Während Minerva Hase und Nikita Volodin ihrem Gold-Traum bei den Olympischen Spielen ganz nah sind, hat die Bewertung für das zweite deutsche Eiskunstlauf-Paar, Annika Hocke und Robert Kunkel, für großen Unmut gesorgt.
Olympia: Nach einer deutschen Eiskunstlauf-Show sorgt die Jury für Fassungslosigkeit
Fassungslosigkeit nach deutscher Show
Die Berliner gingen am Sonntagabend beim Kurzprogramm zwar nicht als Favoriten aufs Eis, begeisterten mit ihrem Auftritt jedoch das Publikum in der Milano Ice Skating Arena. Zu den Klängen von Lady Gaga legten sie los und rissen die Zuschauer mit spektakulären Flugelementen mit.
Kaum eine andere Darbietung des Abends wurde derart frenetisch gefeiert. Nach ihrem letzten Element jubelten beide ausgelassen und sichtlich erleichtert. Umso größer war dann die Ernüchterung, als die Wertung von 67,52 Punkten aufleuchtete.
Olympia: Eiskunstlauf-Bewertung lässt Reporter fassungslos zurück
ARD-Kommentator Daniel Weiss zeigte sich fassungslos: „Nur vierter Platz. Puh, also das finde ich jetzt echt ungewöhnlich. Kanada, China, USA vor Annika Hocke und Robert Kunkel. Sorry, das ist aus meiner Sicht eine krasse Fehlentscheidung.“
Der ehemalige Eiskunstläufer legte nach: „Sorry, kann ich nicht nachvollziehen.“ Auch nach dem anschließenden Auftritt des britischen Paares Anastasia Vaipan-Law und Luke Digby hatte sich Weiss nicht beruhigt. „Ich bin noch immer wirklich zutiefst verärgert“, stellte er klar. Seiner Ansicht nach sei es „nicht das erste Mal bei diesen Olympischen Spielen“, dass die Punktevergabe Fragen aufwerfe.
Weiss betonte zudem, wie schwierig es für die Athleten sei, unter diesen Gegebenheiten fair bewertet zu werden: „Da hast du als Eiskunstläufer einfach keine Chance. Da sind Menschen an der Bande, die zwar die ganzen Regeln gelernt haben. Aber am Ende ist es trotzdem eine subjektive Bewertung, was die Programmkomponenten betrifft.“
Trotz einer sauberen Vorstellung ohne grobe Fehler reichten die 67,52 Punkte von Hocke und Kunkel letztlich nur für Rang elf. Hase und Volodin erhielten für ihre Darbietung hingegen 80,01 Punkte und greifen in der Kür am Montagabend (ab 20 Uhr im LIVETICKER) nach Gold.
Wirbel um Entscheidungen bei Olympia: „Schließen uns leider an“
Hocke und Kunkel selbst bemühten sich im anschließenden Interview um einen sachlichen Ton. „Wir freuen uns. Es war schon unser Wunsch, die 70 mal zu knacken, aber mit der Leistung sind wir sehr zufrieden. Wir hatten eine super Zeit zusammen, und das war das Wichtigste für heute“, erklärte Hocke.
Auf die Kritik an der Wertung angesprochen, holte Kunkel etwas aus: „Wir haben ja in den letzten Tagen hier gesehen, dass es ein paar zu hinterfragende Entscheidungen gab. Und ja, wir schließen uns leider an.“
Der 26-Jährige sprach von „Politik im Hintergrund“ und ergänzte: „Es ist halt auch ein sehr subjektiver Sport, man kann es in die eine oder in die andere Richtung auslegen. Und ja, im Hintergrund verfolgt jeder sein eigenes Ziel. Wir versuchen, uns davon nicht unterkriegen zu lassen, und freuen uns umso mehr, dass es einigen Menschen auffällt.“