Was für ein Debakel! Eiskunstlaufstar Ilia Malinin schlug die Hände vors Gesicht und schüttelte verzweifelt den Kopf: Der 21 Jahre alte Weltmeister hat nach einer völlig verpatzten Olympia-Kür die schon sicher geglaubte Goldmedaille tatsächlich noch aus der Hand gegeben.
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Malinin landete im Finale in der Milano Ice Skating Arena am Freitagabend mehrfach auf dem Boden und verpasste als Achter mit 264,49 Punkten sogar gänzlich eine Medaille.
Der Olympiasieg ging an den kasachischen Vize-Weltmeister Michail Schaidorow (291,58), der nach dem Kurzprogramm noch auf Rang fünf gelegen hatte. Silber holte der Japaner Yuma Kagiyama (280,06), Bronze dessen Landsmann Shun Sato (274,90).
Olympia: Kommentator völlig fassungslos bei Malinin-Debakel
„Ich hätte niemals im Traum gedacht, dass er diesen sicher geglaubten Olympiasieg noch aus der Hand geben kann„, kommentierte Ex-Eiskunstläufer Daniel Weiss in der ARD völlig fassungslos nach dem verpatzten Lauf.
Der als „Vierfach-Gott“ gefeierte Malinin, der bei seiner Olympia-Premiere zuvor Gold im Teamwettbewerb gewonnen hatte, war als klar Führender in die Kür gegangen.
Zu Beginn lief es auch noch. „Vierfach-Flip, als wäre es ein Kinderspiel“, lobte Weiss noch. In Malinins Programm stand sogar der Vierfach-Axel, den er als bislang einziger Eiskunstläufer in einem Wettkampf gestanden hatte.
Diesen verpatzte er allerdings. „NEIN! Er reißt ihn auf. Nur einfach“, rief Kommentator Weiss. Es war aber nur der Anfang eines komplett missratenen Auftritts. Nachdem Malinin nur den Rittberger als Doppelsprung zeigte, rätselte der Experte schon: „Ja was ist denn mit dem los? Er hat 15 Punkte Vorsprung vor dem Kasachen. Er MUSS jetzt noch was draufpacken!“
„Um Gottes willen! Was passiert denn hier?“
Kurz darauf wurde es noch schlimmer. „NEIN! Das gibt es nicht! Um Gottes willen! Was passiert denn hier?“, rief Weiss nach dem ersten Sturz von Malinin. Kurz darauf: „Ich halts auf dem Sitz nicht mehr aus.“
Ein zweiter Sturz ließ Weiss dann völlig verzweifeln: „Neeein das gibt es nicht.“ Seinen Salto stand Malinin noch, aber der Kommentator analysierte: „Der kann nicht mehr. Der kann nicht mehr! Der ist stehend K.o.“
Schon vor Ende der Kür stellte Weiss fest: „Ilia Malinin wird kein Gold gewinnen. Der kann nicht mehr. Ja was ist denn das für ein Drama hier. Ilia Malinin vergibt alle Chancen auf den Olympiasieg.“ Am Ende stand Platz 15 in der Kür.
Witt: „Das habe ich nicht erwartet“
„Das habe ich nicht erwartet. Ein Favoritensterben. Dass er jetzt so auseinanderfällt, das hätte keiner geglaubt. Das zeigt, er ist nur ein Mensch“, sagte Deutschlands Eiskunstlaufikone Katarina Witt in der ARD: „Das sind die Gesetze von Olympia, die Gesetze des Sports, wenn so ein Druck da ist.“
Weiss sah auch im Mammutprogramm des Superstars einen Grund für das Debakel. „Sie haben über Wochen im Team diskutiert, ob er im Teamwettbewerb beide Programme laufen soll. Sie haben sich dafür entschieden - und es war ein Fehler, wenn man jetzt zurückblickt”, meinte der ehemalige deutsche Meister: „Vier Programme in einer Woche auf diesem Niveau zu zeigen, war nicht möglich.“
Emotionale Momente bei Naumov
Für emotionale Momente sorgte Maxim Naumov. Der US-Amerikaner widmete den Auftritt wie schon nach dem Kurzprogramm seinen vor knapp einem Jahr verstorbenen Eltern.
„Ich hoffe, ich habe alle stolz gemacht“, sagte er. Jewgenia Schischkowa und Vadim Naumov - Paarlauf-Weltmeister von 1994 - waren bei einem Flugzeugunglück nahe Washington D.C. ums Leben gekommen, der Vorfall mit insgesamt 67 Todesopfern sorgte weltweit für Schlagzeilen. Am Ende belegte er den 20. Platz (222,25).
Die Deutsche Eislauf-Union (DEU) war bei den Männern nicht vertreten. Die Medaillenhoffnungen ruhen im Paarlauf auf den Vize-Weltmeistern Minerva-Fabienne Hase und Nikita Volodin aus Berlin.
Erster Wettbewerb für das DEU-Team war bereits am Montag der Rhythmustanz der Eistänzer, die Oberstdorfer Jennifer Janse van Rensburg und Benjamin Steffan belegten dabei den letzten Platz und verpassten die Kür.
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Mit Sport-Informations-Dienst (SID)