Mit einer Goldmedaille bei Olympia krönte sie ihre Karriere. Heute hat sie keine Freude mehr, wenn sie auf ihren sportlich größten Moment zurückblickt.
Biathlon: "Dieses Gold wird immer einen schwarzen Schimmer haben"
Ein Gold mit „schwarzem Schimmer“
Am 21. Februar 2014 - heute vor 12 Jahren - ereignete sich bei den Spielen im russischen Sotschi Historisches: Der Frauen-Staffel der Ukraine um die frühere Weltmeisterin Olena Pidhruschna gelang der erste und bis heute einzige olympische Gold-Coup im Biathlon.
Zusammen mit Wita Semerenko, Julija Dschyma und Walentyna Semerenko siegte Pidruschna vor den Russinnen - später wegen eines positiven Dopingtests bei Olga Saizewa disqualifiziert. Das deutsche Team mit der jungen Franziska Preuß, Andrea Henkel, Franziska Hildebrand und Laura Dahlmeier erreichte nur Platz zehn (ursprünglich elf), nachdem Startläuferin Preuß bei einem Sturz der Stock brach.
Schon damals wurde der ukrainische Triumph von der politischen Lage in der Heimat überschattet. Der russische Angriffskrieg hat Pidruschna die Erinnerung an den großen Tag nachhaltig getrübt.
Ukrainische Olympiasiegerin: „Schlief weinend ein“
„Dieses Gold wird immer einen schwarzen Schimmer haben“, sagte Pidhruschna (damals: Olena Bilossjuk) 2024 in einem beklemmenden Auftritt in der ARD-Doku „Olympias dunkles Erbe“.
Kurz vor dem Rennen eskalierten in Pidhruschnas Heimat die Proteste auf dem Maidan-Platz in Kiew, wo hunderttausende Menschen gegen den russlandfreundlichen Präsidenten Wiktor Janukowytsch und die Nicht-Unterzeichnung eines Annäherungsvertrags mit der EU protestierten. Beim Versuch, die Demonstrationen gewaltsam niederzuschlagen, wurden über 100 Menschen getötet.
„Zwei Tage schlief ich weinend ein und wachte weinend auf, den anderen Mädchen ging es genauso“, erinnerte sich Pidhruschna: „Selbst wenn das Thema nur angesprochen wurde, saßen wir einfach zusammen und weinten. Einige unserer Freunde und Familienmitglieder waren auf dem Maidan, mein Mann hat damals Leichen aus dem Beschuss getragen.“
Putin veranlasste Krim-Annexion vor der Abschlussfeier
Am selben Tag wurde die Euromaidan-Krise unter internationaler Vermittlung vorläufig beigelegt.
Die ukrainische Tragödie endete damit bekanntlich nicht: Im Frühjahr 2014 annektierte Russland die Halbinsel Krim von der Ukraine. Wie Staatspräsident Wladimir Putin drei Jahre später ausplauderte, gab er den Befehl am 23. Februar - am Morgen vor der Abschlussfeier, die Putin an der Seite des deutschen IOC-Präsidenten Thomas Bach bestritt. Unmittelbarer Auslöser war der Sturz des kremltreuen Janukowytsch kurz zuvor.
Der damals begonnene militärische Konflikt zwischen Russland und der Ukraine mündete in dem bis heute andauernden russischen Angriffskrieg, den Putin vor vier Jahren veranlasst hat.
Bilossjuk bricht vor der Kamera in Tränen aus
Bilossjuk - die nach den Euromaidan-Protesten in ihrer Heimat auch politisch aktiv geworden ist - empfing die ARD zehn Jahre danach am Mahnmal für die Maidan-Toten, für die sie Blumen niederlegte.
Mit Tränen in den Augen drückte sie dann ihre anhaltende Fassungslosigkeit zum Ausdruck: „Es schmerzt. Es ist schwer zu begreifen, dass so etwas wirklich im 21. Jahrhundert passiert. Der Maidan, der Krieg. Kinder, Erwachsene, ganz normale Leute, die nur ihre Zukunft, ihre Kinder, ihr Land verteidigen wollten, wurden rücksichtslos ermordet.“
Die heute 39-Jährige Pidruschna - im vergangenen Jahr erstmals Mutter geworden - ist in ihrer Heimat bis heute eine populäre Persönlichkeit. Vor den diesjährigen Spielen war sie in eine offizielle Veranstaltung vor der Anreise des ukrainischen Teams involviert.