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Guardiolas einstiger Wunschspieler steckt im Leih-Dschungel fest

Gefangen im Leih-Dschungel

Kalvin Phillips gilt in der Nachbetrachtung als 49 Millionen Euro teures Missverständnis von Pep Guardiola bei Manchester City. Im vierten Jahr nach seinem Wechsel zu City steht er nun bereits vor seiner vierten Leihe. Wird diesmal alles gut?
Während Gerüchte über die Zukunft von Rodri kursieren und der spanische Mittelfeldspieler sich einer Operation unterziehen muss, versichert Enzo Maresca, dass er sich keine Sorgen mache und mit seiner Rückkehr zu Manchester City rechne.
Lars Hinzberg
Kalvin Phillips gilt in der Nachbetrachtung als 49 Millionen Euro teures Missverständnis von Pep Guardiola bei Manchester City. Im vierten Jahr nach seinem Wechsel zu City steht er nun bereits vor seiner vierten Leihe. Wird diesmal alles gut?

Einen Igel in der Tasche hat man im blauen Teil Manchesters bekanntlich nicht unbedingt. Dank der Investoren aus Abu Dhabi sitzt das Geld bei ManCity vergleichsweise locker. So locker, dass 49 quasi verlorene Millionen aus dem Januar 2024 nicht zu sehr schmerzen dürften. Dennoch ist die Entwicklung des einstigen Transfers Kalvin Phillips bemerkenswert. Der Mittelfeldspieler steckt mitten im Leih-Dschungel fest.

Kommt der gleichermaßen talentierte wie verletzungsanfällige Sechser wieder in Tritt? Es wäre ein Lichtblick in einer Karriere, die mit EM-Silber, Champions-League-Titel, Auswechselbänken und einem öffentlichen Zerwürfnis mit Pep Guardiola fast die gesamte Klaviatur der Gefühlstonlagen abgedeckt hat. Bei der aktuellen Asienreise der Citizens fehlt der „vergessene Profi“ komplett.

Bei seinem Jugendklub Leeds United zählte Phillips zu den absoluten Leistungsträgern. Er war 2020 Aufstiegsheld und Lichtblick im Abstiegskampf, beim zweiten Platz der englischen Nationalmannschaft bei der EM 2021 stand er fast jede Minute auf dem Platz.

„Übergewicht“: Guardiola sortierte Phillips aus

Als Wunschspieler von Pep Guardiola zog es ihn 2022 erstmals raus aus seiner Wohlfühlzone. In der Folge setzte er seine Unterschrift unter einen Sechs-Jahres-Vertrag bis 2028. Seit seinem City-Wechsel kam er insgesamt jedoch auf gerade einmal 46 Liga-Einsätze – für insgesamt vier Klubs. Nur 16-mal stand er in der Premier League für die Citizens auf dem Feld. Grund dafür waren auch seine schwierigen ersten Schritte bei den Skyblues.

In der Vorbereitung verletzte er sich an der Schulter und fiel fast drei Monate aus. Dennoch nahm ihn Gareth Southgate im selben Winter mit zur WM nach Katar. Trotz lediglich zweier Kurzeinsätze kam er nicht im erhofften Fitnesszustand zu seinem Verein zurück. Das befand zumindest Guardiola.

„Phillips ist nicht verletzt. Er kam mit Übergewicht an und kann in dieser Verfassung nicht trainieren oder spielen“, lautete die Begründung des Trainers damals. Der Spieler wies alle Vorwürfe von sich. Die anfangs noch gute Beziehung der beiden war damit Geschichte.

Keine Perspektive mehr in Manchester

„Ich weiß nicht, was mit Kalvin Phillips passieren wird. Er hat einen guten Charakter. Es tut mir leid, dass ich ihn nicht ausgewählt habe. Ich stelle mir mein Team vor und wähle meine Mannschaft aus, und es fällt mir schwer, ihn darin zu sehen“, sagte Guardiola später.

Zugegeben, auf der gleichen Position wie Rodri nicht zum Zuge zu kommen, muss nicht unbedingt ehrenrührig sein. Die Konkurrenz für Phillips war fairerweise einfach groß.

Das sah auch Phillips so: „Ich kann nicht nach zwölf Monaten hingehen und sagen, dass ich jetzt gehen möchte, weil ich nicht spiele. Bei einer Mannschaft wie Manchester City kann es eine Weile dauern, bis man sich in der Mannschaft etabliert hat. Hoffentlich genieße ich die spielfreie Zeit und arbeite hart, wenn ich zurückkomme.“

Drei Leihstationen in drei Jahren

Zurückkommen sollte er. Allerdings rund 260 Kilometer weiter südlich bei West Ham United. Die Hammers liehen den Sechser für die Rückrunde der Saison 2023/24 aus. Acht Einsätze, dreimal in der Startelf, fünfmal gar nicht im Kader, Nicht-Nominierung für die EM 2024. So das ernüchternde Fazit seiner Zeit in Ost-London.

Also ging es im Sommer 2024 wieder zurück nach Manchester, wenn auch nur kurz. Gerade einmal sechs Wochen später war mit dem Aufsteiger Ipswich Town schon ein neuer Abnehmer gefunden. Auch die Saison 2024/25 verlief mit Verletzungen, Bank- und sogar Tribünenplätzen eher holprig. Immerhin 19 Auftritte in der Premier League lesen sich vergleichsweise hoffnungsschürend für den Rechtsfuß.

Mit Achillessehnenbeschwerden kam er zurück nach Manchester, wo er in der Saison 2025/26 aber keine Rolle spielte und auch nach seiner Genesung nie im Kader stand. Im Februar 2026 folgte dann die nächste Leihstation, für die Premier League reichte es allerdings nicht. Es ging in die Championship zu Sheffield United. Trotz magerer drei Einsätze und 162 Minuten könnte die Irrfahrt im Herzen Englands bald ein (vorläufiges) Ziel gefunden haben.

Neue Heimat Sheffield?

Phillips scheint in seiner kurzen Zeit in Sheffield Eindruck hinterlassen zu haben. Laut den Manchester Evening News soll er deswegen erneut zu den Blades verliehen werden. Auch die Daily Mail berichtet davon.

Sheffield-Coach Chris Wilder hatte am Ende der letzten Saison bereits von Phillips geschwärmt. „Ich habe mit ihm gesprochen und gesagt, dass wir gerne eine Option für ihn wären, falls das möglich ist“, hatte Wilder der BBC verraten und betont: „Er wird weiterhin von vielen Vereinen umworben werden.“

„Was seine Persönlichkeit und seine Eigenschaften angeht, sowohl auf als auch neben dem Platz, erfüllt er auf jeden Fall alle Anforderungen“, lobte Wilder den 30-Jährigen und ließ schon damals durchklingen: „Wenn sich eine Gelegenheit ergibt, werden wir diese sicher versuchen, weiter zu verfolgen.“

Immerhin verletzungsfrei ist Phillips aktuell. Bleibt es dabei, könnte er womöglich nochmal angreifen. Auf der großen Bühne wird man ihn in absehbarer Zeit aber wohl nichtmehr sehen.