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So geht es den deutschen MLB-Stars

So geht es den deutschen MLB-Stars

Max Kepler spielt als einziger deutscher Baseball-Profi in der MLB. Markus Solbach steht der Durchbruch noch bevor. Im Doppelinterview bei SPORT1 sprechen sie über ihre gemeinsame Zeit in der besten Liga der Welt.
Max Kepler ist Deutschlands einziger Baseball-Profi in der MLB. Der Superstar besuchte SPORT1, den neuen Sender für Baseball. Denn ab 2022 überträgt SPORT1 bis zu 500 Spiele pro Saison.
Matthias Ondracek
Matthias Ondracek
von Matthias Ondracek

Max Kepler ist Deutschlands einziger Baseball-Profi in der MLB.

Der Berliner musste aber erst mehrere Teams durchlaufen, ehe er sich bei den Minnesota Twins festspielte. Seinem Kumpel Markus Solbach steht der große Durchbruch erst noch bevor. (Alles Wichtige zur MLB)

Zuletzt spielte der 30-Jährige für die Oklahoma City Dodgers - das Farmteam der Los Angeles Dodgers. Der Pitcher darf aber vom weiteren Aufstieg träumen.

Im Doppelinterview bei SPORT1 sprechen Kepler und Solbach über die gemeinsame Zeit bei den Twins, schwierige Zeiten aufgrund der Corona-Pandemie und die World Series.

MLB: So lief Corona-Pause für Kepler

SPORT1: Herr Kepler, zuletzt waren Sie 2019 in Deutschland. Damals war es der erste offizielle Heimatbesuch mit großem Empfang. Dieses Mal steht etwas anderes im Vordergrund. Sie kommen gerade aus Berlin. Was verschlägt Sie nach München?

Max Kepler: Wir haben in Berlin ein Camp mit 50 Kindern gemacht. Wir wollen ihnen etwas von unserem Baseball-Wissen weitergeben und ihnen etwas beibringen. Zum Glück ist Markus auch dabei, der den Kindern auch über die Pitching-Seite etwas erzählen kann. Er hat zwölf Jahre Erfahrung auf der Profi-Bühne. Es ist eine gute Sache, dass wir zusammen hier sind. Wir haben viel Spaß mit den Kids.

Markus Solbach: Bisher war es wirklich super. Die Kinder hatten Riesenspaß, wir hatten Riesenspaß und ich denke, auch die Eltern fanden es ganz cool. Wir haben danach eine kleine Foto- und Autogramm-Session gemacht. Wir haben beide gesagt, wenn auch nur ein Kind eine Kleinigkeit von unseren zusammen über 20 Jahren Erfahrung lernen kann, haben wir das geschafft, was wir schaffen wollten. Wir hoffen, dass wir dies über die Jahre noch weitermachen können und ein bisschen zurückgeben, von dem, was wir so lernen.

SPORT1: Als Sie, Herr Kepler, damals hier waren, hatten Sie gerade Ihre Breakout-Season hinter sich und natürlich große Ziele. Dann kam erst mal alles anders. Wie für alle Menschen hieß die Herausforderung Corona. Können Sie beschreiben, wie die Phase ablief, bis Sie erfahren haben, dass die Saison nicht wie gewohnt stattfinden wird?

Kepler: Es war eine Woche, bevor die Saison losgehen sollte, als alles abgebrochen wurde und wir nach Hause geschickt wurden. Danach hieß es von Tag zu Tag auf einen Anruf mit mehr Informationen zu warten. Der Call kam schließlich drei Monate später. Ich habe mich entschieden, nach Minnesota zu fliegen. Es gab die Option, in Florida zu bleiben oder nach Deutschland zu fliegen. Zum Glück kam Markus auch dazu und wir haben die Quarantäne zusammen begonnen und beendet. Es war eine komische Zeit. Wir mussten uns irgendein Gym suchen, in dem das Training erlaubt war. Zur gleichen Zeit gab es in Minneapolis auch politische Probleme. Es war eine sehr interessante Zeit.

Solbach und Kepler „best Buddies“

SPORT1: Herr Solbach, für Sie war es noch schlimmer. Wir haben uns zuletzt im März 2020 in Arizona unmittelbar vor dem ersten Lockdown gesehen. Der World Baseball Classic wurde abgesagt und es begann die große Reise ins Ungewisse. Sie spielen AAA, die oberste Stufe unter der MLB. Dort wurde der Spielbetrieb ja komplett eingestampft. Die Ungewissheit, ob es überhaupt weiter geht, war viel größer. Wie haben Sie das gelöst?

Solbach: Wir haben gar keine Infos erhalten, wann es weitergehen soll. Wir haben Pläne bekommen, wie wir uns fithalten sollen, hatten Zoom Meetings, haben einfach von Tag zu Tag gelebt und gehofft, dass es irgendwann weitergeht. Ich habe mich dann auch dafür entschieden, nach Minnesota zu ziehen. Ich habe mich dann mit einem anderen Kumpel 27 Stunden lang ins Auto gesetzt und wir sind nach Minneapolis gefahren. Max und ich haben versucht, jeden Tag zu trainieren, wie es eben ging. Ob das Werfen im Park oder in irgendeinem Fitnessstudio ist, dass gerade noch offen hat. Aber die Ungewissheit ist schon schwer als Free Agent, nicht zu wissen, ob man noch einen Vertrag bekommt, nicht zu wissen, ob man überhaupt noch einmal spielen kann. Aber bis jetzt ist ja alles gut gegangen und ich hoffe, dass dies auch so bleibt.

Markus Solbach hofft auf seine Chance in der MLB
Markus Solbach hofft auf seine Chance in der MLB

SPORT1: Sie haben von der gemeinsamen Quarantäne erzählt. Woher kennen Sie beide sich eigentlich?

Kepler: Es ist schon eine Weile her, dass wir uns das erste Mal gesehen haben. Das war in Bonn beim Länderpokal. Markus hat für NRW gespielt und ich für Bayern. Damals kannten wir uns noch nicht persönlich. Erst als Markus zwei Jahre nach mir bei den Twins unterschrieben hat, ist unsere Freundschaft gewachsen. Wir waren zwischendurch Zimmerkollegen. Wir treffen uns immer wieder in der Offseason, sind auch schon zusammen verreist und sind jetzt „best Buddies“.

SPORT1: Nun ist Baseball ein sehr mentaler Sport. Man lernt viel über Frustration und damit umzugehen. Das ist nicht immer einfach. Würden Sie sagen, Sie konnten von diesen Erfahrungen während der Corona-Phase auch abseits des Feldes profitieren?

Solbach: Ja, dieses Ungewisse. Unser Leben lang - bei mir seit 2011, bei Max seit 2009 - ist jeder Tag, jedes Jahr ungewiss. Wir können jederzeit entlassen werden. Die Sportwelt in den USA ist ein wenig krasser bzw. härter, als man das in Deutschland gewohnt ist. Dadurch haben wir schon ein bisschen gelernt, mit Unglück umzugehen, einfach das Beste daraus zu machen, das Positive zu sehen und das Negative fallen zu lassen. Ich denke, wir haben das schon gut gemeistert.

Max Kepler ist aktuell einer der großen Stars in der MLB. In der spielfreien Zeit ist er auf Heimatbesuch in Deutschland und schaut auch bei SPORT1 vorbei.
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Baseball-Star made in Germany - Max Kepler besucht SPORT1

Kepler: Mir hat diese ganze Zeit gezeigt, wie schnell man so etwas Schönes verlieren kann. Ich war einfach sehr dankbar dafür, dass wir dann wieder anfangen durften. Ich musste mir aber auch erst wieder angewöhnen, in der „Quarantäne-Saison“ ohne Zuschauer zu spielen. Als ich damals in die Big Leagues kam, war das der große Wow-Effekt, vor 50.000 Fans zu spielen mit dem ganzen Entertainment drumherum. „The Show“ eben. Auf einmal war alles weg. Es war schon schwer, ohne Zuschauer zu spielen. Man musste sich wieder daran erinnern, wie man den Sport eigentlich angefangen hat, ohne Fans. Nur ich und Baseball, wie als Kind. Ich musste mich quasi neu in den Sport verlieben. Die Show war nicht mehr da. Das stach für mich heraus.

Rückschläge in der MLB für Kepler

SPORT1: Also ist die Wertschätzung für das, was man tut, wieder höher?

Kepler: Ja. Es ist wie das erste Mal. Aber so ist es generell im Leben jetzt. Ich denke, die Corona-Zeit hat vielen etwas weggenommen. Als es dann wieder weiterging, musste man sich ja sogar daran gewöhnen, ins Restaurant zu gehen. In der MLB war das genauso.

SPORT1: 2021 habt ihr wieder eine volle Saison gespielt. Die Rückschläge hörten aber nicht auf. Sie, Herr Kepler, erkrankten an Corona, außerdem hatten Sie eine Oberschenkelverletzung. Wie ging und geht es Ihnen jetzt gesundheitlich?

Kepler: Mir geht es viel besser. Ich hatte keinen schweren Corona-Verlauf, aber meine Oberschenkelverletzung war blödes Timing. Nicht ideal. Aber das passiert im Sport, da muss man durch. So eine Reha-Phase ist auch immer ziemlich schwierig. Man kann depressiv werden, wenn man es mental zulässt. Man muss dann immer vorausschauen und mental stark bleiben. Das hilft dem Körper auch, sich schneller zu erholen.

SPORT1: Herr Kepler, die Saison lief sowohl für die Twins als auch für Sie verglichen mit 2019 nicht ganz so gut. Wie würden Sie das Jahr rückblickend bewerten?

Kepler: Ich habe auch immer auf meine beste Saison zurückgeblickt und verglichen. Das ist kein Problem, aber ich versuche jetzt in der Gegenwart zu bleiben. Ich bemühe mich von jeder Person, die auf dem Platz oder im Raum steht, etwas zu lernen und in mein Spiel zu stecken.

Kepler und Solbach über World Series

SPORT1: Herr Solbach, Sie haben einen etwas anderen Werdegang hingelegt, haben auch schon einiges hinter sich. Normalerweise unterschreibt man einen Minor-League-Vertrag, wird nach einigen Jahren befördert oder eben nicht. Für Sie ist es inzwischen die vierte Profi-Station. Aktuell spielen Sie bei den Los Angeles Dodgers auf dem AAA-Level, der höchsten Spielklasse unter der MLB. Wie lief das Jahr für Sie?

Solbach: Am ersten Tag wieder auf dem Platz zu stehen, zu werfen und das Stadion zu sehen, war schon ein geiles Gefühl. Dieses Jahr an sich war nicht mein bestes. Aber das lag auch viel daran, dass 2020 so ein ständiges Hoch-und-Runter war: fit bleiben, zwei Wochen Pause, wieder fit bleiben, viel reisen. Aber ich genieße jeden Tag - auch wenn ich mal schlecht geworfen haben, war es schnell wieder vergessen. Am nächsten Tag konnte ich mich neu beweisen. Es war einfach geil, wieder auf dem Platz zu stehen und vor Zuschauern zu spielen.

MLB: Max Kepler - wie ein Deutscher die Liga erobert hat
Max Kepler steht seit 2015 bei den Minnesota Twins unter Vertrag
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MLB: Max Kepler - wie ein Deutscher die Baseball-Welt erobert

SPORT1: Und man muss dazu sagen, dass Sie quasi vor der Saison erst befördert wurden und sich womöglich auch erst an das neue Level gewöhnen mussten.

Solbach: Ja. Wir hatten Leute bei uns im Team, die bis zu neun Jahre Major League gespielt haben. Da lernst du einfach super viel. Als 29-Jähriger, der schon elf Jahre spielt, in dieser Situation zu sein, ist schon cool. Man hat Erfahrung, aber eben noch nicht so viel wie die anderen. Und das gibt einem schon einen extra Push.

SPORT1: Wie haben Sie beide die World Series erlebt?

Kepler: Wir haben das letzte Spiel bis zu Solers Homerun geschaut. Dann war klar, dass ein Comeback der Astros schwierig wird. Ich freue mich riesig für Eddie Rosario. Er ist mein ehemaliger Teamkollege, mit dem ich auch durch die Minor League nach oben gekommen bin. Er ist einer meiner „Hermanos“, meiner Brüder. Das zeigt, dass es für mich und für jeden möglich ist. Das ist der Traum von uns allen und ich freue mich einfach riesig, dass er dabei sein durfte. Er hatte ein taffes Jahr, wurde erst zu den Indians getradet, dann zu den Braves. Es ist eine schwierige Zeit, wann man von Mannschaft zu Mannschaft gehen muss. Aber er durfte es mit einem Ring beenden und das ist echt geil.

World Series live bei SPORT1

Solbach: Rosario war auch in den ersten beiden Jahren mein Teamkollege. Ich bin jetzt nicht so eng mit ihm wie Max. Aber es ist einfach cool, zu sehen, was man erreichen kann. Und die Gesichter nach einer so langen Corona-Pause zu sehen, wie die Leute sich freuen. Es ist einfach DAS Ziel eines Baseball-Spielers, die World Series zu gewinnen und ich gönne es jedem, der es schafft.

SPORT1: Letztes Jahr haben die Dodgers den Titel gewonnen. Wie erlebt man das als Minor League in derselben Organisation?

Solbach: Es ist auf jeden Fall cool, auch die Geschichten zu hören. Wir hatten dieses Jahr vier oder fünf Spieler in meinem Team, die 2020 den Ring gewonnen haben. Leider war es im Corona-Jahr ohne oder mit wenigen Zuschauern. Daher hätten die Dodgers auf jeden Fall gerne nochmal gewonnen.

SPORT1: In Zukunft wird die World Series auch wieder bei SPORT1 zu sehen sein. Die ganze MLB-Saison wird im Free-TV abgebildet. Wie ist das für Sie, wenn Sie hören, dass der Stellenwert auch in Deutschland steigt?

Kepler: Das ist top. Es ist natürlich schwierig mit der Zeitverschiebung, aber ich finde es super. Wir müssen den Sport in Deutschland viel mehr pushen, deswegen sind wir auch hier. Dass es in den Medien auch gepusht wird, ist auf jeden Fall sehr hilfreich, um größere Aufmerksamkeit für den Baseball-Sport zu bekommen.

Solbach: Ich finde, das Wichtigste ist, dass der Sport erklärt wird. Das kann man nur machen, indem man ihn zeigt und wenn man Experten hat, die einem das Spiel auf einer Basis erklären, wie sie es selbst damals als Kind kennengelernt haben. Es ist das Beste, was passieren kann, dass es im TV läuft. Auch wenn die Zeiten schlecht sind, heutzutage kann man alles aufnehmen, man kann alles in der Wiederholung sehen. Highlights wären cool. Letztlich wäre das Beste, jeden Tag Baseball-Content zu haben, dass es für viele Leute greifbar ist.