Das steckt hinter Zverevs Blamage

Das steckt hinter Zverevs Blamage

Alexander Zverev rätselt nach dem frühen Aus in München über seine Aufschlag-Schwäche. Die treten zu einem ungünstigen Zeitpunkt wieder auf.
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"Einfach nur traurig!" Darum boykottiert Zverev den Davis Cup
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Kai Hartwig
von K. Hartwig
am 1. Mai

Niedergeschlagen und tief enttäuscht saß Alexander Zverev bei der Pressekonferenz unmittelbar nach Matchende auf seinem Stuhl. Der Weltranglistensechste musste den Schock erst einmal verdauen.

Wenige Minuten zuvor war er bei den BMW Open in München im Viertelfinale am weißrussischen Qualifikanten Ilya Ivashka gescheitert. Den dritten Titel beim ATP-Turnier in der bayerischen Landeshauptstadt muss er nach dem 7:6 (7:5), 5:7, 3:6 gegen den Außenseiter vorerst abhaken. Einmal mehr hatte Zverev der Aufschlag im Stich gelassen.

"Ich bin im Moment vor allem enttäuscht", sagte Zverev nach der Partie: "Das ist ein Match, das ich nie verlieren darf, ich bin traurig und enttäuscht. Ich muss einfach anfangen besser zu spielen."

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Zverev droht böses Erwachen bei French Open

Viel Zeit, den herben Dämpfer zu verarbeiten, hat er nicht. Auf der ATP Tour geht es im Vorfeld der nahenden French Open (ab 30. Mai) Schlag auf Schlag weiter. Am Sonntag startet in Madrid das Masters, eine Woche später folgt das 1000er-Turnier in Rom. 

Die Probleme beim Aufschlag kommen für Zverev zur absoluten Unzeit. Kriegt er diese nicht sofort behoben, droht beim Grand-Slam-Turnier in Paris ein böses Erwachen. (Kalender der ATP-Saison 2021)

Gegen den Weltranglisten-107. Ivashka zitterte Zverev seinen Service phasenweise mit rund 120 km/h ins Feld. Ein indiskutabler Wert, erreichen Zverevs Aufschläge doch sonst reihenweise Geschwindigkeiten jenseits der 220 km/h.

Aufschlag-Probleme sind zurück

Aber woran lag es? An den Ellbogenproblemen, die ihn jüngst zu einer rund dreiwöchigen Verletzungspause gezwungen hatten? Die Beschwerden sind nach Angaben des Tennisprofis dank einer Eigenbluttherapie nicht mehr zu spüren.

Oder sind die Yips zurück, jenes unerklärliche Phänomen bei der Aufschlagbewegung, das Zverev längere Zeit plagte? Um es loszuwerden, hatte er über viele Monate verstärkt seinen Aufschlag trainiert - und damit wohl ironischerweise die Beschwerden am Arm hervorgerufen.  

"Es war ein bisschen etwas von allem", befand Zverev ein wenig ratlos. "Ich habe irgendwann meine Bewegung verloren und wusste nicht mehr, wie ich die Kugel ins Feld bringen soll." Wenn Zverev dringend benötigtes Selbstvertrauen tanken will, muss er nun in Madrid und Rom ein anderes Gesicht zeigen.

Ivashka dreht Match gegen Zverev

Dabei hatte es in München lange nach einem Favoritensieg für Zverev ausgesehen. Beim Stand von 7:6 und 5:4 schlug der 24-Jährige zum Matchgewinn auf, Zverev fehlten nur noch zwei Punkte zum Einzug ins Halbfinale. Doch plötzlich wackelte der Deutsche. Ivashka gelang das Break zum 5:5, wenig später ein weiteres zum Satzausgleich.

Alexander Zverev blickt auf seine bisherige Saison. Die deutsche Nummer eins erklärte zudem, dass sie mit ihrem Trainerstab und der derzeitigen Form zufrieden sei.
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Zverev: Brauche keinen Ex-Spieler als Trainer

Bei Zverev lagen die Nerven langsam blank, er diskutierte nach verlorenem Satzball mit Schiedsrichter Fergus Murphy. Eine plötzlich aufflackernde Fehlfunktion der Werbebande im fast leeren Stadion hatte Zverev beim entscheidenden Punkt abgelenkt. Doch auch der herbeigeeilte Supervisor griff nicht ein, es ging in den entscheidenden Durchgang. Und der entwickelte sich aus der Sicht des Deutschen zum Drama. 

In der Schlussphase des Matches suchte Zverev immer wieder den Kontakt mit seinem Vater und Coach Alexander Zverev senior. Der tat alles, um seinem Sohn zu helfen, gab verzweifelt Handzeichen.

Doppelfehler kosten Zverev das Halbfinale in München

Letztlich war alle Mühe jedoch vergebens. Insgesamt unterliefen Zverev junior 14 Doppelfehler, allein die Hälfte davon im dritten Satz. Beim entscheidenden Aufschlagverlust zum 3:5 im finalen Durchgang waren es sogar ganze drei Doppelfehler.  

Statt eines deutschen Duells im Halbfinale der BMW Open mit Jan-Lennard Struff musste Zverev seine Koffer packen. Mit im Gepäck trägt Deutschlands große Tennishoffnung nun sein altes Problem mit dem Aufschlag. Seit rund zwei Jahren kämpft er schon dagegen an. (ATP: Aktuelle Tennis-Weltrangliste der Herren)

Bislang konnten dem familienverbundenen Zverev auch Vater Alexander und Bruder Mischa keinen Ausweg aus der Misere zeigen. Ob ein zusätzlicher Coach außerhalb der eigenen Familie die Lösung des Problems sein könnte? Diese Frage muss sich Alexander Zverev nun stellen. 

Als David Ferrer das "Familienunternehmen" Zverev als Trainer verstärkte, schaffte es der Weltranglistensechste -auch dank eines stabilen Aufschläge - bis ins Finale der US Open. Warum also nicht auf Bewährtes zurückgreifen, um die alten Aufschlag-Probleme endlich loszuwerden?

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