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Die heimliche Nr. 1

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Die heimliche Nr. 1

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Die heimliche Nr. 1

Die heimliche Nr. 1

Ben Rolle ist Dauergast an den Finaltischen der GGPoker Super MILLION$. Durch sein Poker-Coaching werden aus soliden Spielern waschechte High Roller. Es wird Zeit für ein Interview...
Benjamin Rolle
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Ihren Namen kennen nur Insider. Doch die Stars der Onlinepoker-Szene sind oft noch erfolgreicher als ihre Kollegen an den Live-Tischen. Online werden deutlich mehr Turniere gespielt und insbesondere die High Roller Szene erlebt aktuell bei GGPoker einen Boom. Das wöchentliche $10.300 Super MILLION$ ist längst bei vielen Pokerprofis fest im Kalender vermerkt.

Benjamin Rolle, deutscher Profispieler mit Wohnsitz Wien, hat dieses Turnier bereits gewonnen und sitzt immer wieder auch am Finaltable. Für viele in der deutschen Poker-Community ist „BENCB“ der momentan beste Onlinespieler. Martin Pott hat ihn getroffen.

SPORT1: Die High Roller Turniere auf GGPoker, wie z.B. die Super MILLION$ jeden Dienstag, haben sich seit Monaten mit hohen Teilnehmerzahlen etabliert. Worauf führst du die Popularität dieser Events mit den hohen Startgeldern zurück?

Ben Rolle: Es ist meines Erachtens eine Kombination aus vielen Faktoren. Zum einen bewirbt GGPoker diese Events sehr gut. GG hat auch sehr früh damit angefangen, die großen Finaltische sowohl auf Twitch wie auch auf Youtube zu streamen. Zudem gibt es viele Satellites und damit sind diese Turniere mit Buy-Ins von 10.000$ und höher wesentlich softer als auf anderen Plattformen, da ja noch etliche Qualifikanten dabei sind. Dazu kommt natürlich auch die Masse der angebotenen Turniere mit hohen Startgeldern. Auf PokerStars z.B. hat man die Turniere mit den hohen Buy-Ins nur zu den besonderen Eventserien, was ich nicht ganz nachvollziehen kann. Mittlerweile ist meines Erachtens bei den Turnieren mit hohen Startgeldern die Nachfrage absolut gegeben. Und da haben viele Plattformen den Zug eben komplett verpasst. Das macht GGPoker anders und eben sehr gut. Dazu kommen noch die attraktiven und hohen garantierten Gewinnsummen, die GGPoker auslobt. Das zieht auch nochmals etliche Freizeitspieler an. Die Struktur an sich finde ich ein wenig grenzwertig, da man eben viele Re-Buys tätigen kann. Ich bin da eigentlich kein großer Fan von, wobei ich natürlich bei meinen Erfolgen in den letzten Wochen einmal 6 bzw. einmal 3 Re-Buys getätigt und selbst davon profitiert habe.

SPORT1: Löst das Klicken dieser Events mit einem Startgeld von 10K oder manchmal auch noch wesentlich höher noch Adrenalinschübe bei dir aus?

Ben Rolle: Das Registrieren für ein 10K oder 25K Turnier löst bei mir keinen besonderen Adrenalinschub aus. Aber ich würde lügen, wenn ich nicht zugeben würde, dass die späteren Phasen bei solchen Events mich völlig kalt lassen. Da kommt schon Nervenkitzel auf und reichlich Anspannung bei den Coinflips in den entscheidenden Phasen.

SPORT1: Wie viel Zeit verbringst du im Vorfeld für die Analyse deiner Gegner? Und was davon verwendest du dann im Laufe des Turniers?

Ben Rolle: Eine besondere Analyse der Gegner vor einem Turnier in der Größenordnung betreibe ich nicht. Aber ich habe natürlich meine Datenbanken & Notizen, die ich mir über die Jahre aufgebaut habe und selbstverständlich auch permanent weiter pflege. Anders sieht es aus, wenn ich z.B. den Final Table bei einem größeren Event erreicht habe. Dann nehme ich mir schon einige Stunden Zeit und schaue mir alles an, was ich meiner Datenbank zum jeweiligen Gegner zur Verfügung habe. Schaue mir dabei auch alles an, was ich an Material auf den Channels wie Youtube oder Twitch zu den jeweiligen Kontrahenten finde. Und überlege mir schon im Vorfeld, wie sie gegen mich spielen könnten und wie ich mein Spiel gegen sie am besten anpasse.

Ben rolle Dauergast bei der GGPoker Super MILLION$
Ben Rolle

SPORT1: Wie genau kann man sich als Außenstehender deine Vorbereitung auf solch ein Turnier vorstellen? In Bezug auf Essen, Mindset und Spielumgebung bezogen?

Ben Rolle: Ein guter Punkt, den du da ansprichst. Ich versuche eigentlich ständig meine Geduld zu trainieren. Das ist für mich der Hauptgegner. Dieses Problem dürften sicherlich auch viele Pokerspieler kennen. Ich trainiere dies mit viel Meditation, aber vor allem auch mit Workouts. Jeden Tag so 30-60 Minuten. Wobei ich da gar nicht mal auf die Intensität achte, sondern vielmehr auf die Ausdauer. Teilweise quäle ich mich mit der gleichen stupiden Übung bewusst extrem lange, um einfach meine Geduld zu steigern und zu optimieren. Das hilft mir bei den langen Sessions sehr. Gerade auch, wenn mal 1-2 Stunden lang keine einzige spielbare Hand ankommt oder es einfach nur mäßig läuft. Da bin ich jetzt - im Gegensatz zu früheren Zeiten - viel entspannter und überhaupt nicht anfällig fürs Tilten. Ich kann das Trainieren der Geduld jedem Pokerspieler nur wärmstens empfehlen. Die üblichen anderen Sachen in Bezug auf Turniervorbereitung gehören meines Erachtens obligatorisch zum Standardprogramm jedes Pokerprofis. Und das erwarte ich im Übrigen auch von meinen Schülern. Eben entsprechend ausgeschlafen zu sein vor einem längeren Turnier und das Essen vorbereitet zu haben, welches mir während einer langen Session die verbrauchte Energie zurückführt, mir schmeckt, aber mich gleichzeitig auch nicht zu müde macht. Zu meinen persönlichen Gewohnheiten gehören dann noch Eisbäder, die ich mir regelmäßig gönne. Gerade nach den Workouts. Das hilft mir zum Runterkommen und das Immunsystem wird dadurch natürlich auch gestärkt.

SPORT1: Man hat von außen den Eindruck, dass auf den vorderen Plätzen häufig die gleichen Spieler landen. Täuscht das?

Ben Rolle: Natürlich ist das in gewisser Weise auch so. Aber es liegt eher daran, dass ab einem gewissen Level eben nicht mehr so viele verschiedene Spieler an den Turnieren teilnehmen. Sind es bei den 10K Events vielleicht noch 150 oder auch mal 180, so sind es bei den 25K, 50K oder 100K Turnieren bereits wesentlich weniger. Und dann ist es normal, dass man bei 20 oder 30 Teilnehmern immer wieder die gleichen Namen in den Preisgeldern sieht. Wobei es ehrlich gesagt für den Außenstehenden auch ein wenig täuschend wirkt. Wenn es bei mir an einem normalen Sonntag z.B. gar nicht oder eben unbefriedigend läuft und ich nichts Bedeutendes cashe, dann sind auch mal schnell $100.000 weg. Passiert das 3x nacheinander, dann wird daraus eben ein Minus von $300.000. Von außen, wie z.B. in den letzte 2 Wochen, sieht man aber nur meine beiden fetten Scores mit Platz 2 und 4. Dass ich unterm Strich über die letzten 6 Wochen nur mit minimalem Gewinn rausgegangen bin, sehen eben die wenigsten. Da fehlt mir ein wenig die Transparenz. Auch bei LIVE-Events besteht dieses Problem. Manch einer denkt bei Spieler X oder Y, der in den letzten 10 Jahren z.B. 20 Millionen Dollar an Live-Cashes eingefahren hat, dass es auch 20 Millionen Dollar Gewinn sind. Das ist aber bei weitem nicht so. Da fehlen die ganzen Buy-Ins der Turniere, bei denen man eben nicht gecashed hat. Zudem die ganzen Reisekosten, sonstigen Ausgaben und Steuern, so dass sich das schnell alles halbwegs relativiert.

SPORT1: In deiner Pokerschule Raise Your Edge hast du in den vergangenen Jahren viele Pokerspieler trainiert. Du hast mittelgute Spieler zu Profis ausgebildet und Profispieler zu absoluten Waffen am Pokertisch. Wie viele Schüler aus deinem Stall spielen denn so in etwa bei diesen HR-Online Events mit? Und was ist es für dich für ein Gefühl mit eben jenen am Tisch zu sitzen, nachdem du sie monatelang betreut hast?

Ben Rolle: Die absolute Priorität in meiner Pokerschule liegt primär darin, Spieler aus den kleineren Limits auszubilden. So dass diese dann die Medium-Limits oder je nach Entwicklung dann auch hohe Limits spielen können. Zu den Highroller-Events ist es dann nochmals ein ganzes Stück. Aber du hast Recht…es sind auch einige Deutsche und Brasilianer aus der RaiseYourEdge Community dabei, die den Sprung bis in die ganz hohen Highroller Limits geschafft haben. Und mit denen sitze ich dann natürlich auch in der Tat recht häufig an den Tischen. Es ist dann ein bisschen seltsam, weil derjenige mein Spiel natürlich ganz gut kennt und ich eben auch seine Gedankengänge. In diesen Situationen müssen sowohl er als auch ich umdenken und das Spiel gegeneinander ein wenig adaptieren. Ein weiter Focus meiner Pokerschule liegt in der Beratung und Schulung von Spielern, wenn sie bei großen Events den Final Table erreicht haben. Wir bereiten die Kunden auf die Gegner vor, auf die Preissprünge und wie sie mit den auftretenden Situationen am Finaltisch umzugehen haben. Zudem haben wir noch viele Cashgame-Spieler, die an uns herantreten um den Switch zum Turnierpoker zu vollziehen. Da gehen wir dann mehr in die Feinheiten, da diese Profis die Basics natürlich alle bereits drauf haben.