Eigentlich, sagt Katja Lüke, gehe es in ihrem Job darum, Brücken zu bauen. Lüke ist Referentin Diversity beim Deutschen Olympischen Sportbund und insgesamt seit 11 Jahren für den DOSB tätig. Zu Beginn war ihr Aufgabengebiet vor elf Jahren das der Inklusion.
Katja Lüke: "Vielfalt ist kein Trend, sondern eine Tatsache"
„Vielfalt ist kein Trend“
Seinerzeit, erinnert sich Lüke, seien die Diversitätsdimensionen im Verband noch wie Säulen behandelt worden, also parallel, nicht gemeinsam. Als „Big Seven“ gelten laut der Charta der Vielfalt: Geschlecht und geschlechtliche Identität, körperliche und geistige Fähigkeiten, Alter, Religion und Weltanschauung, sexuelle Orientierung, soziale Herkunft sowie Nationalität.
Inzwischen sei der Verbandsblick auf Diversität intersektional, weil Menschen eben auch von mehreren Vielfaltsthemen „betroffen“ sein können. Betroffen deshalb, weil diese eben oft mit Diskriminierung einhergehen. Und eine queere Schwarze Frau erfährt Diskriminierung dann in mehr Bereichen als ein schwuler weißer Mann. Dieser intersektionale Blick sei wichtig.
Diversity als Handlungswerkzeug
Prinzipiell versteht Lüke den Begriff „Diversity“ eher als Handlungswerkzeug, denn: „Vielfalt ist kein Trend, sondern Tatsache.“ Sie erklärt: „Jede und jeder von uns ist vielfältig, und unsere Gesellschaft ist vielfältig.“ Diversität meine für sie dann konkret „wie wir den Umgang finden, dass in dieser Vielfalt auch alle gut klarkommen“.
Für Lüke selbst war es eine bewusste Entscheidung, in dem Bereich heute übergeordnet zu arbeiten, nicht mehr konkret zur Inklusion: Sie selbst sitzt im Rollstuhl und wollte nicht immerzu auf das Thema reduziert werden – die, mit der Behinderung, die zu Behinderungen spricht.
Was nicht heißt, dass ihr das nicht auch über die eigene Betroffenheit hinaus – da ist das Wort wieder – weiter ein Anliegen ist. Auch deshalb hat sie intensiv mitgewirkt an der Publikation „10 Knigge-Tipps zum respektvollen Umgang mit behinderten Menschen“. Und sie sagt, wichtig sei, dabei immer im Hinterkopf zu behalten, wie individuell diese Themen sind.
So sagt sie beispielsweise, ihre Behinderung sei kein „Smalltalk-Thema“. Das müsse sie aber immer wieder erklären, durchaus wildfremden Leuten, die im Zug nach ihrer Diagnose fragen. Sie kenne dennoch Menschen mit Behinderung, die diesen Gesprächseinstieg als freundliches Interesse empfinden. Die Regel sei das ihrer Beobachtung nach aber nicht.
Sie selbst habe die Behinderung mit Ende 20 nach dem ersten Schock als eine Art „Refresh“ erlebt, erzählt Lüke. Unerwartet habe sie die Gelegenheit gehabt, vieles nochmal ganz neu zu lernen. So sei sie eine „unsportliche Fußgängerin“ gewesen, habe dann aber angefangen, Sport für sich zu entdecken.
„Ich hoffe immer auf Begegnungen und Gemeinsamkeiten“
Rollstuhlfechten etwa, aber auch Handbike-Wettbewerbe wie die „Sadler’s Ultra Challenge“ – 426 Kilometer durch Alaska. Sie lacht bei der Erinnerung an die Berge und Anstrengungen, ist aber auch stolz auf das, was sie seinerzeit geschafft hat.
Und teilt noch einen wichtigen Gedanken zum Thema Betroffenheit, nämlich, dass letztlich alle Menschen von jedwedem Thema betroffen sind, nur in unterschiedlichen Rollen. Die einen erleben es, die anderen müssen einen Umgang mit denjenigen finden, die es erleben.
Letztlich, glaubt Lüke, müssten sich all die sogenannten Minderheiten zusammentun, denn gemeinsam seien die doch die Mehrheit. „Ich hoffe immer noch auf Begegnungen und Gemeinsamkeiten.“