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Das Patriots-Spiel mit dem Feuer

Das Patriots-Spiel mit dem Feuer

Die New England Patriots schnappen sich den vorbelasteten Star Cam Newton und bleiben damit ihrer Philosophie treu - manchmal ging es aber richtig in die Hose.
Cam Newton (M.) wechselt zu den Patriots. Manchmal lief es mit beschädigten Stars wie bei Randy Moss (r.) gut, manchmal nicht
Cam Newton (M.) wechselt zu den Patriots. Manchmal lief es mit beschädigten Stars wie bei Randy Moss (r.) gut, manchmal nicht
© SPORT1-Grafik: Marc Tirl/Getty Images
von Eric Böhm

Die New England Patriots haben das Aufpicken beschädigter Stars zur Kunstform erhoben. Die Gründe liegen auf der Hand: seit Bill Belichick beim sechsmaligen Super-Bowl-Champion das Sagen, geht es um den kurzfristigen Erfolg. Ein gutes Jahr aus einem ultra-talentierten, aber egal welcher Art vorbelastetem Profi kann in der NFL entscheidend sein.

Außerdem gibt es Spieler wie Newton mit Ballast sehr günstig und mit kurzer Laufzeit, angesichts des strengen Salary Caps ist das finanzielle Risiko mehr als überschaubar.

Wie hat das mit den Altstars über die Jahre funktioniert? Neben echten Coups gab es auch einige Fehlgriffe - es bleibt ein Spiel mit dem Feuer. SPORT1 zeigt die Pats-Bilanz mit den Schnäppchen-Stars.

GLENDALE, ARIZONA - DECEMBER 08: Running back David Johnson #31 of the Arizona Cardinals rushes the football against the Pittsburgh Steelers during the NFL game at State Farm Stadium on December 08, 2019 in Glendale, Arizona. The Steelers defeated the Cardinals 23-17. (Photo by Christian Petersen/Getty Images)
NEW ORLEANS, LA - FEBRUARY 03:  Joe Flacco #5 of the Baltimore Ravens attempts to escape a pass rush by Ahmad Brooks #55 of the San Francisco 49ers during Super Bowl XLVII at the Mercedes-Benz Superdome on February 3, 2013 in New Orleans, Louisiana. The Ravens won 34-31. (Photo by Chris Graythen/Getty Images)
Jacksonville Jaguars starting quarterback Rob Johnson looks to pass during first quarter action against the San Francisco 49ers 18 August.  Johnson threw four touchdown passes in his three quarters of play to beat the 49ers 28-20.          AFP PHOTOS/Monica M. DAVEY  AFP PHOTOS/mmd (Photo by MONICA DAVEY / AFP) (Photo by MONICA DAVEY/AFP via Getty Images)
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Volltreffer

Randy Moss

Einer der besten Receiver aller Zeiten startete 2007 die Philosophie. Nicht wenige sahen Moss mit 30 Jahren nach Zoff in Minnesota und dem Flop-Jahr bei den Raiders auf dem absteigenden Ast, mit Belichick und Tom Brady passte es aber von Anfang an. Mit fast 1.500 Yards und unglaublichen 23 Touchdowns (immer noch NFL-Rekord) war Moss entscheidend an der perfekten Saison beteiligt, die New England erst in der Endphase des Super Bowls gegen die New York Giants verlor. In drei vollen Jahren für die Pats gelangen Moss 47 Touchdowns.

Aqib Talib

Der Cornerback-Star kam 2012 per Trade und mit vielen Problemen zu den Pats. Er hatte sich beim Rookie-Symposium geprügelt und war wegen einer Droge und Körperverletzung bereits gesperrt.

Kein Team wollte ihn Tampa abnehmen, aber Belichicks grottenschlechte Passverteidigung brauchte einen Schub, das Image war da egal. Zwei gute Jahre und eine Pro-Bowl-Nominierung folgten, hätte sich Talib im AFC-Finale 2013 nicht früh verletzt, New England hätte gegen Peyton Mannings Denver wohl kaum über 500 Yards abgegeben und vielleicht einen weiteren Super Bowl erreicht.

Corey Dillon

Einen noch schlechteren Ruf hatte Running Back Dillon, der 2003 zum damaligen Titelverteidiger stieß. Seine Reputation als Frauenschläger und seine chronische Unzufriedenheit hatten die Bengals irgendwann satt und schickten den besten Rusher ihrer Geschichte zu den Pats. Dort stellte er mit 1.635 Yards direkt einen neuen Teamrekord auf und verhalf Brady zum Super Bowl. Zwei Jahre später war seine Karriere durch.

James Harrison

Der zweimalige Super-Bowl-Gewinner mit den Pittsburgh Steelers war auf dem Feld kein Kind von Traurigkeit - auch jenseits der erlaubten Mittel - und wurde auch privat handgreiflich. Als die Steelers - niemand verbuchte jemals mehr Quarterback-Sacks in ihrem Trikot - ihn 2017 feuerten, griff Belichick zu und quetschte noch starke Playoffs, die mit einer Niederlage im Endspiel gegen Philadelphia endeten, aus ihm heraus.

Die NFL-Teams gehen mit unterschiedlichen Gefühlen aus dem Draft
JACKSONVILLE, FLORIDA - DECEMBER 29: Justin Houston #99 of the Indianapolis Colts forces a fumble by Gardner Minshew II #15 of the Jacksonville Jaguars during the third quarter of a game at TIAA Bank Field on December 29, 2019 in Jacksonville, Florida. (Photo by James Gilbert/Getty Images)
EAST RUTHERFORD, NEW JERSEY - DECEMBER 15:  Sterling Shepard #87 of the New York Giants carries the ball as Adrian Colbert #36 of the Miami Dolphins defends in the fourth quarter at MetLife Stadium on December 15, 2019 in East Rutherford, New Jersey. (Photo by Elsa/Getty Images)
ORCHARD PARK, NEW YORK - DECEMBER 29: Sam Darnold #14 of the New York Jets signals during the first quarter of an NFL game against the Buffalo Bills at New Era Field on December 29, 2019 in Orchard Park, New York. (Photo by Bryan M. Bennett/Getty Images)
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Flops

Antonio Brown

Mit einem anderen Steelers-Star hatten die Pats weniger Glück. Nachdem der Receiver seine Entlassung bei den Raiders provoziert hatte, schlug Belichick im vergangenen Jahr wieder einmal zu - trotz Browns juristischem Ärger und seinen diversen Eskapaden. Nach nur einem Spiel und Druck der Öffentlichkeit feuerten ihn die Patriots.

Albert Haynesworth

Der unfassbar talentierte, aber auch sehr faule, Defensive Tackle wurde nach seinem 100-Millionen-Dollar-Vertrag zum wohl teuersten Flop der NFL-Geschichte. Nach nur zwei Jahren zogen die Washington Redskins die Notbremse und bekamen für "Fat Albert" noch einen Draftpick von den Patriots. Nach weniger als vier Monaten, drei Tackles und einem Handgemenge mit einem Co-Trainer hatte auch Belichick von ihm die Nase voll.

Chad Ochocinco

2011 hatte Belichick aber auch wirklich kein gutes Händchen. Star-Receiver Ochocinco kam als 33-Jähriger mit sechs Pro Bowls aus Cincinnati, um sich einen Meisterring zu verdienen. Die Leistungen passten allerdings nicht zu seiner schillernden Persönlichkeit und seinem Auftreten. Die mit Abstand schwächste Saison seiner Karriere (15 Catches für 276 Yards in 16 Spielen) blieb auch seine letzte in der NFL. Im AFC-Finale war er fit nicht einmal im Kader.

Josh Gordon

Der Receiver mit dem vielleicht größten Potenzial der vergangenen zehn Jahre, der die NFL 2013 mit 1.646 Yards und neun Touchdowns für die Cleveland Browns im Sturm erobert hatte, bekam seine Drogenprobleme in der Folge nie in den Griff. Die Saisons 2015 und 2016 verpasste er gesperrt. 2018 hatten die Browns nach einem Spiel genug und tauschten ihn für einen Draftpick ein. Bei den Pats legte er einen ordentlichen Start hin, verließ das Team aber im Dezember, um sich um seine "mentale Gesundheit" zu kümmern. Nach einem mittelmäßigen Comeback 2019 feuerten ihn die Pats im Oktober.