Seine Bühne als Doppel-Olympiasieger hat Rennrodler Max Langenhan genutzt, um Kritik an der deutschen Sportförderung zu üben. „Am Ende muss ich auch mal ehrlich sein, dass etwas in Deutschland passieren muss“, betonte der 27-Jährige am Sonntag im ZDF. Zunächst war er eigentlich nur danach gefragt worden, warum Deutschland ausgerechnet im Eiskanal knapp 80 Prozent der Medaillen holte.
Olympiasieger übt Kritik: "In Deutschland muss etwas passieren"
„In Deutschland muss etwas passieren“
Doch Langenhan hatte etwas auf dem Herzen. „Bei den Sommerspielen haben wir viel darüber diskutiert, dass wir so wenig Medaillen gewonnen haben. Bei den Winterspielen ist das jetzt irgendwie auch nicht besser geworden. Im Land muss sich mit der Hinsicht auf Sport vielleicht mal etwas ändern“, forderte der Rodler.
„Geld haben wir genügend, aber es kommt vielleicht nicht immer dort an, wo man es braucht und wo es richtig investiert werden müsste“, merkte Langenhan an, der einen Aspekt herausstellte: „Was ich eine Mogelpackung finde, ist diese Sport-Milliarde.“
Olympia: Langenhan macht sich Sorgen über aktuelle Lage
„Da war für jedes Jahr eine Milliarde versprochen und jetzt gibt es für die ganze Legislatur eine Milliarde“, kritisierte der zweimalige Olympiasieger und sagte weiterführend: „Jeder in Deutschland weiß heutzutage, dass eine Turnhalle nicht mehr nur 500.000 Euro kostet und ein Schwimmbad auch nicht.“
Auch der DOSB hatte diesbezüglich im vergangenen Jahr bereits Kritik geäußert. „Es ist hochgradig enttäuschend, dass die Ankündigung des neuen Programms als ‚Modellprojekt zum Bürokratieabbau‘ nicht ansatzweise eingelöst wurde“, hatte der Dachverband im Oktober bemängelt.
Es brauche mehr Investitionen, um der Jugend mehr Sportmöglichkeiten zu verschaffen. Die aktuelle Lage löste bei Langenhan Besorgnis aus: „Und wenn ich mir dann unseren BMI (Body-Mass-Index, Anm. d. Red.) ansehe und die Begeisterung für Sport, finde ich das ein bisschen schade.“
Olympia: „Als Erstes die Kinder hinbekommen“
„Wir müssen da wieder mehr was hinbekommen, dass wir wieder eine Sport-Nation werden und dass die Leute einfach Spaß an Bewegung haben. Dass die Leute rausgehen und das genießen“, wünschte sich der Sportsoldat. „Wir haben die tollste Natur. Wir haben ganz, ganz viele ehrenamtliche Menschen, die sich in Vereinen engagieren.“
„Da müssen wir als Erstes die Kinder wieder hinbekommen“, erläuterte Langenhan. Erst in der Folge sollte man über die Ausrichtung der Olympischen Spiele nachdenken. „Dann kann man auf alle Fälle auch sagen: Wir bewerben uns für 2040 für Olympische Spiele und spielen dann im Medaillenspiegel wieder ganz oben mit.“