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Darryl Strawberry wird 60: Der bittere Absturz einer unvollendeten Sport-Ikone

Der bittere Fall einer unvollendeten Ikone

Darryl Strawberry hätte einer der besten Baseballer aller Zeiten werden können. Zahlreiche Skandale und ein Krebs-Drama warfen ihn jedoch aus der Bahn.
Darryl Strawberry und seine damalige Frau Charisse bei der World-Series-Parade 1998
Darryl Strawberry und seine damalige Frau Charisse bei der World-Series-Parade 1998
© Imago
Darryl Strawberry hätte einer der besten Baseballer aller Zeiten werden können. Zahlreiche Skandale und ein Krebs-Drama warfen ihn jedoch aus der Bahn.

Simpsons-Fans kennen ihn aus einer der berühmtesten und besten Episoden aus den früheren Jahren der Kult-Comicserie.

In „Homer at the Bat“ (“Der Wunderschläger“) ist Darryl Strawberry einer von neun Baseball-Stars aus der MLB, die von Homer Simpsons Boss Mr. Burns für ein durch eine teure Wette angeheiztes Betriebssport-Spiel eingekauft werden - und der einzige, der die Partie am Ende nicht wegen eines bizarren Vorkommnisses verpasst. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur MLB)

Aus heutiger Sicht entbehrt die vor 30 Jahren erstmals ausgestrahlte Folge nicht einer gewissen Ironie: Die echte Karriere von Darryl Strawberry, der heute 60 Jahre alt wird, ist nämlich in geradezu atemberaubender Weise überschattet von zahlreichen traurigen, skandalösen und auch bizarren Vorkommnissen.

Die sportliche Bilanz der Legende - vier World-Series-Gewinne mit den New York Mets und Yankees, acht All-Star-Nominierungen - ist dennoch eindrucksvoll. Jedoch ist die Geschichte des 1,98-Meter-Mannes aus Los Angeles begleitet von zahlreichen Fragen, wie viel mehr noch gegangen wäre, wenn er sein Potenzial voll ausgeschöpft hätte. (LIVE im TV und Stream - so sehen Sie die MLB bei SPORT1)

Daryl Strawberry - zwischen Genie und Wahnsinn

Strawberry, 1980 als Nummer-1-Pick im Draft von den Mets gewählt, entwickelte sich in den Achtzigern zu einem der besten Right Fielder der Liga, der seine riesenhafte Statur in eine gewaltige Schlagstärke und vor allem auch eine beängstigende Präsenz umsetzen konnte. (DATEN: Spielplan und Ergebnisse der MLB)

In seiner Blütezeit zwischen 1984 und 1991 stand Strawberry jedes Jahr im All-Star-Team, gewann 1986 seinen ersten Titel, war ein Superstar - aber auch ein Enfant terrible: Streitigkeiten mit Teamkollegen und Management, Disziplinprobleme, ausgelassene Trainings sorgten immer wieder für Schlagzeilen.

Nach Strawberrys Mets-Abgang 1991 verschoben sich die Gewichte zwischen Genie und Wahnsinn, seine Leistungen auf dem Feld wurden schwächer, die Skandalbilanz immer länger: Vorläufiger Tiefpunkt war ein Kokainfund und eine MLB-Suspendierung im Jahr 1995, Strawberry musste in den Minor Leagues neu anfangen.

Krebs-Drama nach Comeback bei den Yankees

1996 überzeugte er das noch größere New Yorker Team, die Yankees, ihm einen Comeback-Vertrag zu geben, er gewann mit ihnen drei weitere Titel, nicht mehr ganz der Leistungsträger von einst, aber immer wieder für brillante Momente gut. (DATEN: Alle Tabellen der MLB)

Zwei Jahre darauf folgte das nächste Kapitel des Dramas: Ein rätselhafter, zwei Monate verheimlichter Bauchschmerz entpuppte sich als Darmkrebs.

Er überstand die schwere Krankheit nach einer OP, in der ihm 60 Zentimeter des Organs entfernt wurden, und einer Chemotherapie, kam sogar nochmal aufs Feld zurück - statt einer Karriere-Renaissance folgte jedoch seine bitterste Zeit.

Drogen, Knast, Gesundheitsprobleme: Ein bitterer Fall

Als Strawberry - der später gestand, unter Sex-Sucht zu leiden, die er auch während seiner MLB-Spiele ausgelebt hätte - im April 1999 eine Prostituierte anheuern wollte, entpuppte sich diese als Undercover-Polizisten: Als Strawberry hochgenommen wurde, wurde auch erneut Kokain bei ihm gefunden. Die MLB sperrte ihn einmal mehr, er kassierte eine Bewährungsstrafe.

Ein emotionaler letzter Titelgewinn mit den Yankees war ihm im Herbst 1999 noch vergönnt, ein Happy End war es jedoch nur bedingt: Die Jahre danach waren geprägt von Drogenproblemen, weiterem Justiz-Ärger und gesundheitlichen Rückschlägen. Ende 2000 schockte er mit einem vor Gericht geäußerten Bekenntnis, seine Chemotherapie abgebrochen zu haben, weil er den Lebenswillen verloren hätte.

Strawberry - dem auch die Hinwendung zum wiedergeborenen christlichen Glauben erstmal keinen Seelenfrieden brachte - war damals 38 Jahre alt.

Nach der schlimmsten Zeit fand Strawberry wieder zu sich

Strawberry kämpfte sich aus dem Tief und hat seine turbulente Geschichte mehrfach autobiografisch verarbeitet, als Schlüssel zu seinen Problemen nannte er vor allem seine schwierige Kindheit mit einem gewalttätigen Vater und den sportlichen Leistungsdruck, vor allem die besondere Erwartungshaltung auf der Medienbühne New York, der Stadt von Babe Ruth, Joe DiMaggio, Mickey Mantle und Co.

Die damals noch geringere Sensibilität für die Depressionen, mit denen er anscheinend von Beginn an kämpfte, war auch keine Hilfe.

Nach der Verbüßung einer letzten Haftstrafe wegen Auflagenverstößen bis 2003 wurde es letztlich doch ruhiger um Strawberry. Seine dritte Ehefrau Tracy - kennengelernt bei einem Drogenreha-Treffen - half das aus den Fugen geratene Leben zu ordnen.

Strawberry - Vater des ehemaligen NBA-Spielers DJ Strawberry - lebt bis heute mit ihr in einer Kleinstadt in Missouri.

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