In Deutschland brechen an diesem 15. Februar 2018 gerade die frühen Morgenstunden an, als in Südkorea für gut viereinhalb Minuten die Zeit stehen bleibt.
Sie wollten der Welt etwas nie Dagewesenes bieten - und schafften es
Sie rührten die Welt zu Tränen
Es gibt bei Olympischen Spielen meist diese ein oder zwei Momente, die sich ins allgemeine Gedächtnis einbrennen, die von den Menschen auch Jahrzehnte später noch genau mit diesen Spielen in Verbindung gebracht werden.
Manchmal sind es rührende Momente, wie der Olympiasieg von Gewichtheber Matthias Steiner 2008 in Peking, als er seiner verstorbenen Frau gedachte. Manchmal sind es skandalöse Momente wie der Zieldurchlauf mit erhobenem Zeigefinger von Doping-Sünder Ben Johnson 1988 in Seoul. Oder es sind Momente purer Schönheit wie 2018, als Aljona Savchenko und Bruno Massot nach gut viereinhalb Minuten auf die Eisfläche der Gangneung Ice Arena sanken und wussten, dass sie gerade ein Kunstwerk erschaffen hatten.
Savchenko/Massot rühren das Publikum
Auf den Tag genau acht Jahre ist es nun her, dass das unter deutscher Flagge angetretene Paar aus der gebürtigen Ukrainerin Savchenko und dem gebürtigen Franzosen Massot im olympischen Finale das zeigte, was für viele Experten die beste Kür der Geschichte ist.
Nahezu alle Elemente gelangen den Schützlingen von Trainer Alexander König zur Musik der Natur-Doku „Die Welt von oben“ perfekt, am Ende stand ein inoffizieller Punkte-Weltrekord von 159,31. Eiskunstlauf-Ikone Witt, Olympiasiegerin von Sarajevo 1984 und Calgary 1988, sprach von einer „Kür von unheimlicher Brillanz“.
Die Gold-Kür von Savchenko und Massot wird oft genannt in einem Atemzug mit dem Bolero, mit dem sich Jayne Torville und Christopher Dean 1984 unsterblich machten.
Wie damals die Briten hatte auch das deutsche Duo das Publikum weit über die Landesgrenzen zu Tränen gerührt. Auf dem offiziellen Olympia-Channel auf YouTube hat das Video der Kür 43 Millionen Abrufe. Zum Vergleich: Der Weltrekord-Sprint von Usain Bolt im 100-Meter-Finale von Peking 2008 bringt es auf „nur“ 15 Millionen Abrufe im selben Kanal.
Nach ihrem Gold-Lauf von Südkorea waren Savchenko und Massot gern gesehene Gäste auf dem Roten Teppich und im TV. Unter anderem traten sie bei der Sat.1-Show „Dancing on Ice“ auf. Sonntagabends in der Prime Time. Auch das war ein großer Schritt für den Eiskunstlauf, der in Deutschland viele Jahre wenig Beachtung fand.
Krönung nach zwei Mal Bronze
Von Kindesbeinen an hatte Savchenko für ihren Traum gekämpft. „Ich habe mir in meinem Kopf immer vorgespielt, die beste Kür aller Zeiten zu zeigen, etwas, das man noch nie gesehen hat. Den perfekten Lauf. Das war das Ziel“, erklärte sie einmal in einem Interview mit der Zeit.
Als ihr bei ihrer fünften Olympia-Teilnahme genau das gelang, weinte Savchenko minutenlang vor Glück, fiel dabei unter anderem auch dem damaligen IOC-Präsidenten Thomas Bach um den Hals: „Das ist der Moment meines Lebens, es ist eine unglaubliche Geschichte“, sagte die überglückliche Savchenko, die zuvor minutenlang vor Glück geweint und geschluchzt hatte.
Nach zwei Mal Bronze an der Seite von Robin Szolkowy und einem Fehler im Kurzprogramm von Pyeongchang sah es aus, als würde sich der Traum nicht erfüllen. Bis zu diesen nahezu perfekten viereinhalb Minuten. (DATEN: Alle Ergebnisse bei Olympia 2022)
Heute trägt Savchenko eine Kette mit einem Anhänger in Form der Olympischen Ringe am Hals. Natürlich in Gold.
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Mit Sport-Informations-Dienst (SID)