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Der tragische Tod der Curling-Queen erschütterte ein ganzes Land

Ihr Tod erschütterte ein Land

Zu ihrer aktiven Karriere dominierte Sandra Schmirler mit ihrem Team die Curling-Welt. Kurz nach ihrem Highlight, dem Olympiasieg 1998, verstarb sie plötzlich.
Sandra Schmirler ist eine der besten Curlerinnen aller Zeiten
Sandra Schmirler ist eine der besten Curlerinnen aller Zeiten
© IMAGO/Plusphoto
Zu ihrer aktiven Karriere dominierte Sandra Schmirler mit ihrem Team die Curling-Welt. Kurz nach ihrem Highlight, dem Olympiasieg 1998, verstarb sie plötzlich.

Ihr Tod erschütterte nicht nur die Sportwelt, sondern ein ganzes Land. Heute vor 26 Jahren starb die legendäre Curlerin Sandra Schmirler und löste damit Entsetzen in ganz Kanada aus.

Es gab kaum jemanden, der eine Sportart so geprägt hat, wie Schmirler das Curling. Sie gewann als Skip (Kapitänin) unter anderem dreimal den WM-Titel und holte 1998 bei der Curling-Premiere bei Olympia in Nagano Gold.

„Zu sagen, dass sie die Beste aller Zeiten ist, wäre keine Übertreibung“, sagte Mike Harris, der damals die Silbermedaille gewann und heute Experte für Curling beim kanadischen CBC-Sports ist.

Aber nicht nur die sportlichen Erfolge begeisterten die Menschen in Kanada. Speziell ihre Herzlichkeit und Nahbarkeit sorgten dafür, dass die „Queen of Curling“ oder „Schmirler the Curler“, wie sie von den Fans liebevoll genannt wurde, auch heute unvergessen bleibt.

Schmirler wird mit Team dreimal Weltmeister

Schmirler blieb ihren Wurzeln treu, war bodenständig und extrem nahbar, selbst als sie zu einem der größten Stars wurde, die ihre Sportart je gesehen hat.

Auf der großen Curling-Bühne tauchte sie 1993 erstmals so richtig auf. Gemeinsam mit ihrem Team rund um Joan McCusker, Jan Betker und Marcia Gudereit gewann sie die kanadischen Meisterschaften. Noch im selben Jahr gewann das Team in Genf auch seinen ersten WM-Titel.

Danach begann die Ära der Dominanz so richtig. Es folgten noch zwei weitere kanadische Meisterschaften und 1994 in Oberstdorf und 1997 in Bern auch noch zwei weitere Weltmeistertitel.

Ihre Siege waren umso ergreifender, da Schmirlers Team auf den ersten Blick aus geradezu gewöhnlichen Frauen bestand - mit Ehemännern, Kindern und Jobs, die in ihrer Freizeit zum Vergnügen Curling spielten. Und dennoch bildeten sie die Welt-Elite. Das beeindruckte speziell die zahlreichen kanadischen Fans.

Schmirlers Team wird nach Drama Olympiasieger

Kurz nach ihrem dritten WM-Titel qualifizierte sich das Team dann auch für die Curling-Premiere bei Olympia. Schon das Qualifikationsturnier entwickelte sich zu einem echten Drama.

Im Finale lag das Team lange zurück, ehe Schmirler im siebten End einen genialen Stein spielte, so drei Punkte erzielte und das Endspiel vorentschied.

Auch bei der Olympia-Premiere musste das Team rund um ihren legendären Skip kämpfen. Im Halbfinale gegen Großbritannien ging es in die Verlängerung, wo das kanadische Team mit dem letzten Stein den Sieg klarmachen konnte.

Auf dem Papier schien der Spielzug vermeintlich einfach, doch auch wegen des hohen Drucks bei Olympia verpasste Schmirler fast den Takeout. „Ich habe nie in meinem Leben eine größere Erleichterung gespürt“, erinnerte sich ihre Teamkollegin Joan McCusker bei CBC an den Moment des entscheidenden Steins.

Dank der unglaublichen Nervenstärke ihrer Kapitänin zog das kanadische Team ins Finale ein und krönte sich dort durch einen 7:5-Erfolg gegen Dänemark zum Olympiasieger.

Olympiasieg macht Schmirler zur kanadischen Volksheldin

In Kanada war der Hype um das Team unglaublich - auch wenn sie es selbst in Nagano, dem Austragungsort der Olympischen Spiele, noch nicht gemerkt hatten. Erst bei der Heimkehr nach Kanada merkte das Team, was es gerade geleistet hatte.

Als sich das Flugzeug der Landebahn des internationalen Flughafens von Regina näherte, sah das Team aus dem Fenster einen Strom von Lichtern. „Wir waren schockiert“, erinnerte sich McCusker: „Es waren 1.500 Menschen am Flughafen versammelt.“

Spätestens mit dem Olympiasieg war das Team rund um ihren überragenden Skip Sandra Schmirler auf dem sportlichen Zenit angekommen. Auf internationaler Bühne hatte ihr Team kein einziges Spiel verloren.

Bei dieser fast unglaublichen Bilanz sollte es auch bleiben. Die Ankunft in Regina sollte aber auch der letzte Moment sein, in dem sich Schmirler so richtig feiern lassen konnte, denn nur wenige Monate später veränderte sich ihr Leben für immer.

Tragischer Tod kurz nach Olympia erschüttert Kanada

Denn kurz nach der Geburt ihres zweiten Kindes, im Juni 1999, wurde bei Schmirler Brustkrebs diagnostiziert. Schon während der Schwangerschaft hatte sie über starke Schmerzen im Rücken- und Brustbereich geklagt. Die Probleme wurden von den Ärzten aber als klassische Schmerzen während einer Schwangerschaft abgetan.

Nach einer kurzen Leidenszeit verlor Schmirler am 2. März 2000 den Kampf gegen den Brustkrebs. Sie starb in der Palliativstation des Pasqua-Krankenhauses in Regina, umgeben von ihrer Familie.

Der Tod der „Curling-Queen“ löste eine Welle der Trauer in ihrer Heimatprovinz und im ganzen Land aus. Zu ihrer Beerdigung kamen 15.000 Trauernde. Wie zu Lebzeiten wurde sie auch nach dem Tod als Königin behandelt. Im ganzen Land wehten die Flaggen auf Halbmast und ein nationaler Fernsehsender übertrug ihre Trauerfeier live.

„Alle Kanadier sind vom Tod von Sandra Schmirler betroffen“, sagte der damalige kanadische Premierminister Jean Chrétien: „Die meisten von uns haben sie durch ihre Erfolge als Curling-Champion und als vorbildliche Sportbotschafterin für Kanada kennengelernt. Aber was sie wirklich auszeichnete, war ihre strahlende, ansteckende Persönlichkeit und ihre unglaubliche Lebensfreude.“

Schmirler-Vermächtnis hält bis heute

Ihr Vermächtnis lebte auch nach dem Tod weiter. Ein Artikel der Zeitung Bergen County Record aus New Jersey fasste es passend zusammen: „Sie wurde von ihrem Ehemann, ihren zwei Töchtern, Kanada und dem Curling überlebt.“

Im Mai 2001 gründete eine Gruppe aus Freunden und Teamkolleginnen die Sandra Schmirler Foundation, mit der über 10 Millionen Dollar für den Kauf lebensrettender Ausrüstung für Intensivstationen für Neugeborene in über 110 Krankenhäusern in kanadischen Provinzen, Städten und Territorien bereitgestellt werden konnten.

Auf der Homepage der Stiftung heißt es, dass damit „das Leben von tausenden frühgeborenen und kritisch kranken Babys gerettet“ werden konnte.

Robin Wilson, einer der Gründer, sagte einmal: „Unsere Vision war es, ein lebendiges Vermächtnis zu schaffen, um diese erstaunliche Frau zu ehren, die das Herz so vieler Kanadier berührt hat. Obwohl sie ihren größten Kampf verloren hat, wird ihr Vermächtnis für immer weiterleben.“

So wird die „Curling Queen“ für immer in Erinnerung bleiben. Ihre sportlichen Erfolge bleiben genauso wie ihre Herzlichkeit, für die sie nicht nur Sportfans, sondern eine ganze Nation bewunderte.