Von Marcus Friedrich
George Danzer gewinnt sein erstes WSOP-Turnier
"Der Sieg ist eine Genugtuung"
George Danzer ist am Ziel seiner Träume.
Der SPORT1-Experte und Pokerprofi hat sein erstes Turnier bei der World Series of Poker (WSOP) gewonnen.
An einem hochkarätigen Finaltisch ließ der Profi vom TEAM POKERSTARS.de acht Gegner hinter sich, darunter vier ehemalige Weltmeister.
Der 30-Jährige darf sich nun nicht nur über knapp 217.000 Euro Siegprämie freuen, sondern auch über sein erstes Bracelet (Siegerarmband).
Besonderer Nebenaspekt: Das 10.000 Dollar Razz Event war ein Premieren-Event.
Noch nie gab es bei der WSOP (täglich im LIVE-TICKER) ein Razz-Turnier mit so hoher Startgebühr.
George Danzer darf sich als erster Sieger demnach auch gleich eines Eintrag in die Geschichtsbücher sicher sein.
Im SPORT1-Interview spricht der Mann mit dem Namen "The Panzer" über seinen größten Erfolg, Poker als harte Arbeit und seine weiteren Pläne bei der WSOP.
SPORT1: Herr Danzer, herzlichen Glückwunsch zum ersten Sieg bei der World Series of Poker. Wie war der Moment, als sie die entscheidende Karte umgedreht haben?
George Danzer: Es war ein grandioser Moment. Ich brauchte das Ass, und als ich genau die Karte sah, war es einfach nur überragend. Alle meine Freunde haben mich angefeuert. Aber bevor ich meine Freunde abgeklatscht habe, habe ich erst einmal meinem finalen Gegner Brandon Shack-Harris gratuliert. Er ist ein Supertyp. Es war ein richtiger Fight zwischen uns beiden.
SPORT1: Wie haben Sie den Sieg gefeiert?
Danzer: Extrem wild wurde es nicht (lacht). Ich habe alle meine Freunde zum Essen eingeladen, auf den Erfolg mit einem Glas Wein angestoßen und den Abend einfach genossen. Zu viel feiern wollte ich nicht, da noch einige Turniere anstehen.
SPORT1: Natürlich gab es auch für Sie das begehrte Siegerarmband: Legen Sie das Siegerarmband in den nächsten Wochen überhaupt ab?
Danzer: Ich hab es noch gar nicht in den Händen gehalten. Ich muss mich noch bis zur offiziellen Verleihung gedulden. Aber am liebsten würde ich es natürlich die ganze Zeit schon tragen.
SPORT1: Sie sind in den letzten zwei Jahren bei der World Serie of Poker jeweils knapp gescheitert. Sie wurden Zweiter, Dritter und Fünfter: Wie wichtig ist Ihnen nun dieser Titel?
Danzer: Für mich bedeutet der Titel "Weltmeister" sehr viel. Es ist schon extrem viel Druck von mir abgefallen. Ich denke nicht, dass ich jetzt besser Poker spielen kann als vorher. Aber es ist nach so einer langen Zeit einfach eine Genugtuung. Erst recht, wenn man mehrmals knapp gescheitert ist. Ich hatte mir geschworen, dass ich beim nächsten Mal auch den Titel hole, wenn ich so weit komme.
SPORT1: Also war es der Lohn harter Arbeit?
Danzer: Auf alle Fälle. Ich wollte natürlich schon in jungen Jahren das Bracelet gewinnen. Aber ich habe schnell gemerkt, wie hart es eigentlich ist, so ein Turnier bei der WSOP zu gewinnen. Ich habe mir immer mehr Poker-Varianten angeeignet und viele Zeit und Arbeit investiert. Das hat sich nun ausgezahlt.
SPORT1: Ihr Gegner Brandon Shack-Harris hatte schon Event 3 gewonnen: Hatten Sie Sorge, dass sein Lauf nicht zu stoppen ist?
Danzer: Ich habe genau andersherum gedacht. Ich hatte mir überlegt: Der hat schon ein Turnier gewonnen und hat bestimmt nicht so einen unbedingten Willen wie ich. Am Anfang vom Heads-Up hatte er die Führung. Ich war aber supermotiviert. Und nachdem ich den ersten großen Pot gewonnen und Chipleader war, war ich mir sicher, dass ich das Ding auch gewinne.
SPORT1: Was war der Schlüsselmoment am Finaltisch?
Danzer: Es gab zwei All-Ins, die den Ausschlag gegeben haben. Ich war zwei Mal Favorit, musste aber jeweils die letzte Karte dann doch treffen. Genau in diesem Moment kamen auch viele Freunde, die mich angefeuert und gejubelt haben. Da wusste ich: Jetzt ist alles möglich.
SPORT1: Sie haben ein Razz-Turnier gewonnen - für die breite Öffentlichkeit eine eher unbekannte Variante. Warum sind Sie gerade in den speziellen Varianten so stark?
Danzer: Es kam ein wenig aus Langeweile. No-Limit Holdem ist mir irgendwann auf den Geist gegangen, und ich wollte andere Varianten spielen. Da kamen verschiedene Dinge zusammen, und ich habe mir immer mehr Varianten angeeignet.
SPORT1: Was sind jetzt Ihre weiteren WSOP-Pläne?
Danzer: Ich hatte mir vor der WSOP vorgenommen, jeden Tag ein Turnier zu spielen. An dem Plan hat sich auch nach dem Sieg nichts geändert. Es gibt jeden Tag ein schönes Turnier zu spielen - und natürlich noch einiges zu gewinnen.
SPORT1: Auf welches Turnier freuen sie sich noch besonders?
Danzer: Für mich ist der Höhepunkt immer The Poker Players Championship (Anm. d. Red., Startgebühr 50000 Dollar). Das ist mein absolutes Lieblingsturnier. Dort sind nur die besten Spieler dabei, und es herrscht immer eine entspannte Atmosphäre. Trotzdem muss man um jeden Chip richtig hart kämpfen. Zudem spielt man acht Varianten - da hat man viel Abwechslung.