Als der Megastar von München noch schwer enttäuscht war
Heute vor 58 Jahren gewann der junge Mark Spitz in Mexiko sein erstes Olympia-Gold. Enttäuscht war der spätere Superstar der Spiele von München dennoch.
Es war der erste ganz große Triumph seiner legendären Karriere – und doch war er nicht recht glücklich.
Am 17. Oktober 1968 holte die junge Schwimm-Hoffnung Mark Spitz ihr erstes Olympia-Gold. Der damals 18 Jahre junge Spitz triumphierte mit der 4×100-Meter-Freistilstaffel der USA in Mexico City.
Es sollte nicht der letzte Sieg bei den Spielen in Mexiko bleiben, auch über die 4×200 Meter vergoldete sich der Jungstar. Trotzdem war der Teenager aus Kalifornien enttäuscht: Er hatte sich weit mehr vorgenommen. Und er hatte auch schon ein weit größeres Potenzial angedeutet.
Olympia 1968: Mark Spitz macht sich zu viel Druck
Bereits als Kleinkind hatte der am 10. Februar 1950 geborene Spitz seine Leidenschaft fürs Schwimmen entdeckt. Sein Vater arbeitete als Geschäftsmann in der Stahlbranche. Er bekam eine Stelle in Honolulu. Die Familie zog deshalb zu Beginn der 1950er-Jahre nach Hawaii.
Der kleine Mark Spitz kraulte täglich am Waikiki-Strand entlang, sein Trainingsbecken war der Pazifik. „Sie hätten diesen kleinen Jungen sehen sollen, wie er im Meer herumschwamm. Er kraulte, als ob er Suizid begehen würde“, erzählte seine Mutter später einem Reporter.
Vor seinem zehnten Geburtstag hielt Spitz, der nun wieder in Kalifornien lebte, bereits 17 nationale Altersrekorde. Als 15-Jähriger dominierte er die Makkabiade in Tel Aviv. Vier Goldmedaillen holte der Nachkomme russisch-jüdischer Auswanderer bei dem jüdischen Sportfest.
Als Spitz 1968 nach Mexiko City reiste, war der Teenager eine große Nummer im Schwimmsport. Er selbst setzte sich sechs Goldmedaillen als Ziel. Doch letztendlich scheiterte der damals 18-Jährige am eigenen Druck. In den Einzelwettbewerben gab es „nur“ Silber über 100 Meter Schmetterling und Bronze über 100 Meter Freistil.
Doc Counsilman als Schlüsselfigur
Der ehrgeizige Spitz beschloss, etwas in seinem Leben zu ändern. Er verließ die Westküste und schwamm fortan für die Indiana University Hoosiers. Spitz trainierte unter dem legendären Trainer James „Doc“ Counsilman. „Dies ist die wichtigste und beste Entscheidung, die ich in meinem Leben getroffen habe“, meinte Spitz später.
Pünktlich zu den Sommerspielen in München 1972 war er in Topform. Der Rummel um seine Person war vom ersten Tag an enorm. Das lag an den starken Leistungen, aber auch an Spitz‘ Auftritten neben dem Becken. Er wirkte wie ein Popstar.
Der Student der Zahnmedizin war wortgewandt – und er sah blendend aus. Die Frauen schwärmten für „Mark, the Shark“, für den Modellathleten in der Stars-and-Stripes-Badehose.
Spitz‘ Schnurrbart sorgt für Hype
Und dann war da noch dieser Schnurrbart. Den hatte er sich wachsen lassen, weil ihn ein Trainer wegen seiner spärlichen Gesichtsbehaarung aufgezogen hatte. „Ich wollte das Teil eigentlich vor den Spielen von 1972 abrasieren“, sagte Spitz einmal dem Magazin Newsweek, „aber als ich sah, wie sehr die paar Haare auf meiner Oberlippe die Menschen beschäftigten, ließ ich ihn dran“.
Mit dieser Entscheidung beeindruckte Spitz auch die Konkurrenz. Ein sowjetischer Trainer sprach ihn auf den Schnurrbart an. Und Spitz machte sich einen Spaß draus: „Ich erzählte denen, dass die Barthaare Wasser von meinem Mund fernhalten und mich so noch schneller machen. Ein Jahr später trugen alle sowjetischen Schwimmer einen Schnurrbart.“
Es gingen also viele Spitz-Doubles ins Wasser. Das Original tauschte kurz nach Olympia in München die Badehose gegen Maßanzüge. „Ich habe 1972 aufgehört, weil ich Geld verdienen wollte“, sagte Spitz in einem Interview mit der Welt am Sonntag.
Schwarzenegger und Eastwood als Kunden
In seiner zweiten Karriere als Geschäftsmann hatte er ebenfalls Erfolg. Spitz verdiente Geld, indem er für Sportartikel, Männermode und Rasierapparate warb. Einen Teil seines Vermögens steckte er wiederum in Immobilien. Zu seinen Kunden gehörten später Hollywood-Größen wie Arnold Schwarzenegger oder Clint Eastwood. Auch als Business- und Motivationsredner ist der inzwischen 76 Jahre alte Spitz bis heute aktiv.
Spitz hatte bald ausgesorgt. Und trotzdem ließ er sich auf ein unmoralisches Angebot ein. Er wollte sich im Alter von 41 Jahren noch einmal für die Olympischen Spiele qualifizieren. Der Filmemacher Bud Greenspan, so kam später heraus, hätte ihm eine Million US-Dollar gezahlt, wenn Spitz dabei gewesen wäre.
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Bei den Wettbewerben im Sommer 1992 musste der Schwimm-Opa aber zuschauen. Spitz schrammte zuvor um 1,8 Sekunden an der Qualifikationsnorm vorbei. Der Familienvater konnte es finanziell verschmerzen. Auf Greenspans Geld war er nicht angewiesen.