Pogacar erobert Gelbes Trikot

Pogacar erobert Gelbes Trikot

Tadej Pogacar setzt auf der ersten Alpenetappe der 108. Tour de France ein Ausrufezeichen. Der Titelverteidiger schlüpft ins Gelbe Trikot.
Tadej Pogacar fuhr ins Gelbe Trikot
Tadej Pogacar fuhr ins Gelbe Trikot
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. SID
von SID
am 4. Juli

Titelverteidiger Tadej Pogacar hat seine chancenlosen Rivalen bei der 108. Tour de France schon auf der ersten Bergetappe gedemütigt.

286 Tage nach seinem Triumph in Paris trägt der Slowene wieder das Gelbe Trikot auf seinen Schultern - der Frankreich-Rundfahrt droht nach der Machtdemonstration in den Alpen früh die große Langeweile. 

Einzig der Tageserfolg blieb dem 22-Jährigen verwehrt. Die achte Etappe über 150,8 km von Oyonnax nach Le Grand-Bornand gewann der Belgier Dylan Teuns, es war der zweite Tageserfolg nacheinander für das Team Bahrain Victorious. "Es ist wirklich so toll. Ich habe mir natürlich ein paar Ziele gesetzt, hätte aber nicht gedacht, dass ich es schaffe", sagte Teuns. 

Roglic und Thomas weit zurück

Am Ort der Wunderfahrt des Linus Gerdemann, der vor 14 Jahren mit dem Etappensieg in Le Grand-Bornand ins Maillot jaune geklettert war, überragte allerdings Pogacar, der als Tagesvierter den Grundstein für den erneut Gesamtsieg legte. Auch der Tageszweite Ion Izagirre vom Team Astana-Premier Tech war von der Leistung des Slowenen beeindruckt. "Erst waren es 20 Sekunden und dann war er auf einmal da. Das ist schon beeindruckend, wie schnell er herangerückt ist."

Auch Jeroen Swart, Medical Director beim Pogacar-Team UAE Team Emirates, sucht nach Worten für die Leistungen des Vorjahressiegers. "Er ist wirklich eines dieser außergewöhnlichen Talente. Einer dieser Fahrer, die es einmal in jeder Generation gibt. Er wächst noch heran und ist jetzt einfach ein Jahr älter, besser, stärker, erwachsener als letztes Jahr, als er die Tour gewann. Er setzt seine Entwicklung mit weiteren Verbesserungen fort und ist einfach ein fantastischer Fahrer.", lobte er den Ausnahmefahrer.

Angesichts der dominanten Vorstellung scheint nur ein Sturz oder unerwarteter Leistungseinbruch den zweiten Tour-Triumph nacheinander verhindern zu können. Zwei, die im Vorfeld als Pogacars größte Rivalen gehandelt worden waren, sind schließlich endgültig aus dem Rennen um das Podium: Die angeschlagenen Top-Favoriten Primoz Roglic und Geraint Thomas verloren früh den Anschluss und sind keine Konkurrenz mehr.

Roglic gibt auf

Der slowenische Vorjahreszweite Roglic (31) gab am Sonntag vor der neunten Etappe sogar auf. Das teilte sein Rennstall am Morgen mit Verweis auf die Verletzungen mit, die Roglic schon früh auf der Frankreich-Rundfahrt erlitten hatte.

"Wir haben diese Entscheidung zusammen getroffen", sagte Roglic: "Es ergibt keinen Sinn, so weiterzumachen. Für mich ist es jetzt an der Zeit, mich zu erholen und auf neue Ziele zu konzentrieren. Ich bin sehr enttäuscht, aber ich muss es so akzeptieren."

Vuelta-Sieger Roglic war am Montag bei der dritten Etappe kurz vor dem Ziel in Pointivy schwer gestürzt und hatte sich seitdem mit diversen schmerzhaften Wunden durch das Rennen gequält.

Froome in Schwierigkeiten

"Es ist eine gute Möglichkeit, in die Gruppe zu gehen", hatte der deutsche Kletter-Spezialist Emanuel Buchmann kurz vor dem Start über die Etappe gesagt. Wie der frühere Tour-Vierte dachten viele seiner Konkurrenten. Das Rennen begann entsprechend hektisch, nervös, schnell - und für einige deshalb problematisch.

Nicht nur der deutsche Olympia-Starter Roger Kluge zählte zu den Abgehängten am ersten Berg direkt nach dem Start. Auch der viermalige Tour-Champion Chris Froome (Israel Start-up Nation) kam in Schwierigkeiten.

Favoriten fallen zurück

Durchaus überraschend hielt auch der von einem Sturz geschwächte Ex-Sieger Thomas (Ineos) früh nicht mehr mit. Kurz fiel auch der seit Tagen angeschlagene Tour-Zweite des Vorjahres Roglic (Jumbo-Visma) aus dem Hauptfeld (Die Favoriten der Tour de France 2021). 

Das Tempo blieb hoch, im strömenden Regen folgte Attacke auf Attacke. Eine stabile Rennsituation stellte sich erst nach dem zweiten gewerteten Anstieg des Tages (Cote de Menthonnex-en-Bornes, 4. Kategorie) nach etwas mehr als 70 Kilometern ein. Eine größere Fluchtgruppe ohne Deutsche setzte sich ab. Pogacar hatte dahinter im ausgedünnten Hauptfeld alles im Griff.

Auch Buchmann verliert Anschluss

Buchmann, der bei der Tour vornehmlich als Helfer des Niederländers Wilco Kelderman eingeplant ist, bekam bei einer Tempoverschärfung am vorletzten Anstieg Col de Romme (1. Kategorie) Probleme und verlor den Anschluss an die Gruppe der Favoriten. 

Auch Mathieu van der Poel (Alpecin-Fenix) musste als Träger des Gelben Trikots kurz darauf abreißen lassen.

Pogacar düpiert Rivalen

Dann kam der große Auftritt des Tadej Pogacar: Mit einem beeindruckenden Antritt düpierte der Jungstar alle Rivalen. Der Ecuadorianer Richard Carapaz (Ineos) konnte zwar kurz folgen, war bei einer erneuten Tempoverschärfung Pogacars aber machtlos.

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Mit kräftigen Tritten kletterte Pogacar im Alleingang den Col de la Colombiere hinauf, bei der rutschigen Abfahrt ins Ziel blieb er fehlerfrei. Teuns holte er aber nicht mehr ein.

Auf der zweiten und letzten Alpenetappe am Sonntag werden die Fahrer noch intensiver gefordert. Erster Berg der höchsten Kategorie, erste Gipfelankunft. Die Schwierigkeiten ziehen sich durch die komplette Etappe.

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