Riesenzoff im Curling! Am Freitagabend ist der Kracher zwischen Schweden und Kanada bei den Olympischen Spielen eskaliert und es ist zu üblen Beschimpfungen gekommen. Grund dafür sind Betrugsvorwürfe der Schweden gegen die Kanadier.
Olympia: Betrugsvorwurf! Riesenzoff im Curling
Betrugsvorwurf! Riesenzoff im Curling
„Komm, verpiss Dich!“, rief der kanadische Third Marc Kennedy dem Schweden Oskar Eriksson zu, „verpiss Dich einfach!“ Da die Spieler alle verkabelt sind, ging der Streit erst live um die Welt und später in den Sozialen Medien viral.
Kanadier bestreitet Betrugsvorwürfe
Aber was war überhaupt Stein des Anstoßes? Schon zu Beginn des Spiels behaupteten die Schweden, dass die Kanadier ihre Steine zu lange über die Hog-Line hinaus mit der Hand führen. Das wäre ein Regelbruch.
Deswegen wurden die Schiedsrichter vom schwedischen Team dazu aufgefordert, im weiteren Verlauf des Spiels genauer hinzugucken. Die Kanadier bestritten alles und stellten sich aus Trotz bei den folgenden Versuchen der Schweden an die Hog-Line.
Emotionen kochen über
Die Partie entwickelte sich zu einer Nervenschlacht und die Emotionen kochten im vorletzten End über, ehe es zu den wüsten Beschimpfungen kam.
Mindestens ein kanadischer Spieler hatte seinem Stein mit dem Finger offensichtlich noch einen verbotenen Schubs gegeben. Die Curling-Steine haben bei den Winterspielen elektronische Griffe. Wird ein Stein erst hinter der „Hog-Line“ losgelassen, leuchtet rotes Licht für einen Regelverstoß. Der Alarm wurde allerdings nicht ausgelöst. Darum aber ging es Schweden nicht, sondern um die verbotene Doppelberührung.
Kanadier rastet aus
„Wir haben es den Schiedsrichtern gesagt, aber sie haben die Regel falsch ausgelegt“, betonte Eriksson. World Curling teilte mit, es seien keine Regelverstöße aufgefallen.
Team Schweden stichelte immer wieder gegen die Kanadier, bis Kennedy vor Wut kochte. „Wer? Wer? Wer tut das? Ich habe das noch nie getan“, rief er erbost. Eriksson wies auf ihn und sagte: „Ich zeige dir das Video nach dem Spiel.“
Nach dem letzten Stein ging es weiter, in einem Interview sagte Kennedy: „Ich habe ihm gesagt, wo er sich das hinstecken soll.“ Und: „Das ist mir scheißegal.“
Journalisten sticheln weiter
Der Olympiasieger versuchte eine Erklärung für die Vorwürfe zu finden: „Vielleicht war er verärgert, weil er verloren hatte oder, weil sie die ersten beiden Spiele verloren haben und nach Strohhalmen griffen. Ich habe ihm nur noch einmal gesagt, dass ich ihn als Spieler sehr respektiere. Ich habe nie ein schlechtes Wort über Oskar Eriksson gesagt. Ich weiß nicht wirklich, was er damit bezwecken will.“
Die anwesenden schwedischen Journalisten stichelten ebenfalls und fragten den Kanadier, wie sehr man jemanden respektieren würde, wenn man ihr beleidige.
Verband spricht Verwarnung aus
Die Frage eines Medienvertreters der Zeitung Aftonbladet brachte Kennedy erneut auf die Palme. Er antwortete: „Hast du noch nie zwei Männer gesehen, die sich heftig gestritten haben? Ich muss mich nicht vor einem Reporter verteidigen. Ich mag es nicht, nach 25 Jahren auf der Curling-Tour und vier Olympischen Spielen des Betrugs bezichtigt zu werden.“
Am Tag darauf sprach der Weltverband nach Studie der TV-Bilder dennoch eine mündliche Verwarnung gegen die Kanadier für die Wortwahl Kennedys aus. World Curling wies zudem darauf hin, dass „ein weiteres unangemessenes Verhalten zusätzliche Sanktionen nach sich ziehen würde“ und bezog sich dabei auf die Regel R.19, die unter anderem besagt, dass „jeder Verstoß“ zu einer Suspendierung der betreffenden Person führen kann.
Am Ende gewann Kanada übrigens mit 8:6 und steht bei drei Siegen ohne Niederlage. Die Schweden haben ihre ersten drei Spiele verloren.
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Mit Sport-Informations-Dienst (SID)