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Olympia: "Unsere Befürchtungen sind leider wahr geworden"

Staatsanwalt untersucht Hate Speech

DOSB-Sportvorstand Olaf Tabor zieht eine Zwischenbilanz der Olympischen Spiele. Ein Thema mildert die Freude über Medaillenerfolge.
Olaf Tabor ist Vorstand Leistungssport beim DOSB
Olaf Tabor ist Vorstand Leistungssport beim DOSB
© IMAGO/Sven Simon
DOSB-Sportvorstand Olaf Tabor zieht eine Zwischenbilanz der Olympischen Spiele. Ein Thema mildert die Freude über Medaillenerfolge.

Die Probleme mit Hasskommentaren gegen deutsche Olympia-Sportler nehmen zu. „Unsere Befürchtungen, dass sich dieses Thema weiter verschärfen wird, sind leider wahr geworden“, resümierte Olaf Tabor, Vorstand Leistungssport beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB).

„Es wurden bislang schon gut 1300 Hasskommentare von der KI herausgefiltert, einige davon werden von der Staatsanwaltschaft untersucht. Das zeigt uns einerseits, dass es leider notwendig ist, dieses Angebot zu machen, andererseits sind wir auch froh darüber, dass wir es unseren Athletinnen und Athleten unterbreiten können“, erklärte Tabor.

Der DOSB setzt wie bei den Sommerspielen 2024 auch bei den Winterspielen auf einen Hate-Speech-Filter, um die Athletinnen und Athleten zu schützen. Während den Spielen 2024 in Paris wurden bei einem deutlich größeren deutschen Aufgebot laut DOSB mehr als 61.000 Kommentare erfasst, knapp 4000 davon wurden automatisch ausgeblendet. Das KI-System erkennt Beleidigungen, Drohungen sowie rassistische, sexistische und andere diskriminierende Inhalte in Echtzeit - und zwar in bis zu 30 Sprachen und 25 Kategorien.

Hass gegen Athleten ein internationales Problem

Auch die enge Zusammenarbeit mit der Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) besteht weiter, sodass rechtlich relevante Inhalte weiterhin unmittelbar an die Ermittlungsbehörden übermittelt werden können.

Der Hass im Internet während Olympia ist ein internationales Problem. Diverse Athleten haben damit zu kämpfen. Besonders prominent waren in den vergangenen Tagen die Fälle von US-Sportlern, die sich kritisch über ihre Regierung unter Präsident Donald Trump geäußert hatten.

Tabor zog auch sportlich Zwischenbilanz: Nur 13 Medaillen nach der Hälfte der 116 Entscheidungen - auch wegen wachsender internationaler Konkurrenz. Nach Ansicht des Funktionärs hat „der Rest der Welt“ der deutschen Olympiamannschaft bei den Winterspielen von Mailand/Cortina „das Leben schwer gemacht“. Dies erklärte Tabor am Sonntag in seiner Halbzeitbilanz und fasste zusammen: „Mit der bisherigen Ausbeute muss ich im Moment sehr zufrieden sein.“

Erste Olympia-Woche mit Höhen und Tiefen

Die erste Woche habe „Höhen und Tiefen“ gehabt, sagte der 55-Jährige: „Das schmerzt uns an bestimmten Stellen, wo wir angesichts der Vorleistung bessere Resultaten erwarten konnten.“

In Peking vor vier Jahren war Deutschland zweitstärkste Nation mit zwölfmal Gold und 27 Medaillen insgesamt. Bislang konnte sich das Team D auf die Stärke im Eiskanal verlassen, Stand Sonntagmorgen wurden im Rodeln und Skeleton mehr als zwei Drittel der Medaillen gewonnen, dazu drei von vier Goldmedaillen. Das resümierte auch Tabor: „Wir werden derzeit von den Schlittensportarten getragen“, andere Sportarten hätten „ihre Potenziale noch nicht so abgerufen“.

Außerhalb des Eiskanals sowie abgesehen vom Skisprung-Olympiasieg von Philipp Raimund sowie den zwei Alpin-Silbermedaillen gelangen an den ersten Wettkampftagen lediglich neun weitere Top-Acht-Ergebnisse. Es gebe „immer Wellenbewegungen“, erklärte Tabor und setzte hinzu: „Wir wollen in die Top 3, auf diesem Weg sind wir gerade.“

Unter Druck gesetzt durch die Bundespolitik, die für ihren Mitteleinsatz künftig vor allem Medaillen sehen will, sieht Tabor den deutschen Wintersport nicht: „Es geht nicht nur um diese zwei Wochen Olympische Spiele. Mein Blick ist immer etwas weiter gewählt. Olympische Spiele sind das maßgebliche Ereignis, aber nicht das einzige“, sagte er und verwies unter anderem auf Weltcup-Resultate.

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Mit Sport-Informations-Dienst (SID)