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Was Olympia ausmacht, fehlt ausgerechnet hier völlig

Kaum olympische Stimmung in Mailand

Bei Olympischen Spielen herrscht traditionell ein besonderes Flair. In der italienischen Modestadt Mailand ist davon jedoch wenig zu spüren. SPORT1 war vor Ort - ein Stimmungsbericht.
Kurz vor Beginn der Olympischen Winterspiele hielt der ehemalige schwedische Fußballspieler Zlatan Ibrahimovic die Olympische Fackel hoch und lief durch Mailand.
Bei Olympischen Spielen herrscht traditionell ein besonderes Flair. In der italienischen Modestadt Mailand ist davon jedoch wenig zu spüren. SPORT1 war vor Ort - ein Stimmungsbericht.

Dicht gedrängt schlendern die Menschen in Mailand bei sonnigen 15 Grad über die Piazza del Duomo vor dem weltberühmten Dom. Während Touristen vor dem pompösen Gebäude posieren, genießen die elegant gekleideten Mailänder in Straßencafés ihren Espresso. Von olympischer Stimmung und Atmosphäre ist wenig zu spüren.

Zugegeben: Strahlender Sonnenschein und milde Temperaturen sind nicht gerade das Sinnbild von Winterspielen. Und Mailand ist mit seinen vier Eishallen und vier Sportarten (Eiskunstlauf, Shorttrack, Eisschnelllauf und Eishockey) auch nur die Heimat der Eissportwettbewerbe bei den auf viele verschiedene Orte verteilten Winterspielen.

Trotzdem ist bemerkenswert, dass das sportliche Großereignis ausgerechnet im Alltag der namensführenden Co-Gastgeberstadt kaum Raum einnimmt. Zwischen Designertaschen und „La Dolce Vita“ scheinen der olympische Gedanke und internationale Zusammenkunft verschiedenster Nationen in der Modemetropole kaum präsent.

Olympische Stimmung? Fehlanzeige. Ausgelassenheit und Internationalität? Fehlanzeige.

Dezente Olympia-Romantik

Bis auf ein großes blaues Zelt vor dem Dom mit einer endlos langen Schlange deutet im Zentrum Mailands wenig darauf hin, dass diese Stadt derzeit Olympische Winterspiele ausrichtet. Um in den sogenannten Megastore im blauen Zelt zu gelangen, in dem auf 1200 Quadratmetern die offiziellen Sammlerstücke und Kleidung der Spiele verkauft werden, sind allerdings zudem viel Geduld und Stehvermögen gefragt. Hier wird Olympia sichtbar – allerdings vor allem als Merchandising-Erlebnis.

Auch in der prunkvollen Galleria Vittorio Emanuele, direkt neben dem Wahrzeichen der Stadt, bleibt der Hinweis auf die Spiele dezent. Lediglich ein kleines Fensterbild mit den Olympischen Ringen unter der imposanten Glaskuppel erinnert daran, dass Mailand Co-Gastgeber ist. In den umliegenden Straßen hängen vereinzelte Olympiaplakate, welche im geschäftigen Treiben jedoch beinahe untergehen.

Funktionales olympisches Feuer

Erst in der sogenannten Fanzone angekommen, ist zum ersten Mal etwas mehr olympisches Flair zu spüren. Dafür sorgen vor allem die vielen verschiedenen Eishockey-Trikots aus aller Welt. Wer allerdings bereits bei einer Eishockey-Weltmeisterschaft als Zuschauer dabei war, stellt wiederum kaum einen Unterschied zu den Olympischen Spielen fest. Das Gefühl eines außergewöhnlichen, alles überlagernden Sportereignisses bleibt auch hier aus.

Zu guter Letzt bleibt noch der letzte zentrale olympische Ort in Mailand, der Arco della Pace. Seit der Eröffnungsfeier brennt am Friedensbogen das olympische Feuer. In einer kleinen Glaskuppel, umgeben von einem Gewirr aus Metallstangen, zieht diese Attraktion zwar viele Besucher an. Aufgrund der Größe und der Tatsache, dass die Flammen nur von zwei Seiten sichtbar sind, wirkt dieser Schauplatz jedoch mehr funktional als monumental.

Olympia in Mailand zu Gast?

Eine spürbare Identifikation mit den Spielen ist kaum wahrnehmbar. Auch deshalb wirken die Spiele wie ein Randereignis inmitten des alltäglichen Mailänder Stadttrubels.

Festzuhalten bleibt: Sowohl das berühmt-berüchtigte olympische Flair als auch den olympischen Geist sucht man in den Straßen Mailands vergeblich. So bleibt der Eindruck einer Stadt, die ihrem eigenen Rhythmus treu bleibt.

Und wer durch Mailand schlendert, kann kaum erahnen, dass hier gerade die Welt zu Gast ist.