Der von Olympia ausgeschlossene ukrainische Skeletonfahrer Wladyslaw Heraskewytsch will den Konflikt um seinen umstrittenen Gedenk-Helm vor dem Internationalen Sportgerichtshof ausfechten - während sich IOC-Chefin Kirsty Coventry emotional mitgenommen von dem Eklat zeigte.
IOC-Chefin bricht in ZDF-Interview in Tränen aus: "Was haben wir da gerade gesehen?!"
IOC-Chefin bricht in Tränen aus
In einem auch vom ZDF übertragenen TV-Interview mit mehreren Medien brach die Nachfolgerin von Thomas Bach in Tränen aus, als sie ihre Position zu Heraskewytschs Disqualifikation begründete.
IOC-Präsidentin Coventry bricht in Tränen aus
„Ich wollte unbedingt mit seinem Vater und ihm einen Weg finden, dass er starten kann“, erklärte die zweimalige Schwimm-Olympiasiegerin aus der früheren britischen Kolonie Simbabwe: „Leider haben wir keine Lösung gefunden. Ich wollte ihn wirklich wahnsinnig gern heute starten sehen.“
Coventry wurde von Tränen übermannt, als sie diese Worte aussprach und fuhr mit gebrochener Stimme fort: „Es war ein sehr emotionaler Morgen. Wir waren in dem Gespräch nicht in Tränen. Ich habe nicht als Präsidentin mit ihm und seinem Vater gesprochen, sondern als Athletin. Wir haben diese Regeln, um fair zu sein - um den Athleten beides zu ermöglichen: Ihre Meinung zu sagen, aber auch sicher zu sein. Es ist einfach eine wahnsinnig schwierige Situation.“
Der bemerkenswerte Auftritt verblüffte auch ZDF-Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein: „Was haben wir da gerade gesehen?! Eine IOC-Präsidentin, die völlig aufgelöst ist über eine Entscheidung, die sie selbst getroffen hat.“ Coventry erwirkte später eine leichte Milderung der Sanktionen für Heraskewytsch - der zwar disqualifiziert bleibt, aber seine Akkreditierung für die Spiele zurückerhält.
Heraskewytsch will nicht nachgeben
Heraskewytsch selbst will derweil nicht nachgeben: „Ich muss mich beraten lassen“, sagte er am Donnerstag kurz nach seiner Disqualifikation im ZDF: „Wir werden einen Fall für den CAS vorbereiten und für unsere Rechte kämpfen.“ Der WM-Vierte darf nicht bei den Rennen am Donnerstag und Freitag in Cortina teilnehmen. Grund für den Ausschluss durch das Internationale Olympische Komitee ist der Streit um Heraskewytschs Helm, auf dem Porträts von im Krieg von russischen Soldaten getöteten Sportlern aus der Ukraine zu sehen sind.
Auch der Gang vor den CAS wird Heraskewytsch keinen Start in Norditalien mehr ermöglichen. „Ich hatte alle Chancen auf eine Medaille, aber wir werden es jetzt nie erfahren“, sagte er: „Mein olympischer Moment wurde gestohlen. Aber es gibt Dinge, die wichtiger sind.“
Heraskewytsch hatte den Helm bereits in den Trainingsläufen getragen und immer wieder betont, dass er dies auch im Wettkampf plane. „Von Tag eins sagte ich: Ich werde diese Athleten nicht verraten. Wir sind auch wegen ihnen am Leben, wegen der Opfer, die sie gebracht haben. Sie verdienen es, hier zu sein.“
„Nicht die Botschaft, sondern der Ort“
Das IOC sieht in dem Helm einen Verstoß gegen die Olympische Charta, die Meinungsäußerungen unter anderem auf dem Spielfeld („field of play“) untersagt. Kern des Falls sei „nicht die Botschaft selbst, sondern der Ort, an dem er sie zum Ausdruck bringen wollte“, hatte das IOC wissen lassen. Als Kompromiss wurde Heraskewytsch angeboten, mit einer schwarzen Armbinde als Zeichen der Trauer zu starten.
Der Ukrainer zeigte sich „tief enttäuscht. Ich habe keine Regeln verletzt“, sagte er und verwies erneut auf andere Sportler, die ebenfalls auf der Olympia-Bühne an Verstorbene erinnert hatten. Er sehe daher eine „ungleiche Behandlung“, die Entscheidung des IOC bediene letztlich „russische Narrative und ist ein riesiger Fehler. Heute haben wir den Preis für unsere Würde bezahlt.“
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Mit Sport-Informations-Dienst (SID)