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Anspruch und Wirklichkeit in Biathlon-Deutschland klaffen weit auseinander

Kaum Aussicht auf Besserung

Deutschlands Biathleten hängen bei Olympia mächtig durch. Die fetten Jahre sind vorbei – und Aussicht auf Besserung besteht kaum. Ein Kommentar.
Die deutschen Biathleten Justus Strelow (l.) und David Zobel nach der enttäuschenden Verfolgung bei Olympia
Die deutschen Biathleten Justus Strelow (l.) und David Zobel nach der enttäuschenden Verfolgung bei Olympia
© IMAGO / Fotostand /SPORT1
Deutschlands Biathleten hängen bei Olympia mächtig durch. Die fetten Jahre sind vorbei – und Aussicht auf Besserung besteht kaum. Ein Kommentar.

Auch Joshua Kimmich konnte Deutschlands Biathleten am Sonntag nicht beflügeln. Nach dem gelungenen Olympia-Auftakt mit Bronze in der Mixed-Staffel hängen die Lieblinge der deutschen Wintersport-Fans mächtig durch. Die Männer sind läuferisch kaum konkurrenzfähig. Wenn bei den Frauen dann auch noch Franziska Preuß die Nerven flattern, ist die logische Folge: Es herrscht Tristesse statt Goldgräberstimmung.

Sportdirektor Felix Bitterling sprach „von einem Spiel, das du nicht gewinnen kannst“ und verwies unter anderem auf das bessere Material der führenden Nationen Norwegen und Frankreich. Es mag die Realität abbilden, ist zugleich aber auch eine billige Ausrede. Denn zum einen ruft das deutsche Team im Biathlon-Mekka flächendeckend das Potenzial nicht ab, zum anderen gehört es auch zum Handwerk, die Skier bestmöglich auf die vorherrschenden Bedingungen abzustimmen.

Sehnsucht nach alten Erfolgen

Die Diskrepanz zu glorreichen deutschen Jahren wurde am Sonntag umso deutlicher bei der Gold-Vergabe an die Biathlon-Staffel von Sotschi 2014 mit Erik Lesser, Daniel Böhm, Arnd Peiffer und Simon Schempp. Wie das Quartett von deutschen Anhängern gefeiert wurde, zeigt die Sehnsucht der Fans nach Erfolgen.

In den abschließenden Wettbewerben in den Staffeln und im Massenstart ist zumindest Preuß bei ihren letzten Winterspielen noch ein letzter Medaillenstreich zuzutrauen - wenn sie ihre Nerven in den Griff bekommt. Über die grundsätzliche Kluft zwischen dem deutschen Biathlon und der Weltspitze würde aber auch das nicht hinwegtäuschen.

„Die fetten Jahre sind vorbei“

Die fetten Jahre sind vorbei - und Aussicht auf Besserung gibt es kaum. Vanessa Voigt wirkt mental nicht gefestigt. Selina Grotian (21 Jahre) und Julia Tannheimer (20) sind zwar hoffnungsvolle Talente, ob sie aber eine neue Ära prägen können, ist fraglich.

David Zobel verwies auf ein strukturelles Problem. Frankreich habe 200 Athleten im Nachwuchsbereich, Deutschland gerade mal 50. Wenn darunter kein „Übertalent“ sei, werde es schwierig. Anspruch und Wirklichkeit klaffen inzwischen weit auseinander.