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Olympia 2026: Hat Vonn noch eine Chance? Experte klärt auf

Vonn chancenlos? Experte klärt auf

Eine Olympia-Abfahrt mit Kreuzbandriss? Kniespezialist Ernst-Otto Münch erklärt bei SPORT1, inwieweit dieser riskante Unterfangen von Lindsey Vonn möglich ist.
Lindsey Vonn reißt sich bei der Olympia-Generalprobe das Kreuzband - und will trotzdem starten. Die US-Amerikanerin gibt eine bemerkenswerte Pressekonferenz.
Eine Olympia-Abfahrt mit Kreuzbandriss? Kniespezialist Ernst-Otto Münch erklärt bei SPORT1, inwieweit dieser riskante Unterfangen von Lindsey Vonn möglich ist.

Der erneute schwere Sturz von Lindsey Vonn sorgte kurz vor den Olympischen Spielen für Diskussionen. Trotz eines Kreuzbandrisses im linken Knie will die 41-jährige US-Amerikanerin an den Olympischen Spielen teilnehmen - mit Orthese und viel Erfahrung. Aus medizinischer Sicht sieht der Sportarzt Ernst-Otto Münch das Vorhaben mit gemischten Gefühlen.

Im Gespräch mit SPORT1 sprach der Kniespezialist über Vonns Plan, die Abfahrt in Angriff zu nehmen. „Aus der Sicht von Lindsey Vonn verstehe ich das schon“, sagte der frühere Mannschaftsarzt des deutschen Skiverbands: „Dass sie es trotzdem probiert, ist aus der Sicht der Sportlerin nachvollziehbar.“

Das Risiko eines erneuten Schadens sei zwar „überschaubar und vertretbar“. Aber bestehen noch Medaillenchancen? „Dass sie mit dem neuen Handicap ihre maximale Leistung erbringen kann, kann ich mir nicht vorstellen. Es ist eher unwahrscheinlich, dass sie auf dem Podium stehen wird.“

Technik und Tempo als zusätzlicher Risikofaktor

Vonn will wohl unter anderem auf eine Orthese setzen, wie sie sie auch schon am anderen Knie trägt. Ob das reicht? „Ja, von der Stabilisierung ist das sicher möglich“, befand Münch: „Aber ich befürchte, dass an der Feinkoordination, also an der muskulären Steuerung, doch Defizite verbeiben werden, die man mit der Brace, also mit der Orthese, auch nicht kompensieren kann.“

Das benötigte Feingefühl werde „an dem Knie schon deutlich eingeschränkt sein.“

Generell sei die „Belastung im Skisport auf den Körper enorm hoch. Ich glaube, ich kenne keine Sportart, in der die von außen einwirkenden Kräfte höher sind als im Skisport.“

Und trotzdem gehen die Athleten immer wieder an die Grenzen. „Die Fahrer versuchen den Ski immer auf der Kante zu fahren, dass keine Rutschphasen entstehen, wo sich das Tempo reduziert“, erklärte Münch: „Das ist extrem problematisch und grenzwertig.“

Gerade in Kombination mit hohen Geschwindigkeiten und aggressiver Linienwahl entstünden Kräfte, die selbst für optimal trainierte Körper nur schwer zu kontrollieren seien.

Kraft, Material und Grenzen des Körpers

Seit Jahren werde versucht, die Athletinnen und Athleten körperlich noch robuster zu machen, um den extremen Belastungen standzuhalten. Doch selbst das habe Grenzen, betonte Münch.

„Die alpinen Skirennläufer haben gewaltige Kraftwerte“, sagte er. Und führte weiter aus: „Aber wenn das Material und die Technik optimal ausgenutzt werden, wirken enorme Kräfte auf den Körper ein.“

Zwar habe sich im Bereich Sicherheit viel getan, doch der Fachmann warnte vor falscher Sicherheit. „Man versucht schon sehr vieles, dass sich Verletzungen durch äußere Bedingungen reduzieren“, erklärte er.

Er verwies auf Sicherheitsnetze, größere Sturzräume und neue Schutzsysteme: „Jetzt ist schnittfeste Unterwäsche eingeführt worden, es gibt das Airbag-System, das den ganzen Oberkörper schützt.“ Dennoch bleibe der Skisport riskant: „Aber es ist und bleibt eine gefährliche Sportart. Man kann das Risiko leider Gottes nicht eliminieren.“