Radsport-Direktor mit übler Entgleisung

Radsport-Direktor mit übler Entgleisung

Beim Olympischen Zeitfahren sorgt Patrick Moster für einen rassistischen Eklat. Der BDR-Sportdirektor verunglimpft afrikanische Konkurrenten. DOSB-Präsident Alfons Hörmann und BDR-Präsident Rudolf Scharping reagieren.
Der Leistungssportdirektor vom Bund Deutscher Radfahrer leistet sich bei Olympia eine rassistische Entgleisung. Wie wird das IOC und der DOSB darauf reagieren?
Entgleisung von Rad-Boss: "Wird definitiv ein Nachspiel haben"
05:28
Holger Luhmann
von Holger Luhmann
am 28. Juli

Patrick Moster wurde auf frischer Tat ertappt. Laut und deutlich fingen die Mikrofone die rassistische Entgleisung des BDR-Sportdirektors ein.

„Hol die Kameltreiber, hol die Kameltreiber, komm“, rief Moster seinem Schützling Nikias Arndt beim Zeitfahren zu und meinte damit offenbar die vor dem Deutschen gestarteten Azzedine Lagab aus Algerien und Amanuel Ghebreigzabhier aus Eritrea.

Die entsprechende Szene war auch in der Sportschau der ARD zu sehen bzw. zu hören.

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Hörmann und Scharping reagieren

DOSB-Präsident Alfons Hörmann reagierte auf SPORT1-Nachfrage: „Das Team D steht für die Einhaltung der olympischen Werte Respekt, Fairplay und Toleranz und lebt diese in all ihren sportlichen Wettbewerben“, sagte Hörmann.

„Es ist wichtig, dass sich Patrick Moster unmittelbar nach dem Wettkampf entschuldigt hat. Wir werden noch heute das persönliche Gespräch mit ihm suchen und die Situation aufarbeiten“, erklärte Hörmann weiter.

Wenig später meldete sich auch BDR-Präsident Rudolf Scharping zu Wort. „Die Aussage ist nicht akzeptabel. Wir werden darüber nach den Olympischen Spielen sprechen und dabei die Entschuldigung von Moster auch in die Bewertung einbeziehen, sowie den besonderen Stress, dem das deutsche Männer-Team Straße ausgesetzt war“, erklärte der frühere Spitzenpolitiker der SPD.

Hörmann äußerte sich nach einem Gespräch mit Moster erneut.

„Zwischenzeitlich haben wir dazu ein offenes und selbstkritisches Gespräch geführt und haben dadurch den Eindruck und die Sicherheit gewonnen, dass es ihm unendlich leid tut.“ Moster und das Team würden aus dem Vorfall „die notwendige Sensibilität für die künftigen Wettbewerbe mitnehmen“.

Moster bittet um Entschuldigung

Moster bat nach dem Wettkampf immerhin um Entschuldigung.

„Ich stand in der Verpflegung und habe Nikias Arndt angefeuert. Im Eifer des Gefechts und mit der Gesamtbelastung, die wir momentan hier haben, habe ich mich in der Wortwahl vergriffen. Es tut mir unendlich leid, ich kann nur aufrichtig um Entschuldigung bitten. Ich wollte niemanden diskreditieren“, sagte Moster dpa.

Dem SID sagte Moster: „Es tut mir wahnsinnig leid. Ich kann mich nur für die getätigten Worte entschuldigen. Es ist momentan sehr viel Stress und Hektik, dass ist aber keine Entschuldigung. Das darf nicht passieren.“

Er könne es sich selbst nicht erklären, wie es zu dieser Äußerung gekommen sei, sagte Moster.

„Ich bin in keinsterweise gegen ausländische Mitkonkurrenten in rassistischer Absicht oder ähnlichem unterwegs“, betonte Moster weiter. Er „schätze und achte die Leistungen, die von allen Sportlern hier gebracht werden“.

Arndt distanziert sich

Auch Arndt reagierte. „Ich bin entsetzt über die Vorfälle beim heutigen olympischen Zeitfahren und möchte mich hiermit deutlich von den Aussagen des sportlichen Direktors distanzieren! Solche Worte sind nicht akzeptabel“, schrieb Arndt bei Twitter.

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In einem weiteren Tweet fügte er hinzu: „Olympia und der Radsport stehen für Toleranz, Respekt und Fairness. Diese Werte vertrete ich zu 100% und ziehe meinen Hut vor all den großartigen Sportlern, die hier in Tokio aus aller Welt zusammen gekommen sind!

ARD-Kommentator Naß verurteilt Aktion von Moster

ARD-Kommentator Florian Naß reagierte sofort während der Übertragung.

„Patrick Moster war derjenige, der da eben gerufen hat. Und ich muss ganz ehrlich sagen: Wenn ich das so richtig verstanden habe, was er da gerufen hat, dann war das total daneben, aber mal sowas von daneben. Da fehlen mir die Worte“, meinte Naß.

Der 53-Jährige weiter: „Wenn ich das richtig gehört habe: ‚Hol die Kameltreiber!‘ Sowas hat im Sport überhaupt nichts verloren. Das ist absolut unterirdisch. Pardon, da fällt mir nichts ein. Und dessen muss man sich bewusst sein, wenn man an einem internationalen Rennen teilnimmt, bei dem Kameras und Mikrofone aufgestellt sind. Das ist unwürdig.“

Der 54 Jahre alte Moster ist seit 2012 Sportdirektor beim BDR. Nach dem Vorfall am Mittwoch ist die Frage: wie lange noch?

Alles zu den Olympischen Spielen 2021 bei SPORT1:

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