Dem NFL-Superteam droht der Super-GAU
Broncos schocken Rams nach Traumstart
Die Los Angeles Rams gehen als haushoher Favorit in die NFL-Saison. Nun brodelt es nach nur drei Spielen beim Superteam bereits.
Wie sehr es in Sean McVay brodelte, zeigte sich den Journalisten bei der Pressekonferenz. Der Head Coach der Los Angeles Rams beendete die Veranstaltung nach nicht einmal 2 Minuten vorzeitig und noch bevor die anwesenden Reporter ihre Fragen stellen konnten. Lediglich ein Eröffnungsstatement und eine kurze Nachfrage ließ er zu. Der Stream der Rams begann gerade erst, als McVay schon wieder ging.
Beim vermeintlichen Superteam brodelt es nach nur drei Spielen in der NFL gewaltig. Das 26:30 gegen die Denver Broncos sorgt dafür, dass der Haussegen beim großen Titelfavoriten früh schief hängt. Denn es steht erst ein Sieg zu Buche. Der Super-GAU, das Verpassen der Playoffs, ist auf einmal realistischer als eine dominante eingefahrene Meisterschaft.
Los Angeles Rams früh unter Druck
„Es ist hart, weißt du, aber so ist der Sport nun mal. Man nimmt das alles in Kauf. Ich liebe unsere Mannschaft, aber diesmal hat es einfach nicht ganz gereicht. Man muss den Broncos Respekt zollen, sie haben einen Weg gefunden, es zu schaffen. Wir werden uns selbst unter die Lupe nehmen und herausfinden, wie wir uns verbessern können“, sagte McVay vor seiner Flucht.
Dabei lagen die Rams zur Pause komfortabel mit 16:0 in Führung und alles deutete auf den zweiten klaren Sieg hin. Doch dann kollabierte die Defensive und Denver kam noch zu 30 Zählern in einer Hälfte. Gleich mehrere Probleme wurden dabei deutlich: Die Rams machten in der Defense deutlich zu wenig Druck auf Quarterback Bo Nix. Erst drei Sacks gelangen dem Superteam bisher in der gesamten Saison. Und vorne lag mit fortlaufender Spielzeit die Verantwortung quasi ausschließlich in den Händen von MVP Matthew Stafford.
Der Spielmacher passte 55 Mal, gelaufen wurde nur 23 Mal. Das ist ein krasses Ungleichgewicht. Stafford zauberte teilweise wie gewohnt, doch das hohe Risiko führte auch zu zwei Interceptions. McVay hätte sich deshalb sicher auch der Kritik der Journalisten an seiner eindimensionalen Spielweise mit Pässen stellen müssen.
Zumal Talanoa Hufanga einen Fehlpass sogar über 66 Yards zurück bis in die Endzone der Rams trug und die Partie so weniger als fünf Minuten vor Schluss auf 23:19 drehte. Stafford stand auch deshalb unter Druck, weil er kaum geschützt wurde und gleich vier Sacks durch die Broncos einstecken musste.
Krachender Fehlstart – Defense löchrig
Big Plays der eigenen Defensive, die auch das eine oder andere Spiel gewinnen – eigentlich sollte das in dieser Saison das Markenzeichen der Rams sein. Doch ausgerechnet hier hapert es bisher massiv.
Durch das 28:6 gegen die Giants, die nach dem Aus ihres Quarterbacks Jaxson Dart offensiv kaum noch stattfanden, schönte LA seine Bilanz und liegt nach drei Spieltagen im Mittelfeld der Liga, was zugelassene Punkte angeht. 21 Zähler im Schnitt reichen nur für Rang 13.
Von Denver gab es 30 Punkte eingeschenkt, schon beim 7:27 gegen die San Francisco 49ers am ersten Spieltag wurden der Abwehr die Grenzen aufgezeigt – wenngleich auch McVay am krachenden Fehlstart einen großen Anteil hatte. Auf die Partie in Australien hatte der 40-Jährige, der seit 2017 bei den Rams ist und als Genie gefeiert wurde, gar keine Lust.
McVay leistet sich schmerzhafte Fehlentscheidung
Während die 49ers knapp eine Woche vorher anreisten, um sich an den enormen Zeitunterschied zwischen den USA und Melbourne zu gewöhnen, kamen McVay und seine Stars erst einen Tag vor dem Spiel eingeflogen. Die Quittung gab es in Form einer krachenden Pleite.
„Manchmal gewinnt man, manchmal lernt man dazu“, sagte McVay eine Woche später. „Und manchmal hat man einen blöden Trainer, der Reisepläne macht, die einen in eine missliche Lage bringen.“ Dann verließ er auch damals die Pressekonferenz schnell.
Seine ungewohnt unfreundlichen Auftritte überraschen. Doch sie zeigen: Der riesige Druck prallt auch am Trainer nicht ab. Immerhin erwarteten fast alle Beobachter vor der Saison nichts weniger als den Titel.
Nacua sorgt für Skandal und fällt auch noch aus
Doch auch im Verborgenen brodelt es bei den Rams. Star-Receiver Puka Nacua sorgt für Unruhe. Eine Frau hat ihn angeklagt, weil er an Silvester ihr gegenüber eine „unprovozierte antisemitische Äußerung“ von sich gegeben habe. Außerdem soll er sie sogar in die Schulter gebissen haben. Bilder der Bissspuren kursieren in den sozialen Medien. Ein Urteil ist erst für 2028 angepeilt. Bis dahin wird dieses Thema ein lästiger Begleiter sein.
Und auch sportlich zeichnet sich für den Superstar bisher eine echte Seuchensaison ab. Schon in der Vorbereitung quälte sich der Receiver, der letzte Saison noch fast 1.500 Yards und sechs Touchdowns verbuchte, mit Hüftproblemen herum. Im Auftaktspiel gegen die Niners lief er noch auf, kam auf solide fünf Catches für 74 Yards.
Seitdem ist der 25-Jährige aber außer Gefecht. Für Woche vier sei McVay zumindest „hoffnungsvoll“, Nacua wieder an Bord zu haben, berichtet der Orange County Insider.
Superstar-Duo Garrett und Donald noch nie zusammen auf dem Feld
Und die Defensive, die mit den beiden Superstars Myles Garrett und Aaron Donald eigentlich für die Gegner verheerend sein sollte, wird von Verletzungsproblemen zurückgeworfen. Noch vor wenigen Wochen konnte sich niemand solche Probleme vorstellen. Denn als Garrett von den Cleveland Browns kam und auch noch Donald nach vier Jahren aus der Rente zurückkam, schien das Superteam endgültig komplett.
Alle Wettanbieter sahen die Rams meilenweit vor allen anderen Teams. Doch dann gab es früh Ernüchterung: Garrett verletzte sich, kam nur am 1. Spieltag zum Einsatz und wurde inzwischen am Knie operiert.
Mit Donald stand er diese Saison noch nicht einmal zusammen auf dem Feld – denn der Altmeister machte die Reise nach Australien gar nicht erst mit. Seitdem ist sein Einfluss allerdings auch überschaubar: In zwei Spielen verbuchte er insgesamt vier Tackles, nur einmal für Raumverlust. Gegen Denver blieb es bei einem Tackle und einem Quarterback-Hit.
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Nun stehen die Rams mit dem Rücken zur Wand. Denn die 49ers haben in der Division mit drei Siegen einen Traumstart hingelegt. Dem Superteam droht tatsächlich der Super-GAU.