Hunter Hess gab alles, um den US-Präsidenten zu widerlegen - doch der Druck war wohl zu groß. Nach den Anfeindungen durch Donald Trump, der den regierungskritischen amerikanischen Ski-Freestyler einen „Loser“ genannt hatte, also einen Verlierer, flog Hess in der Halfpipe klar an einer Medaille vorbei. Platz zehn beim Olympiasieg seines Teamkollegen Alex Ferreira, des Zweiten von 2018 und Dritten von 2022, war nicht sein Ziel.
Olympia: Trump-Kritiker Hess verpasst Medaille
Trump-Kritiker Hess verpasst Medaille
Hess zeigte im ersten Run eine medaillenwürdige Vorstellung, ehe er den letzten Trick verpatzte. Im zweiten Lauf verlor er den rechten Ski, im letzten landete er den dritten Sprung unsauber. Ferreira setzte sich mit 0,75 Punkten Vorsprung auf den Esten Henry Sildaru durch, Bronze ging an Brendan Mackay aus Kanada.
Hess hatte zu Beginn der Spiele auf einer Pressekonferenz angesichts der verschärften Einwanderungskontrollen in seiner Heimat gesagt: „Nur weil ich die Flagge trage, heißt das nicht, dass ich alles repräsentiere, was in den USA vor sich geht.“ Trump hatte ihn daraufhin einen „richtigen Versager“ („real Loser“) und es „schade“ genannt, „dass er dabei ist“. Für Hess folgten die zwei „wohl härtesten Wochen“ seines Lebens, wie er bekannte.
Selbstironie nach Trump-Attacke
Bei der Quali am Vormittag hatte er nach seinem ersten Lauf seinen Daumen und Zeigefinger zu einem L geformt. „Ganz offensichtlich bin ich ein Loser“, sagte er in Anspielung an die Worte des US-Präsidenten. Auch auf Instagram nennt er sich inzwischen selbstironisch so, in Wahrheit aber sei er „nur ein Skifahrer aus Bend, Oregon“.
Hess hatte die Spiele 2022 wegen einer schweren Verletzung verpasst, auf seine erste Olympia-Teilnahme habe er sein „ganzes Leben lang hingearbeitet“, sagte er und betonte mit Blick auf Trump: „Ich lasse mich von solchen Kontroversen nicht aufhalten.“
Um all dem „Lärm und Hass da draußen“ zu entgehen, zog er sich im Vorfeld der Entscheidung zum Training in die Schweiz zurück, seine Familie begleitete und unterstützte ihn. „Skifahren hat mir schon so oft das Leben gerettet, und anscheinend hat es das wieder getan“, meinte er.
Doch bei einem Trainingssturz zog er sich „böse Verletzungen“ zu, wie er berichtete. Womöglich sei seine Hand gebrochen, die Hüfte ziert ein dicker blauer Fleck, Knie und Schulter schmerzten.
Aber, betonte Hess, „ich bin so gesegnet“, in Italien am Start zu sein, das bedeute ihm „unendlich viel“. Zu seinen Worten, betonte er, stehe er. Auch wenn ihn das zu einem „Loser“ mache.