Die erste Auszeichnung heimste das deutsche Tennis ein, da war in New York noch kein Ball über das Netz geflogen. Sabine Lisicki stand in den Katakomben des Arthur Ashe Stadions und strahlte in die Kameras.
US Open in New York
Kerber und Co. hoffen auf den Coup
In den Händen hielt sie das offizielle Zertifikat des Guinness Buches der Rekorde, das sie nun als Weltrekordlerin ausweist. 211 km/h. Nie zuvor hatte eine Frau derart hart aufgeschlagen.
Lisicki war sichtlich stolz auf ihre Leistung und fühlte sich "geehrt". Dass sie das Match in Stanford Ende Juli gegen Ana Ivanovic dennoch verloren hatte: geschenkt. Es war ja nicht mehr als eine weitere Partie der Vorbereitung auf die US Open (Montag, ab 17 Uhr täglich im LIVE-TICKER).
Vermeintlich leichte Gegnerinnen
Am Montag beginnt nun das letzte Grand Slam der Saison, und Lisicki ist bereits am ersten Turniertag gefordert. Wie ihre Fed-Cup-Kolleginnen Angelique Kerber und Andrea Petkovic trifft Lisicki zum Auftakt auf eine Qualifikantin.
Xenia Perwak, Ons Jabeur und Francoise Abanda sind Pflichtaufgaben - die Ansprüche im deutschen Frauentennis sind deutlich höher.
"Richtig gute US Open sind es für mich dann, wenn ich das Ende der zweiten Turnierwoche erlebe", sagte Bundestrainerin Barbara Rittner im Gespräch mit dem SID. Das heißt: "Eine Spielerin sollte ins Halbfinale kommen."
Petkovic besorgt Rittner
Sowohl Kerber als auch Petkovic und Lisicki hatten diese Vorgabe bei vergangenen Grand Slams erfüllt, nach zuletzt durchwachsenen Resultaten auf den nordamerikanischen Hartplätzen zählt jedoch keine Deutsche zum Favoritenkreis in Flushing Meadows.
Vor allem Petkovic, Halbfinalistin der French Open, haderte derart mit sich, dass selbst Rittner "etwas besorgt" war. "Petko zweifelt ja oft", sagte die Fed-Cup-Chefin: "Dabei lief bisher doch alles super." Eine Viruserkrankung führte zur Turnierabsage in Montreal und zum Erstrundenaus in Cincinnati.
Hitzkopf Petkovic vergoss Tränen, gab sich in New York jedoch zuversichtlich, die Krankheit endgültig überwunden zu haben.
Kerber als größte Hoffnung
Besser in Form ist Angelique Kerber, die vor drei Jahren mit dem Halbfinaleinzug in New York ("Ich liebe diese Stadt") ihren Durchbruch gefeiert hatte. "Natürlich steckt das noch in ihr drin", sagte Rittner. Will Kerber erneut überraschen, muss sie ihre Chancen nutzen.
In Stanford gab die deutsche Nummer eins gegen Serena Williams eine 5:1-Führung aus der Hand und verlor das Finale in zwei Sätzen.
Überraschung durch Lisicki?
Und Lisicki? Die jüngsten Erfolge der hoch veranlagten Berlinerin sind überschaubar, immerhin wähnt Rittner die Weltranglisten-27. "auf dem richtigen Weg. Sie kann wieder Matches über die volle Distanz gewinnen. Das gibt ihr Selbstvertrauen."
Lisicki sei für Überraschungen gut, sagt Rittner .Ein Grand-Slam-Titel ist für die Wimbledonfinalistin von 2013 derzeit jedenfalls weit entfernt.
Kohlschreiber als einzige Hoffnung
Kaum positive Überraschungen gab es zuletzt bei den deutschen Männern, in Wimbledon kam niemand über die zweite Runde hinaus. Davis-Cup-Teamchef Carsten Arriens übt sich daher in Bescheidenheit, wenn er die Ziele für das Turnier im Big Apple formuliert.
"Wenn einige besser spielen, als sie in der Rangliste stehen, wäre ich zufrieden", sagte Arriens.
Ein Spieler in der zweiten Woche wäre schön, oder die eine oder andere Überraschung, vielleicht sogar gegen einen Gesetzten. Ohne die verletzten Tommy Haas und Florian Mayer ruhen die Hoffnungen auf Philipp Kohlschreiber. Die deutsche Nummer eins trifft am Montag auf den argentinischen Qualifikanten Facundo Bagnis.