Es ist sein Turnier. Seit mehr als zwei Jahrzehnten. Eines, bei dem Roger Federer nach Streitigkeiten über die Antrittsgage auch mal gratis antritt. Die Swiss Indoors in Basel (täglich LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVESTREAM) sind mehr als ein Heimspiel für den Schweizer Vorzeigesportler - sie erzählen die Geschichte des Sportlers und Menschen Federer.
ATP: Swiss Indoors in Basel mit Roger Federer LIVE auf SPORT1
Balljunge, Pizzabote, Unbezwingbarer
Erstmals rannte er mit 12 Jahren bei den Swiss Indoors den gelben Filzkugeln hinterher.
Als Balljunge sammelte der Schweizer beim ATP-Turnier in Basel erste Erfahrungen und schüttelte Sieger Michael Stich 1993 die Hand. Inzwischen ist Federer nach 17 Grand-Slam-Titeln selbst zum Helden der Balljungen geworden.
Bei der 46. Ausgabe des drittgrößten Hallenturniers der Welt geht der Lokalmatador, der in der ersten Runde mit dem Kasachen Michail Kukuschkin kurzen Prozess machte und in der zweiten Runde auf Philipp Kohlschreiber trifft, als Favorit ins Rennen.
Schließlich konnte der heute 34-Jährige das Turnier bereits sechs Mal für sich entscheiden und ist damit Rekordsieger.
"Er verstand die Welt nicht mehr"
Dabei schien zu Beginn in Basel noch ein Fluch über Federer zu liegen. Bei seinen ersten sechs Teilnahmen konnte sich "FedEx" trotz seines kometenhaften Aufstiegs in die Tennisspitze nie zum Sieger krönen. "Er hatte Tränen in den Augen, weil es ihm nicht gelang, das Turnier zu gewinnen. Er verstand die Welt nicht mehr", sagte Roger Brennwald im Gespräch mit SPORT1.
Der Turnierdirektor und Federer sind seit 20 Jahren Weggefährten. Nicht unweit von den Wohnorten des Duos in Basel entfernt, trainierte Federer in jungen Jahren auf der Anlage des Tennisclubs Old Boys.
Auf dem gleichen Areal hat Brennwald vor 45 Jahren die Swiss Indoors gestartet. "Dieser Boden scheint sehr fruchtbar zu sein für das Tennis", so der 69-Jährige.
Als Balljunge bekam Federer früh Einblicke bei den Swiss Indoors, seine Mutter war zudem fast zehn Jahre Mitglied des Organisationskomitees. 1998 erhielt Federer erstmals eine Wildcard, musste sich in der ersten Runde aber Superstar Andre Agassi 2:6, 3:6 geschlagen geben.
Zerstritten? Mitnichten!
In den vergangenen beiden Jahren war von einer Eiszeit zwischen Brennwald und dem Aushängeschild des Turniers die Rede. Man konnte sich nicht über einen Vertrag einigen, Federer startete ohne Antrittsgage.
"Wir waren uns nicht einig über das Business. Das ist dann unnötigerweise so hochstilisiert worden, als wenn wir Erzfeinde wären", sagte Brennwald. Spätestens seit der Unterzeichnung eines neuen Vertrages in diesem Jahr ist der Konflikt beigelegt.
Die Freude auf das prominent besetzte Turnier ist deshalb ungetrübt. Neben Rafael Nadal ist auch unter anderem Australian-Open-Sieger Stan Wawrinka am Start. Mit "Stan the Man" und Federer stellt die Schweiz die Nummern drei und vier der Weltrangliste. Brennwald freut sich über "eine Jahrhundert- oder gar Jahrtausendkonstellation in der Schweizer Tennisszene."
Während Wawrinka in Basel bisher jedoch noch nie über das Halbfinale hinauskam, ist Federer seit neun Jahren Stammgast im Endspiel.
Stoische Ruhe statt fliegende Schläger
Während sportliche Erfolge bei Federer in Unmengen vorhanden sind, liefert er dem Boulevard keine Schlagzeilen.
"Wir sind bodenständiger Schweizer. Wir wickeln unser Programm ab und sind nett zu allen Leuten", sagte Brennwald lachend. Federer sei ein unkomplizierter Mensch, einfach 'Everybody's Darling'. Allerdings habe er sich im Laufe der Jahre verändert.
"In seinen jungen Jahren ist der Tennisschläger im Netz oder sogar mal über dem Gehege des Tennisplatzes gelandet", sagte Brennwald: "Inzwischen hat er eine stoische Ruhe entwickelt, die auch den Gegner auf psychologische Art beeinflusst. Er verkörpert sozusagen das Unbezwingbare in seinem Wesen."
Er sei nicht nur als Spieler überlegener, galanter und eleganter geworden: "Er ist eine Koryphäe, ein Mensch mit Vorbildfunktion."
Pizza für die Balljungen
Als Liebling der Massen findet sich dann doch eine nette Geschichte abseits des Platzes, die mit seinen Anfängen beim Basler Tennisturnier zu tun hat. Nach jedem Finale - ob gewonnen oder verloren - lädt Federer die Balljungen zu einer Pizza ein.
"Das kam von Herzen, weil er als Ballboy schöne Erinnerungen an das Turnier und an seine Tage im Rahmen des Turniers als Kind hat. Das war eine gute Idee, die sehr gut ankam", so Brennwald.
Die Kinder und Jugendlichen werden dem "Maestro" also wieder die Daumen drücken. Und vielleicht wird man über einen von ihnen später schreiben, dass er die Hand eines Turniersiegers geschüttelt hat.
So wie Federer 1993.