Das ukrainische Paralympics-Team fühlt sich angesichts der Zulassung russischer und belarussischer Sportler unter eigener Flagge für die Winterspiele verraten. Das Internationale Paralympische Komitee (IPC) habe „mit seiner jüngsten konkreten Entscheidung die Möglichkeit geschaffen, dieselbe Flagge, die mit ukrainischem Blut getränkt ist, auf dem Gelände der 14. Paralympischen Winterspiele zu hissen“, sagte Walleri Suschkewytsch, Präsident des ukrainischen Paralympischen Komitees, der Nachrichtenagentur AFP.
Russen-Zulassung: Ukrainisches Para-Team fühlt sich verraten
Russen? Ukrainer fühlen sich verraten
Bei den Spielen in Peking vor vier Jahren habe das IPC mit dem Ausschluss der beiden Kriegstreiber noch den ukrainischen Kampf für Frieden „unterstützt“. Nun habe „das IPC seine Position geändert“, so Suschkewytsch weiter, „und sich nicht an die Werte der Menschlichkeit, Demokratie und die Philosophie der internationalen Paralympischen Bewegung gehalten, ganz im Sinne des Slogans ‚Frieden für alle‘“. Dennoch werde die Ukraine „weiter kämpfen, um die Nationen im Kampf gegen den Krieg zu vereinen“.
Sechs russische und vier belarussische Sportlerinnen und Sportler waren am Dienstag bei der Vergabe sogenannter Bipartite-Plätze (Wildcards) für die Winterspiele in Mailand und Cortina d’Ampezzo (6. bis 15. März) zugelassen worden. Während heimische Regierungsvertreter einen Boykott ankündigten, werde die Ukraine mit einer Delegation von 36 Sportlerinnen und Sportlern, 22 Trainern sowie weiteren Betreuern nach Norditalien reisen, kündigte Suschkewytsch an. Dies sei ein wichtiges Zeichen: „Wir sind hier! Und wir bleiben ein wichtiger Teil der internationalen Paralympischen Bewegung.“
Die sportlichen Erwartungen seien nach Platz zwei im Medaillenspiegel 2022 allerdings gedämpft. „Im Vergleich zu Peking befindet sich das Team heute in einer sehr schwierigen Situation“, erklärte der aus der Heimat geflüchtete Präsident des ukrainischen Paralympischen Komitees. Die Mannschaft habe statt unter friedlichen Bedingungen diesmal „unter Bomben und ständigem Beschuss“ für die Spiele trainieren müssen. Außerdem seien die finanziellen Mittel um mehr als die Hälfte gekürzt worden.
Dennoch hoffe er auf sportliche Erfolge als Zeichen für die Heimat. „Die heutigen Siege der ukrainischen Paralympioniken sind Geschichten, die für unsere vom Krieg betroffenen Menschen besonders wichtig sind“, sagte Suschkewytsch: „Diese Geschichten unserer Paralympics-Athleten geben ihnen ein Vorbild und die Möglichkeit, ins Leben zurückzukehren.“