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Erst nach seinem Tod wurde enthüllt, was für ein Held das Radsport-Idol wirklich war

Der größte Radsport-Held der Historie

Vor 25 Jahren starb Tour- und Giro-Legende Gino Bartali. Erst danach wurde bekannt, in welchem Umfang er lebensrettende Heldentaten während des Zweiten Weltkriegs geleistet hatte.
Gino Bartali im Jahr 1953
Gino Bartali im Jahr 1953
© IMAGO / UIG
Vor 25 Jahren starb Tour- und Giro-Legende Gino Bartali. Erst danach wurde bekannt, in welchem Umfang er lebensrettende Heldentaten während des Zweiten Weltkriegs geleistet hatte.

Schon der nüchterne Blick auf die sportlichen Erfolge von Gino Bartali lässt nicht den geringsten Zweifel am Legendenstatus des italienischen Radrennfahrers.

Zweimal gewann er die Tour de France (1938, 1948), sogar dreimal den Giro d’Italia (1936, 1937, 1946), die epischen Duelle mit Landsmann Fausto Coppi elektrisierten die Massen.

Doch das Ausmaß von Bartalis größten Taten erfuhr die Welt erst, nachdem dieser vor 25 Jahren am 5. Mai 2000 im Alter von 85 Jahren einem Herzinfarkt erlegen war.

Denn Bartali war ein stiller Held. Und deshalb rang er selbst seiner Familie das Versprechen ab, zu seinen Lebzeiten nicht groß von seinen Heldentaten aus dem Zweiten Weltkrieg zu erzählen.

Bartali setzt sich für Rettung von Juden ein

So wurde erst nach seinem Tod bekannt, in welchem Umfang sich Bartali während der Besatzung Italiens durch Hitlers Truppen als Fahrradkurier einer Untergrundbewegung für die Rettung von Juden eingesetzt hatte.

Zwischen 1943 und 1945 schmuggelte der gläubige Katholik auf seinen Touren Fotos und gefälschte Dokumente, damit Juden neue Identitäten ausgestellt werden konnten. Als berühmter Radstar fielen die vielen Fahrten Bartalis, meist die 180 km zwischen Florenz und Assisi, den Soldaten und Kontrollposten nicht besonders auf. Die Dokumente hatte er im Sattelrohr verborgen.

2013 wurde Bartali, der auch eine jüdische Familie im Keller versteckte, posthum von der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Israel zum „Gerechten unter den Völkern“ ernannt.

Zu seinem Gedenken startete zudem der Giro d’Italia 2018 in Jerusalem. „Gewisse Medaillen werden an die Seele geheftet, nicht an die Jacke“, hatte Bartali einst gesagt, Trubel um seine Person gefiel ihm nicht.

Bartali liefert sich packende Duelle mit Coppi

Dabei hatten schon seine sportlichen Leistungen Anlass genug für Trubel gegeben, die Anhänger in Italien spalteten sich in „Bartalisti“ und „Coppisti“. Die Duelle mit dem fünf Jahre jüngeren Fausto Coppi gingen als die packendsten in die Radsportgeschichte ein.Die Rivalität mit Coppi, 1960 mit nur 40 Jahren tragisch an Malaria verstorben, bekam durch die posthumen Enthüllungen um Bartali nochmal eine neue Ebene: Coppi hatte im Zweiten Weltkrieg in der Armee der Faschisten gedient - distanzierte sich allerdings am Ende des Kriegs vom Regime.Die Geschichte von Bartali bewegt Italien bis heute, mehrfach gab es in den vergangenen Jahren Diskussionen, die seine Heldentaten anzweifelten - was von dem für Yad Vashem arbeitenden Sergio Della Pergola als Unsinn zurückgewiesen wurde.

Bartali, genannt „Il Pio“ (der Fromme), wollte sich selbst nie als Held sehen. Wirkliche Helden, soll Bartali laut seines Sohnes Andrea einmal gesagt haben, seien „diejenigen, die in ihrer Seele gelitten haben, in ihrem Herzen, in ihrem Geist, in ihren Gedanken, für ihre Lieben. Ich bin nur ein Radfahrer.“-----Mit Sport-Informations-Dienst (SID)