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Das NFL-Märchen eines Flüchtlings

Das NFL-Märchen eines Flüchtlings

Die Los Angeles Rams holen überraschend Lirim Hajrullahu aus Kanada als Kicker. In LA soll das frühere Flüchtlingskind die Lücke von Greg Zuerlein schließen.
Ein Transferhammer jagt den Nächsten: Ob Tom Brady, Todd Gurley oder auch DeAndre Hopkins - Die NFL-Teams traden was das Zeug hält. Ein Überblick der größten Wechsel im Video.
Lisa Obst
von Sven Sartison
22.04.2020 | 11:48 Uhr

Als Lirim Hajrullahu Ende November 2019 im Finale des Grey Cups, sozusagen das kanadische Pendant zum Super Bowl, mit seinen Hamilton Tiger-Cats gegen die Winnipeg Blue Bombers unterlag, konnte er nicht ahnen, dass er kein halbes Jahr später in der NFL aufschlagen würde.

GLENDALE, ARIZONA - DECEMBER 08: Running back David Johnson #31 of the Arizona Cardinals rushes the football against the Pittsburgh Steelers during the NFL game at State Farm Stadium on December 08, 2019 in Glendale, Arizona. The Steelers defeated the Cardinals 23-17. (Photo by Christian Petersen/Getty Images)
NEW ORLEANS, LA - FEBRUARY 03:  Joe Flacco #5 of the Baltimore Ravens attempts to escape a pass rush by Ahmad Brooks #55 of the San Francisco 49ers during Super Bowl XLVII at the Mercedes-Benz Superdome on February 3, 2013 in New Orleans, Louisiana. The Ravens won 34-31. (Photo by Chris Graythen/Getty Images)
Jacksonville Jaguars starting quarterback Rob Johnson looks to pass during first quarter action against the San Francisco 49ers 18 August.  Johnson threw four touchdown passes in his three quarters of play to beat the 49ers 28-20.          AFP PHOTOS/Monica M. DAVEY  AFP PHOTOS/mmd (Photo by MONICA DAVEY / AFP) (Photo by MONICA DAVEY/AFP via Getty Images)
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Am Montag unterschrieb der 29-Jährige Kicker einen Vertrag bei den Los Angeles Rams, wo er fortan gemeinsam mit Austin MacGinnis die Lücke schließen soll, die durch den Abgang von Greg Zuerlein im Kader entstanden ist.

Acht Jahre spielte "The Leg" für die Franchise, zunächst noch in St. Louise und nach dem Umzug schließlich ab 2016 in LA. Und auch wenn er in der Vorsaison sein statistisch schlechtestes Jahr seit 2015 spielte und nur noch knapp 73 Prozent seiner Field Goals verwandeln konnte, sind die Fußstapfen, die der 32-Jährige hinterlassen hat, groß.

Familie flieht vor Kosovokrieg nach Kanada

Nicht wenige Fans werden sich deshalb verwundert die Augen gerieben haben, als die Rams neben MacGinnis aus der Konkurrenz-Liga XFL nun Hajrullahu als neuen Kicker präsentierten – und sich die Frage gestellt haben, was ausgerechnet diesen No-Name aus Kanada dazu prädestiniert, künftig für ihr Team zu spielen?

Insgesamt sechs Jahre spielte dieser zuvor, nach seiner Zeit bei den Mustangs der Western University of Ontario, in der kanadischen Football-Liga CFL. Erst in Winnipeg, dann bei den Toronto Argonauts und schließlich in Hamilton, ohne je das Interesse aus dem Nachbarland zu wecken.

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Dabei zählt der gebürtige Kosovare, der mit seiner Familie im Alter von neun Jahren vor dem Krieg in seinem Heimatland nach Kanada floh und dort im Alter von zehn Jahren mit dem Football anfing, in der CFL seit Jahren zu den Top-Stars und wurde 2016 und 2019 jeweils ins East All-Star Team berufen.

Mit der Nationalmannschaft nahm er obendrein an der WM 2011 in Österreich teil, wo sich die Auswahl Kanadas erst im Finale gegen Rekordweltmeister USA geschlagen geben musste.

Hajrullahu verwandelt Field Goal zur Meisterschaft

Den größten Moment in seiner bisherigen Laufbahn erlebte Hajrullahu aber wohl im November 2016. 53 Sekunden waren damals im Endspiel um den Grey Cup im TD Place Stadium in Ottawa noch auf der Uhr, als Hajrullahu aus 32-Yards zum Field Goal antrat und den Toronto Argonauts mit seinem Treffer zum 27:24 die kanadische Meisterschaft bescherte.

Im Laufe seiner CFL-Karriere verwandelte er starke 239 seiner 287 Field-Goal-Versuche (83,3 Prozent), wobei seine Treffsicherheit scheinbar mit zunehmender Entfernung immer größer wird. Seine letzten zehn Versuche aus 50 Yards und mehr fanden allesamt den Weg durch das Gestänge.

Ganz nebenbei agierte er auch noch jeweils als Punter seiner Mannschaften, wobei er auf durchschnittlich 44,1 Yards pro Punt und eine persönlichen Rekordweite von 83 Yards aus seiner Rookie-Saison 2014 bei den Blue Bombers kommt.

Doch trotz seiner beeindruckenden Zahlen entließen ihn die Tiger-Cats im Januar, um ihm die vielleicht einmalige Gelegenheit auf einen Wechsel in die NFL zu ermöglichen, die sich nun tatsächlich ergeben hat.

Rams haben kaum Spielraum für Verstärkungen

Dennoch darf bei dieser scheinbar märchenhaften Geschichte nicht vergessen werden, dass diese wohl nicht einzig aufgrund Hajrullahus - nicht zu bestreitenden - guten Leistungen zu begründen ist, sondern vor allem im klammen Geldbeutel der Rams.

Die fetten und kostspieligen Verträge von Spielern wie Jared Goff und Aaron Donald, mit denen die Rams 2018 eine Dynastie starten wollten, um in zwei bis drei Jahren den Super Bowl zu gewinnen, verstopfen noch immer das Budget. Hinzu kommen diverse Cap-Strafen wodurch kaum Spielraum für Verstärkungen bleibt.

Zwar könnten die Rams später im Monat noch einmal einen Kicker draften, aktuell sieht es aber danach aus, als würden sie tatsächlich auf Hajrullahu setzen.