, um sich wichtige WM-Punkte zu sichern. (DATEN: Die Teamwertung der Formel 1)

Beim Großen Preis der Türkei hatte diese Entwicklung keine Folgen, aber umso mehr es auf das Saisonende zugehen wird, desto höher scheint die Gefahr für weitere Unfälle.

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