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Paralympics: Emotionales Gold für deutschen Blade-Runner Johannes Floors

Deutscher Gold-Runner wird emotional

Prothesensprinter Johannes Floors macht den Traum vom Paralympics-Sieg wahr! Auf seiner Paradestrecke holt er sein erstes Einzelgold - und kratzt an der Fabel-Zeit von Oscar Pistorius.
Johannes Floors holte bei den Paralympics in Tokio Gold über 400 Meter
Johannes Floors holte bei den Paralympics in Tokio Gold über 400 Meter
© Imago
Prothesensprinter Johannes Floors macht den Traum vom Paralympics-Sieg wahr! Auf seiner Paradestrecke holt er sein erstes Einzelgold - und kratzt an der Fabel-Zeit von Oscar Pistorius.

Nach seiner beeindruckenden Goldshow auf zwei Prothesen sprang Blade Runner Johannes Floors seiner Vereinskollegin Irmgard Bensusan freudestrahlend und jubelnd in die Arme.

Weltrekordler, Weltmeister, Europameister - und jetzt als Krönung Paralympicssieger über die 400 m: Der 26-Jährige hat sich längst auf eine sportliche Stufe mit dem früheren und inzwischen tief gefallenen Para-Star Oscar Pistorius katapultiert.

Johannes Floors: „Jetzt ist es meine Ära“

„Jetzt ist es meine Ära. Ich könnte heulen, ich könnte es rausschreien. Es ist einfach ein geiler Moment“, sagte Floors nach seinem Paralympics-Rekord in der Startklasse T62 in 45,85 Sekunden voller Emotionen mit der Deutschland-Fahne um die Schultern. Der Druck sei aber riesig gewesen, räumte er mit einem Lachen ein: „Ich habe mir in die Hose geschissen.“

Floors hielt der immensen Erwartungshaltung stand. „Eine Zehntel am Weltrekord vorbei. Ich habe noch Potenzial, das ist auch geil“, betonte er. Potenzial und vor allem große Ziele.

Die 45,07 Sekunden von Pistorius, die der wegen Mordes zu einer 15-jährigen Haftstrafe verurteilte Südafrikaner allerdings mit längeren Prothesen gelaufen war, sei seine „persönliche Marke, die schwirrt mir im Kopf rum. Die will ich schlagen“, betonte Floors, der nach Staffelgold von Rio und Platz drei über die 100 m in Tokio die dritte Paralympics-Medaille seiner Karriere gewann.

„Ich bin nicht der nächste Oscar Pistorius“

Noch vor zehn Jahren deutete allerdings wenig auf eine derart steile Karriere hin. Der Athlet von Bayer Leverkusen hatte wegen eines angeborenen Fibula-Gendefekts starke Schmerzen. Im Alter von 16 entschloss sich Floors nach einem halben Jahr Bedenkzeit zur Amputation beider Unterschenkel.

„Es war die beste Entscheidung meines Lebens. Ich habe sie getroffen, weil ich keine Schmerzen mehr haben wollte und nicht unbedingt ein Rollstuhlunterstütztes Leben. Genau das ist der Fall. Alles andere was mit dem Sport dazugekommen ist, das ist einfach nur das Sahnehäubchen“, sagte Doppel-Weltmeister Floors vor den Paralympics dem SID.

Er hole nun eben „das nach, was ich nie konnte“. Auf allerhöchstem Niveau sprinten. Er sei aber, hatte er schon vor den Wettkämpfen klar gestellt, „nicht der nächste Oscar Pistorius. Ich bin Johannes Floors und ich gehe meinen eigenen Weg.“