Die French Open - mit japanischer Perfektion zum Erfolg

Die French Open - mit japanischer Perfektion zum Erfolg

Die French Open in Paris gehören zu den wichtigsten Tennisturnieren der Welt. Das Grand-Slam-Turnier in der französischen Hauptstadt kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. Vor 130 Jahren wurde das "Tournoi de Roland Garros" erstmals ausgetragen.
Angelique Kerber

Dabei hinterließ auch die japanische Marke YONEX, die in diesem Jahr ihren 75. Geburtstag feiert, ihre Spuren. Sowohl in der Damen- als auch in der Herrenkonkurrenz von Paris holten bereits einige Athleten den Titel, die auf einen Tennisschläger von YONEX vertrauten.

Einen Rekord stellte beispielsweise Monica Seles auf. Die im ehemaligen Jugoslawien geborene US-Amerikanerin gewann 1990 im Alter von gerade einmal 16 Jahren und sechs Monaten die French Open. Bis heute ist sie die jüngste Siegerin in der Geschichte des Turniers.

Der Tennis-Podcast "Cross Court" mit Gast Carsten Neuhaus, YONEX Tennis Promotion Manager, ist ab sofort auf podcast.sport1.de, in der SPORT1 App sowie auf den gängigen Streaming-Plattformen SpotifyApple PodcastsGoogle PodcastAmazon MusicDeezer und Podigee abrufbar

Der Durchbruch im Tennis gelang YONEX schon in den 1980er Jahren, zunächst vorwiegend im Damenbereich. Dank der beiden Legenden Martina Navratilova und Billie Jean King machte sich die Marke mit den zwei Y als Firmenlogo (stehen für den Nachnamen des Firmengründers Minoru Yoneyama) einen Namen in der Branche. In den 1990er Jahren war mit Martina Hingis ein weiterer Superstar Markenbotschafterin von YONEX. 

Doch längst schrieben auch männliche Tennisprofis mit YONEX-Schlägern Sportgeschichte. Der Wimbledon- und US-Open-Sieger Lleyton Hewitt sowie Marcelo Rios vertrauten auf YONEX-Rackets, beide eroberten auch Platz eins der Weltrangliste. Auf dem „heiligen Rasen“ von Wimbledon gab es 1996 ein „firmeninternes“ Endspiel, Richard Krajicek bezwang letztlich MaliVai Washington. In den vergangenen Jahren trumpfte für YONEX vor allem Stan Wawrinka auf.

French Open als gutes Pflaster für YONEX-Profis

Auch Paris war in den vergangenen Jahrzehnten ein gutes Pflaster für Profis, die mit YONEX-Rackets spielten. Bei den Damen gewannen neben Monica Seles auch Ana Ivanovic, Arantxa Sánchez Vicario und die große Martina Navratilova die French Open mit einem YONEX-Schläger. Bei den Herren Andrés Gómez, Sergi Bruguera und zuletzt 2015 Stan Wawrinka, der in einem epischen Finale den Weltranglistenersten Novak Djokovic in vier Sätzen bezwingen konnte. 

Der Schweizer Stan Wawrinka zählt immer noch zu den absoluten Zugpferden des 1946 gegründeten japanischen Unternehmens. Der inzwischen 36-Jährige mehrfache Grand-Slam-Sieger läuft von Kopf bis Fuß in YONEX-Equipment auf. Neben dem Routinier vertrauen auch einige Spieler der „Next Gen“ auf die Tennisschläger aus Japan, wie zum Beispiel der Kanadier Denis Shapovalov, der Norweger Casper Ruud und der Australier Nick Kyrgios.

Im Damentennis lehrt derzeit YONEX-Vertragsspielerin Naomi Osaka die Konkurrenz das Fürchten. Die Japanerin gewann Anfang des Jahres die Australian Open. Der French-Open-Titel fehlt Osaka noch in ihrer Sammlung. Ebenso wie Osakas Markenkollegin Angelique Kerber. Deutschlands beste Tennisspielerin gewann dafür schon die Australian Open, Wimbledon und die US Open.

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YONEX - Die Geschichte eines Tennisschlägers

Schlägerproduktion mit „100 Prozent“ Präzision  

Kerber nutzte bei all ihren Major-Siegen ein YONEX-Racket. Mit der einzigartigen, isometrischen Form des Schlägerkopfes unterscheidet man sich von der Konkurrenz. Auch in Sachen Präzision: Die Angabe auf einem YONEX-Schläger entspricht laut Carsten Neuhaus, Tennis Promotion Manager bei dem asiatischen Unternehmen, "zu 100 Prozent" dem Schlägergewicht. Andere Marken weisen dagegen bei jedem Racket eine Toleranz von +/- 7 Gramm auf.

Diese Perfektion überzeugt auch Stan Wawrinka. „YONEX ist besessen von der ständigen Verbesserung. Die Aufmerksamkeit für Details ist nicht von dieser Welt“, sagte er dem Tennismagazin. Und das kann für Stars wie Wawrinka auf dem Weg zum Grand-Slam-Sieg das entscheidende Detail am Racket sein. „Hier die richtige Kombination zu finden, ist extrem wichtig, da bereits die kleinsten Veränderungen einen extremen Unterschied machen.“ 

Bei der Produktion heben sich die Japaner ebenfalls von der Konkurrenz ab. Die bekannten Marken lassen ihre Tennisschläger in drei bis vier chinesischen Fabriken herstellen. YONEX produziert dagegen in der Manufaktur in Niigata, der Geburtsstadt des japanischen Firmengründers Minoru Yoneyama.

Das Familien-Unternehmen, dessen Name YONEX eine Kurzform von Yoneyama Export, wird seit dem Tod seines Gründers im November 2019 von dessen Sohn Ben Yoneyama geführt. Ursprünglich hatte dessen Vater sich auf die Holzbranche fokussiert und stellte Schwimmer für Fischnetze her. Doch die Nachfrage danach sank deutlich, als die Konkurrenz auf Plastikschwimmer umstellte. Aus der Not machte YONEX eine Tugend und produzierte fortan auch Badminton-Schläger. Um künftige Trends nicht zu verpassen sondern sie vielmehr zu setzen, wurde auch mit Materialien experimentiert. So gelang es YONEX im Racketsport, mit Graphit leichtere Schläger herzustellen. Das Unternehmen nahm auch Tennis- und Golfschläger ins Programm.

Verhaltenskodex für Spielerinnen und Spieler

Das japanische Unternehmen, dessen Farben Grün und Blau in Anlehnung an den Zen-Buddhismus für die Erde und den Himmelstehen, legt zudem viel Wert auf einen respektvollen Umgang mit seinen Spielerinnen und Spielern. Erreicht eine Athletin oder ein Athlet bei einem Turnier das Finale, überreicht in der Regel der ranghöchste YONEX-Repräsentant vor Ort einen Blumenstrauß und eine Flasche Champagner.

Dafür erwartet YONEX von seinen Tennisprofis ein tadelloses Verhalten auf dem Court. Wer sich schlecht benimmt und ein YONEX-Racket mutwillig zerstört, muss dafür zahlen, wie Carsten Neuhaus SPORT1 bestätigte. "Wir haben diese Klausel im Vertrag – und die ist spürbar schmerzhaft", erklärt Neuhaus. Da ein YONEX-Schläger „durch bis zu 70 Hände in der Produktion“ geht, sei dieser so etwas wie „die ‚heilige Kuh‘ der Firma. Einen Schläger zu zerstören ist im Endeffekt eine Beleidigung gegen die Familie. Die Spieler repräsentieren unsere Marke, entsprechend werden sie bestraft, wenn sie mit dem Produkt so umgehen.“ 

Wie häufig das Unternehmen, das rund 1.400 Mitarbeiter beschäftigt und in über 100 Ländern vertreten ist, Heißsporn Nick Kyrgios bereits zur Kasse bitten musste, ist nicht überliefert. Während der Australier auf dem Tennisplatz das ein oder andere Mal seine Emotionen nicht ganz im Griff hatte, war sein Verhalten abseits des Courts stets vorbildlich. „Unsere Zusammenarbeit mit Nick ist extrem professionell“, lobte YONEX-Manager Neuhaus seinen Schützling. Auf Kyrgios sei „immer Verlass.“ Der harre auch bei Terminen mit Tennisfans bis zum Ende geduldig aus und „bleibt so lange, bis der letzte sein Autogramm bekommen hat.“        

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