NFL-Star tauscht Helm gegen Kittel

NFL-Star tauscht Helm gegen Kittel

Super-Bowl-Champion Laurent Duvernay-Tardif wird die kommende NFL-Saison aussetzen. Der Kanadier will sich stattdessen dem Kampf gegen das Coronavirus widmen.
Laurent Duvernay-Tardif gewann mit den Kansas City Chiefs den Super Bowl
Laurent Duvernay-Tardif gewann mit den Kansas City Chiefs den Super Bowl
© SPORT1-Grafik: Marc Tirl/Getty Images/instagram.com/laurentduvernaytardif
. SID
von SID
am 28. Juli

Laurent Duvernay-Tardif kennt sich mit dem Kampf an der Frontlinie aus. Als Guard in der Offensive Line der Kansas City Chiefs ist es seine Aufgabe, Star-Quarterback Patrick Mahomes vor gegnerischen Angriffen zu beschützen. Doch während der kommenden NFL-Saison benötigen andere den Schutz des 146-Kilo-Muskelpakets dringender.

Denn neben seiner Tätigkeit als Football-Profi ist der Kanadier Arzt - und verteidigt jetzt Mitmenschen im Kampf gegen den unsichtbaren Gegner Corona.

"Ich kann mir nicht erlauben, dieses Virus in der Gesellschaft zu verbreiten, nur weil ich den Sport treiben möchte, den ich liebe", schrieb der 29-Jährige, der Anfang Februar mit den Chiefs den Super Bowl gewonnen hatte, auf Twitter. "Es war eine der schwierigsten Entscheidungen meines Lebens, aber ich muss meiner Überzeugung folgen und das machen, was ich persönlich für richtig halte."

In den USA wütet die Pandemie schlimmer als in anderen Ländern. Während die Infektionszahlen in weiten Teilen der Welt nach der ersten Welle einigermaßen abebbten, bleibt die Rate in den Staaten auf einem hohen Niveau. Über vier Millionen Fälle sind bekannt - und damit knapp ein Viertel der weltweiten Infektionen.

Studium während der Off-Season

Seit April ist Duvernay-Tardif daher als Arzt tätig: "Ich habe einen anderen Blick auf diese Pandemie bekommen und gesehen, welcher Belastung die Menschen und das Gesundheitssystem ausgesetzt sind."

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Für die Saison, die am 10. September starten soll, arbeiten die NFL und die Spielergewerkschaft NFLPA an einem Hygienekonzept. Für den Kanadier, der seit sechs Jahren in der NFL aktiv ist, steht fest: "Wenn ich ein Risiko eingehe, dann, wenn ich mich um Patienten kümmere."

Seinen Abschluss hat Duvernay-Tardif im Mai 2018 an der McGill-Universität für Medizin gemacht. Dafür gelernt hat er während der Off-Season. Unterstützt wurde er dabei unter anderem von Chiefs-Headcoach Andy Reid - dessen Mutter an der gleichen Uni studiert hat.

GLENDALE, ARIZONA - DECEMBER 08: Running back David Johnson #31 of the Arizona Cardinals rushes the football against the Pittsburgh Steelers during the NFL game at State Farm Stadium on December 08, 2019 in Glendale, Arizona. The Steelers defeated the Cardinals 23-17. (Photo by Christian Petersen/Getty Images)
NEW ORLEANS, LA - FEBRUARY 03:  Joe Flacco #5 of the Baltimore Ravens attempts to escape a pass rush by Ahmad Brooks #55 of the San Francisco 49ers during Super Bowl XLVII at the Mercedes-Benz Superdome on February 3, 2013 in New Orleans, Louisiana. The Ravens won 34-31. (Photo by Chris Graythen/Getty Images)
Jacksonville Jaguars starting quarterback Rob Johnson looks to pass during first quarter action against the San Francisco 49ers 18 August.  Johnson threw four touchdown passes in his three quarters of play to beat the 49ers 28-20.          AFP PHOTOS/Monica M. DAVEY  AFP PHOTOS/mmd (Photo by MONICA DAVEY / AFP) (Photo by MONICA DAVEY/AFP via Getty Images)
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Erster Spieler mit "Opt-out-Option"

"Ich bin ein großer Fan von Larry", sagte Reid auf einer Pressekonferenz: "Ich wurde von einer Ärztin erzogen und verstehe die Hingabe, mit der Mediziner arbeiten. Sie sind Heiler und wollen nur das Beste für dich. Diese Qualitäten hat Larry eindeutig." Und ergänzte mit einem herzlichen Lächeln: "Ich bin sehr stolz."

Duvernay-Tardif ist erst der vierte Spieler in der NFL-Geschichte, der einen Medizin-Abschluss hat. Zudem ist er der erste Spieler, der die sogenannte "Opt-Out-Option" nutzt. Eine Klausel, die aufgrund der Pandemie von der NFL und der NFLPA geschlossen wurde und die einem Spieler erlaubt, seinen Vertrag für die kommende Saison ruhenzulassen.

Dafür verzichtet der Guard auf viel Geld. Eigentlich hätte er in dieser Saison 2,75 Millionen Dollar (etwa 2,35 Millionen Euro) erhalten. Nun sind es "nur" noch 150.000 Dollar (128.700 Euro).