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Olympia 2026: Warum ihm die ganze Welt die Daumen drückt

Seine Geschichte geht unter die Haut

Eine Tragödie stellt das Leben von Maxim Naumov von einer Sekunde auf die andere auf den Kopf. Der Weg zur Heilung ist schwierig – doch der Eiskunstläufer gibt nicht auf. Nun erfüllt er sich bei den Olympischen Spielen einen großen Traum.
Die traurige Geschichte hinter Maxim Naumov
Die traurige Geschichte hinter Maxim Naumov
© IMAGO/Icon Sportswire
Eine Tragödie stellt das Leben von Maxim Naumov von einer Sekunde auf die andere auf den Kopf. Der Weg zur Heilung ist schwierig – doch der Eiskunstläufer gibt nicht auf. Nun erfüllt er sich bei den Olympischen Spielen einen großen Traum.

Noch bevor die Punkte feststanden, kamen Maxim Naumov die Tränen. Eben hatte er ein Foto hervorgeholt und ihm einen Kuss aufgedrückt. Dieses zeigte den Eiskunstläufer als Dreijährigen an der Seite seiner Eltern, die diesen Moment nicht mehr miterleben können. Zuvor hatte er bei den US-amerikanischen Meisterschaften das beste Kurzprogramm seines Lebens gezeigt und dafür Standing Ovations erhalten.

Doch die Gedanken von Naumov kreisten in diesem Moment um etwas viel Wichtigeres: „Ich dachte in dem Moment einfach nur an sie (seine Eltern, Anm. d. Red.). Ihr Lächeln, ihr Lachen, was sie zu mir sagen, ihre Worte. Das alles spielt sich in meinem Kopf ab, besonders in Momenten wie diesen. Ich liebe sie.“

Naumovs Eltern sterben bei Flugtragödie

Evgenia Shishkova und Vadim Naumov saßen am 29. Januar 2025 in dem American-Airlines-Flug 5342, als dieser über Washington mit einem Helikopter kollidierte und abstürzte. 67 Todesopfer forderte das Unglück - darunter auch die Eltern des 24-jährigen US-Amerikaners.

Die Weltmeister im Paarlauf von 1994 waren auf dem Rückweg aus Wichita in Kansas, wo sie bei einem Entwicklungscamp des US-amerikanischen Eiskunstlaufverbandes aushalfen.

Auch Maxim war bei dem Camp vor Ort, reiste allerdings bereits zu einem früheren Zeitpunkt mit einer anderen Maschine zurück.

Naumov erfüllt sich Olympia-Traum

Der Schicksalsschlag hätte dazu führen können, dass Naumov die Schlittschuhe an den Nagel hängt - doch stattdessen kämpfte er mehr denn je, um einen großen gemeinsamen Traum wahr werden zu lassen - die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Mailand/Cortina.

„In einem unserer letzten Gespräche zwischen meinen Eltern und mir ging es genau darum, und es würde mir die Welt bedeuten, das zu tun (an Olympia teilzunehmen). Das ist das, wofür wir kämpfen“, erzählte er.

Der Traum erfüllte sich. Drei Tage nach seinem emotionalen Auftritt bei den nationalen Meisterschaften wurde Naumov offiziell als Teil des Kaders für die Olympischen Spiele 2026 bestätigt - unter anderem an der Seite von Eiskunstlauf-Star und Gold-Mitfavorit Ilia Malinin.

Dabei war unmittelbar nach dem Tod seiner Eltern gar nicht klar, ob Naumov überhaupt jemals die Kraft finden würde, wieder aufs Eis zurückzukehren. „Diese Schlittschuhe das erste Mal (nach dem Unfall) wieder zu schnüren, war eine der schwierigsten Dinge in meinem Leben“, sagte er im Gespräch mit CNN.

„Kann nicht in Worte fassen, wie viel mir das bedeutet“

Dass er es dennoch tat, half ihm am Ende am meisten. „Der Weg zur Heilung bestand darin, die schwierigen Dinge zu tun“, erklärte er: „Ich wusste, dass ich das tun musste, um eine der schwierigsten Phasen meines Lebens zu überstehen. Sie (seine Eltern) hätten genau dasselbe gesagt.“

Für den jungen Athleten ist das Eiskunstlaufen untrennbar mit seinen Eltern verbunden - nicht nur aufgrund derer großen Erfolge in diesem Sport, sondern auch, weil sie seine ersten Coaches waren. Sie legten also den Grundstein dafür, dass sich Naumov nun den Traum von Olympia erfüllen kann.

Entsprechend bewegt zeigte er sich auch bei der offiziellen Teamverkündung: „Wir haben es geschafft! Jeden Tag, Jahr für Jahr, haben wir über die Olympischen Spiele gesprochen. Es bedeutet so viel in unserer Familie, und ich denke daran, seit ich fünf Jahre alt bin. Ich kann gar nicht in Worte fassen, wie viel mir das bedeutet.“

Die schmerzhafte Erfahrung durch den Tod seiner Eltern habe Naumov „leider sehr schnell erwachsen werden lassen“, doch auf dem Eis hat es ihn auch stärker gemacht als je zuvor. „Ich habe einfach mehr und mehr Selbstvertrauen gewonnen und bin mental sehr stark“, wird er von der Associated Press zitiert.

Zudem sagte er Reportern nach seinem Auftritt bei den US-Meisterschaften: „Ich finde, dass man in Zeiten wirklich schwieriger emotionaler Belastungen, wenn man sich nur ein bisschen mehr anstrengt, fast denken kann: ‚Was wäre, wenn? Was wäre, wenn ich trotz allem, was mir widerfahren ist, trotzdem rausgehen und es schaffen könnte?‘“

Olympia 2026: Naumov tritt in die Fußstapfen seiner Eltern

Und vielleicht ist es auch jene Mentalität, die ihn auch in Mailand zu Höchstleistungen treiben wird. Sein Auftritt dort wird das größte Highlight seiner bisherigen Karriere - aber es soll nicht das letzte bleiben, wenn es nach Naumov und wohl auch seinen Eltern geht.

So sagte er dem Magazin People, dass seine Eltern zwar sicher „sehr stolz“ auf ihn wären, zugleich aber auch sagen würden: „Die Arbeit ist noch nicht beendet, wir fangen gerade erst an.“

Den Anfang machen nun die Olympischen Spiele in Italien - und dieser dürfte wohl erneut sehr emotional werden. Schließlich tritt der junge Athlet damit auch sportlich endgültig in die Fußstapfen seiner verstorbenen Eltern, die 1992 und 1994 für Russland bei dem Großereignis angetreten waren.

“Dabei sein ist alles” wird dabei kaum das Motto von Naumov sein. Doch egal, wie das Ergebnis am Ende ausfällt - eines scheint sicher: Wenn er am 10. Februar für das Kurzprogramm aufs Eis läuft, wird er seine zwei größten Fans bei sich wissen.