Eklat nach blutigem Olympia-Boxkampf

Eklat nach blutigem Olympia-Boxkampf

Ein französischer Boxer wird bei einem blutigen Kampf disqualifiziert und verliert anschließend die Kontrolle. Mit einem Sitzstreik versucht er die Situation zu retten.
Mourad Aliev (r.) wollte seine Disqualifikation einfach nicht wahrhaben
Mourad Aliev (r.) wollte seine Disqualifikation einfach nicht wahrhaben
© Imago
. SPORT1
von SPORT1
am 1. Aug

Der französische Superschwergewichtsboxer Mourad Aliev ist bei den Olympischen Spielen in Tokio disqualifiziert worden - anders als zunächst angenommen wurde der Ausschluss aber wohl fälschlicherweise vorgenommen.

Was war passiert? Sein Kampf gegen den Briten Frazer Clarke wurde wenige Sekunden vor Ende der zweiten Runde abgebrochen. Grund für die Disqualifikation war ein offenbar als absichtlich gewerteter Kopfstoß.

Der Franzose hatte entsetzt reagiert und hinter dem Rücken des Ringrichters wüste Gesten gezeigt. Immer wieder schrie er zudem: “Jeder weiß, ich habe gewonnen.”

Als die Entscheidung offiziell verkündet wurde, schritt Aliev auf eine Kamera am Ring-Rand zu, wedelte mit dem Finger und setzte sogar einen leichten Schlag auf die Linse. Selbst von seinem Kontrahenten ließ er sich nicht wirklich beruhigen.

Keine Chance auf Berufung trotz Fehler

Später beharrte Aliev darauf, die Kampfleitung habe ihm gegenüber eingeräumt, eine Fehlentscheidung getroffen zu haben, die sich allerdings nicht zurücknehmen lasse.

“Sie erkennen an, dass sie einen Fehler gemacht haben, aber wie es in den Regularien steht, können sie die Entscheidung nicht rückgängig machen. Das ist ein Skandal”, sagte Aliev im französischen Fernsehen. Clarke nannte die Situation “verwirrend”.

“Es gibt keine Berufung”, sagte John Dovi, der Technische Direktor des französischen Boxverbandes: “Der Supervisor bescheinigt einen Schiedsrichterfehler, er sagt, dass es keinen Fehler von Mourad gibt, aber sie können nichts tun.”

Präsidentin Brigitte Henriques von Frankreichs Olympischen Komitee (CNOSF) erklärte, man habe “ein Dossier zusammenstellt, um die Entscheidung vor dem CAS anzufechten”. Zuvor hatte er sich mit Clarke einen heftigen Kampf geliefert, der Brite hatte über beiden Augen blutende Cuts davongetragen.

Mourad Aliev weigerte sich, die Ringplattform zu verlassen
Mourad Aliev weigerte sich, die Ringplattform zu verlassen

Nach dem Kampf war Aliev auf der Ringplattform in einen Sitzstreik getreten. Rund 45 Minuten saß er dort, wenn auch mit einer kurzen Unterbrechung.

Als Sieger des Kampfes zog Clarke derweil ins Halbfinale ein und hat die Medaillen fest im Blick.

Strittige Entscheidungen bis hin zu offensichtlichen Fehlurteilen sind in der olympischen Box-Geschichte keine Seltenheit, 2016 in Rio jedoch eskalierten die Wettkämpfe.

Der Weltverband AIBA, der nach internen Skandalen in Tokio nicht für die Ausrichtung des Turniers zuständig sein darf, sperrte nach den Spielen zunächst alle 36 Punkt- und Kampfrichter.

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