Schock nach Gold: Medaille blättert

Schock nach Gold: Medaille blättert

Zhu Xueying erlebt nach ihrem Olympia-Triumph eine böse Überraschung mit ihrer Goldmedaille. Ist am Ende nicht nur Chinas Trampolinspringerin betroffen? Eine Material-Debatte ist entbrannt.
Nach insgesamt 338 Entscheidungen sind die olympischen Sommerspiele 2021 vorbei. Aus deutscher Sicht: zehn Goldmedaillen, Platz neun im Medaillenspiegel. Was bleibt von Tokio im Gedächtnis?
Deutsches Olympia-Fazit: "Imageschaden ist gewaltig!"
04:54
Christian Paschwitz
von Christian Paschwitz
am 28. Aug

Stell’ dir vor, du gewinnst olympisches Gold, und kurz darauf löst sich das (vermeintliche) Edelmetall mehr oder weniger auf.

Was sich ein bisschen anhört wie eine Kinderzimmer-Geschichte, in dem die goldene Beschichtung von Schokoladen-Talern verlustig geht, ist für Zhu Xueying nun durchaus ein Stück weit Realität geworden.

Wie Chinas englischsprachige Tageszeitung Global Times berichtet, hat die Olympia-Siegerin im Trampolinspringen mit ihrer Medaille einen Schreckmoment erlebt.

Was war passiert? Zhu Xueying hatte auf der sozialen China-Netzwerkseite Weibo gepostet, dass ihr goldener Gewinn im Zeichen der Ringe Auflösungserscheinungen zeige. (DATEN: Medaillenspiegel bei Olympia 2021)

“Ich dachte erst, es wäre wahrscheinlich nur Dreck, also rieb ich es mit meinem Finger und stellte fest, dass sich nichts veränderte”, zitiert Global Times die 23-Jährige. “Also kratzte ich daran, und die Markierung wurde größer.”

Schreckmoment: Kratzer in Goldmedaille

Dazu veröffentlichte die Chinesin in drei aufeinanderfolgenden Bildern, wie es offenbar um die Qualität ihrer Medaille bestellt ist, die einen sichtbaren Oberflächen-“Kratzer” ausweist.

Die Reaktionen daraufhin waren groß angesichts von fast 10.000 Kommentaren unter ihrem Beitrag - und die Debatte um die vor wenigen Wochen bei den Spielen in Tokio vergebenen Goldmedaillen entbrannte. (Ergebnisse der Olympischen Spiele)

Die im Raum stehende Generalfrage dabei: Sind etwa noch mehr Plaketten betroffen? Noch ist darüber nichts bekannt, hat sich allein Zhu Xueying zu Wort gemeldet.

Deutschland hatte in Tokio zehnmal Gold geholt, darunter Malaika Mihambo (Weitsprung) und Florian Wellbrock (Freiwasserschwimmen). Deren Management wollte sich auf SPORT1-Anfrage dazu aber nicht äußern.

Die olympische Goldmedaille von Zhu Xueying, Trampolinspringerin aus China, zeigt offenkundig Abnutzungsspuren
Die olympische Goldmedaille von Zhu Xueying, Trampolinspringerin aus China, zeigt offenkundig Abnutzungsspuren

Beschichtung, aber kein Materialfehler

Eine Stellungnahme gibt es mittlerweile immerhin vom Tokioter Organisationskomitee: Danach sind die jeweils etwa 556 Gramm schweren und einen Durchmesser von 85 Millimetern aufweisenden Medaillen keineswegs fehlerhaft. (Alles zu den Olympischen Spielen 2021)

Allerdings weisen sie eine zusätzlich auf die Oberfläche aufgetragene Beschichtung auf, die kleine Kratzer und Flecken auf den Medaillen eigentlich verhindern sollte, aber “keinen Einfluss auf die Qualität der Medaille selbst habe”, zitiert die Global Times das Komitee weiter.

Auch der Medaillen-Hersteller Japan Mint erklärte, man habe keine Mängel festgestellt. (Alle News zu Olympia 2021)

Gleichwohl gibt es nun Diskussionen darüber, inwieweit man die Medaillen nicht hätte anders anfertigen können, denn: Erstmals wurden sie aus dem Material recycelter Elektro-Geräte gefertigt.

Präsident Thomas Bach hat zwei Tage vor Ende der Olympischen Spielen ein positives Fazit gezogen.
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"Olympische Seele" trotz fehlender Zuschauer

Zhu Xueying hat Goldmedaille aus recyceltem Edelmetall

“Die Tatsache, dass die Medaillen für die Spiele in Tokio aus recycelten Materialien hergestellt wurden, ist für mich zu experimentell. Die Medaillengewinner verdienen etwas Wertvolleres”, schrieb etwa ein User auf Weibo.

So oder so: Vorerst ist nicht davon auszugehen, dass Zhu Xueying nun neue, unversehrte Medaille bekommt.


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