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Mit Superkräften an die Macht? Lüneburg feiert Titelpremiere

Lüneburg feiert Titelpremiere

Zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte feiert Lüneburg einen Titel - und ist sich des Erfolgsrezepts genau bewusst.
Der Mann hinter dem Erfolg: Stefan Hübner (r.)
Der Mann hinter dem Erfolg: Stefan Hübner (r.)
© IMAGO/Beautiful Sports/SID/Tonhäuser
Zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte feiert Lüneburg einen Titel - und ist sich des Erfolgsrezepts genau bewusst.

Erst fielen sich die Volleyballer der SVG Lüneburg in die Arme, dann schunkelten sie an einem historischen Pokalabend zum Klassiker „We are the Champions“ Seite an Seite mit ihren Fans. „Ein Bier haben wir gesagt“, scherzte Trainer Stefan Hübner, nur um kurz darauf am Dyn-Mikrofon in Lachen auszubrechen: „Nein, jetzt sind wir in dem Moment, jetzt ist alles egal.“ Denn erstmals in der Vereinsgeschichte bejubeln die Norddeutschen einen Titel - und wie ein solcher angemessen zelebriert wird, wusste die Mannschaft trotz Premiere ganz genau.

Er werde „heute nicht viel schlafen“, kündigte Zuspieler Santeri Välimaa an. Schon in der Kabine gab es kein Halten mehr, auch Hübner hüpfte in voller Montur und mit der Goldmedaille um den Hals klitschnass unter der Dusche mit. Den Sonderzug gemeinsam mit den Anhängern zurück in die Heimat sollte das Team verpassen, denn vor ihrem eigenen Fünfsatzkrimi im Endspiel gegen den VfB Friedrichshafen hatten auch die Frauen des VfB Suhl in ihrem Finale gegen den Favoriten Allianz MTV Stuttgart (3:2) zu einem Volleyball-Marathon in der Mannheimer SAP Arena beigetragen.

Die Party wollten sich die Lüneburger dadurch nicht verkürzen lassen. Schließlich klappte es im vierten Anlauf endlich mit dem ersten Pokaltriumph, der Finalfluch ist gebrochen - in ihren drei bisherigen Endspielen scheiterte die SVG zuvor stets am Rekordhalter aus Friedrichshafen. Dieses Mal behielt Lüneburg aber die Nerven und bezwang den VfB mit 3:2 (27:25, 21:25, 25:16, 21:25, 15:8). „Endlich können wir als Team diesem Verein und diesen Menschen das geben, was sie verdienen“, sagte Välimaa.

„Unsere Mannschaft hat eine Superkraft“

„Ich denke unsere Mannschaft hat eine Superkraft“, frohlockte Kapitän Jesse Elser: „Unsere Verbundenheit und unsere Beziehungen.“ Und diese Superkraft könnte auch im Kampf um den nächsten Titel entscheidend werden. Als Tabellenzweiter in der Volleyball Bundesliga (VBL) ist Lüneburg dem Dominator BR Volleys dicht auf den Fersen, in jüngster Vergangenheit gelang es der SVG schon mehrmals den so lange als unantastbar geltenden Serienmeister zu ärgern.

Den Rang als deutsche Nummer zwei hinter den Berlinern hat Lüneburg dem VfB Friedrichshafen, trotz Durststrecke noch immer Deutschlands erfolgreichster Volleyballverein, spätestens mit dem Pokalsieg wohl offiziell abgelaufen. Auch dank Hübner, der das stets junge Team in zwölf Jahren an der Seitenlinie vom Aufsteiger zu einem seriösen Titelanwärter geformt hat.

„Wir können auf der Anzeigetafel verlieren, aber nie, was unseren Spirit angeht“, lobte der 50-Jährige dabei die mentale Stärke seiner Mannschaft. „Wir werden immer kämpfen, solange wir eine Chance haben“, erklärte Hübner - die Konkurrenz dürfte im Meisterschaftsrennen gewarnt sein. Denn gestillt ist der Lüneburger Hunger nach dem ersten Titel sicherlich nicht. Vielmehr ist die Mannschaft auf den Geschmack gekommen.