Bernd Mayländer hatte sie alle im Rückspiegel. Michael Schumacher, Mika Häkkinen, Fernando Alonso, Lewis Hamilton, Max Verstappen, all die Weltmeister. Und wer hauptberuflich die schnellsten Fahrer der Welt einbremst, dem fliegen nicht immer nur die Herzen zu.
Formel 1: 500. Grand Prix - da kann selbst Rekordfahrer Alonso nicht mithalten
Er lässt alle F1-Stars hinter sich
Als Kriechtier wurden er und sein Auto etwa von Verstappen einmal bezeichnet, erinnert sich Mayländer im SID-Gespräch und muss ein bisschen lachen: „Can you tell the turtle to speed up“, ob jemand der Schildkröte mal Beine machen könne, fragte der Niederländer Verstappen einst im Funk.
Formel 1: Mayländer eilt allen voraus
Mayländer nimmt so etwas nicht persönlich, „das sind Rennfahrer, das sind Emotionen, das gehört dazu“. Und er weiß, wovon er spricht. Seit 26 Jahren schon steuert Mayländer das Safety Car der Formel 1, der Deutsche gehört zum Inventar der Königsklasse, ist bekannt und beliebt im Fahrerlager.
Und beim Saisonauftakt am Sonntag (ab 5 Uhr im LIVETICKER) in Australien begeht er seinen 500. Grand Prix. Da kann selbst der Rekordhalter unter den Fahrern nicht mithalten, der ewige Alonso bringt es derzeit auf 425 Rennen.
Seit 2000 offizieller Safety-Car-Pilot
Dabei war Mayländer 1999 eher zufällig in den Blick für diese Rolle geraten, der damalige Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug hatte ihn empfohlen. Seinerzeit fuhr der Schwabe in der Rahmenserie Porsche Supercup und war sowieso immer vor Ort, „und gut Autofahren konnte ich auch“.
Ab 2000 war er dann offizieller Safety-Car-Pilot, welche „Reise“ daraus werden würde, war nicht absehbar. Mayländer hat die Formel 1 epochenübergreifend erlebt, er hat auch die Evolution des Safety Cars zur hochmodernen Schaltzentrale mitgestaltet.
Beifahrer hilft Mayländer
Der Funk sei noch immer das Wichtigste, doch heutzutage blinken zahlreiche Lichter in seinem Mercedes AMG GT Black Series: GPS-Daten, Kamerabilder, Warnungen von der Rennleitung, alles läuft bei Mayländer ein.
Ein Beifahrer hilft, alles zu sortieren, ab dem Rennstart sitzen beide bereit – und wenn er dann gebraucht wird, wenn das Feld nach einem Unfall eingebremst werden muss, dann geht es eben um Sicherheit. Nicht um die Wünsche der Formel-1-Fahrer, die hinter ihm um ihre Reifentemperaturen fürchten.
Ein „angenehmes Renntempo“ schlage er an, das ist ziemlich rasant für normale Menschen. Mayländer treibt das Auto durch die Schikanen, so schnell wie möglich, aber eben so langsam wie nötig. Die Rennleitung macht da klare Vorgaben, „und Risiko ist in meinem Job ein No-Go. Sonst hieße es ja Danger Car.“
Mayländer verpasste nur vier Rennen
Der Job hat Mayländer mehrfach um die Welt geführt, nur vier Rennen hat er in einem Vierteljahrhundert verpasst, „ich hatte da immer ein Attest“, sagt er grinsend. Mittlerweile hat eine Saison 24 Rennen, wie die Fahrer reist Mayländer spätestens am Mittwoch vor einem Grand Prix an, ist dann in zahlreichen Vorbereitungsterminen gefordert.
Es ist eine intensive Aufgabe für den Familienvater. Aber Anlass, über das Ende nachzudenken, sei dieses Jubiläum nicht. „Vierstellig, das kannst du abhaken, das wären noch mal 20 Jahre“, sagt er, aber die Marke von 600 Rennen sei locker drin. „Bei mir“, sagt Mayländer, „ist immer noch alles auf Grün.“