Nachdem Felix Lebrun eine halbe Ehrenrunde zurückgelegt hatte, hielt es seine Mutter auf der Tribüne nicht mehr auf ihrem Platz. Sie stürmte runter zur Wettkampfstätte und nahm ihren Sohn in die Arme. Sekunden später folgten Lebruns älterer Bruder Alexis und sein Vater. Während sich die Familie herzte, kochte die Halle und die Mehrzahl der 6600 Zuschauer stimmte die Marseillaise an.
Wunderkind lässt Grande Nation toben
Lebrun, 17 Jahre alt, das Wunderkind des Tischtennis, hat bei diesen Olympischen Spielen in Paris die Herzen der Grande Nation erobert. Am Sonntagmorgen glich die Arena Süd einer Pilgerstätte. Erst Lebruns Spiel um Platz drei, wenig später in der Halle unmittelbar nebenan Frankreichs Handball-Spiel gegen Ungarn – dieser Doppelpack lockte die Fans in Scharen an.
Tischtennis liegt Lebruns Familie
Und Lebrun, der noch ein wenig wie ein Milchbubi wirkt, lieferte, blieb eiskalt. 4:0 fertigte er den Brasilianer Hugo Calderano ab. „Ich bin stolz. Es macht mich froh, so viele Leute glücklich zu sehen“, sagte er im Anschluss: „Es ist eine tolle Sache, zur Entwicklung des Tischtennis beitragen zu können.“




Lebrun wuchs in einem Tischtennisumfeld auf. Sein Vater Stéphane war Nummer 7 der französischen Rangliste, sein Onkel Christophe Legout 14. der Weltrangliste. Er selbst begann mit drei Jahren mit Tischtennis, die Familienmitglieder hat er in seinen jungen Jahren schon überholt. Lebrun belegt Rang fünf der Weltrangliste - als bester Nicht-Chinese.
Niederlage gegen den späteren Olympiasieger
In Paris hatte er nur das Halbfinale verloren, gegen den späteren chinesischen Olympiasieger Fan Zhendong, der im Endspiel Schwedens China-Schreck Truls Möregardh bezwang. Sogar Fußball-Legende Zinédine Zidane hatte Lebruns Sieg gegen Dimitrij Ovtcharov auf der Tribüne verfolgt.
Seine Bekanntheit und Beliebtheit sind in den vergangenen Tagen förmlich ins Unermessliche geschossen. In jenem innigen Moment, als die Bronze-Medaille sicher war, geriet dies für ihn und seine Familie aber zur Nebensache.