Laura Nolte rutschte in den Zielbereich und schaute in den dunklen Nachthimmel, wenige Augenblicke später zog sie sich mit einem gequälten Lächeln den Helm vom Kopf. Soeben hatte sie für Deutschland im Monobob die Silbermedaille bei den Olympischen Spielen 2026 gewonnen - aber Gold verpasst.
Olympia 2026: Kampf mit den Tränen nach Gold-Krimi
Kampf mit den Tränen nach Gold-Thriller
Bitter: Im vierten und entscheidenden Lauf zeigte Nolte Nerven und büßte ihren Vorsprung ein. Nach drei Läufen hatte sie noch in Führung gelegen, am Ende fehlten lediglich vier Hundertstel. Gold holte die US-Amerikanerin Elana Meyers Taylor, ihre Landsfrau Kaillie Armbruster Humphries belegte Platz drei. Für Lisa Buckwitz blieb nur der undankbare vierte Platz.
Nolte kämpft mit den Tränen
„Ich war bereit, ich habe alles gegeben, aber irgendwie sollte es nicht sein“, sagte Nolte im ZDF und musste immer wieder ihre Tränen zurückhalten: „Letztes Mal war es der vierte Platz in Peking. Aber dann will man auch gerne Gold gewinnen. Das hat leider nicht geklappt. Ich war eigentlich ready dafür, aber es sollte nicht sein.“
„Das ist bitter, du schnupperst an Gold und machst es am Ende nicht“, sagte Chef-Bundestrainer René Spies: „Laura ist sehr emotional, das sehen wir gerade. Aber man kann aus einem Monobob-Rennen auch ganz ohne Medaille rausgehen. Für mich hat sie nicht Gold verloren sondern Silber gewonnen.“
Direkt zum Auftakt des Wettbewerbs hatte Nolte am Sonntag einen neuen Bahnrekord aufgestellt (59,44 Sekunden) und die Führung übernommen. Bis zur Halbzeit konnte sie diese verteidigen, auch wenn die US-Amerikanerin Kaillie Armbruster Humphries im zweiten Lauf die Bestzeit aufstellte.
Im dritten Durchgang setzte Nolte am Montag das nächste Ausrufezeichen. Mit einer Zeit von 59,15 Sekunden konnte Nolte ihren eigenen Bahnrekord noch einmal unterbieten. „Wer will sie jetzt da noch angreifen?“, feierte Kommentator Eik Galley die Leistung von Nolte frühzeitig in der ARD - was sich noch rächen sollte.
Die beiden US-Amerikanerinnen Elana Meyers Taylor und Armbruster Humphries erhöhten den Druck und bauten den Bahnrekord aus. Beide kamen im dritten Lauf mit einer identischen Zeit (59,08 Sekunden) ins Ziel.
„Ein ganz verrücktes Rennen“
„Die drei zeigen gar keine Nerven, es ist ein ganz verrücktes Rennen“, sagte Chef-Bundestrainer Spies im ZDF, wollte eine Medaille aber noch nicht als garantiert ansehen: „Im Monobob kann alles passieren.“
Und tatsächlich veränderte sich das Klassement noch: Im vierten Lauf zog Elana Meyers Taylor an Nolte vorbei und verdrängte die Deutsche noch auf Platz zwei.
Nolte hatte 2016 bei den Jugend-Winterspielen in Lillehammer triumphiert und wurde anschließend dreimal Weltmeisterin. 2022 hatte Nolte bei den Olympischen Winterspielen in Peking im Zweierbob mit Anschieberin Deborah Levi die Goldmedaille gewonnen. Nun die Silbermedaille im Monobob.
Kim Kalicki aus Wiesbaden kam mit der anspruchsvollen Bahn überhaupt nicht zurecht und hatte als 15. mit der Entscheidung nichts zu tun.
Im Monobob wird mit Einheitsschlitten gefahren, weshalb die Weltspitze im Vergleich zum Zweier deutlich enger beieinander liegt. In Peking war das erfolgsverwöhnte deutsche Team in der damals neu eingeführten Disziplin komplett leer ausgegangen.
-----
Mit Sport-Informations-Dienst (SID)