Im letzten Weltcup-Rennen der nun zu Ende gegangenen Biathlon-Saison ist es beim Massenstart der Damen über 12,5 Kilometer zu einem schwedischen Zielsprint zwischen Linn Persson (27) und Elvira Öberg (23) gekommen.
Drama im Biathlon-Zielsprint gegen Öberg! Persson enthüllt Anfeindungen
Zielsprint spaltet Biathlon-Gemeinde
Ein sportliches Duell und soweit nichts Besonderes, sollte man meinen: Am Ende hatte Persson die stärkeren Beine und überquerte die Linie hauchdünn vor ihrer Teamkollegin auf Rang vier. (BERICHT: Biathlon-Beben! Diese 31 Sportler treten zurück)
Allerdings: Öberg hatte sich bis zu diesem Zeitpunkt im Kampf um die Massenstart-Kristallkugel auch noch ein Fernduell mit Justine Braisaz-Bouchet geliefert.
Und: Weil die Französin zu diesem Zeitpunkt bereits als Siegerin des Rennens feststand, musste ihre schwedische Rivalin mindestens auf Rang vier einlaufen, um die kleine Kugel zu holen.
Persson verbaut Elvira Öberg die kleine Kugel
Aber da hatte Öberg die Rechnung ohne Teamkollegin Persson gemacht: Die vermasselte ihr die Tour, indem sie sich mit letzter Kraft an ihre Landsfrau erst heransaugte und im Schlusssprint schließlich mit einem Ausfallschritt noch um eine Zehntel vor ihr ins Ziel kam.
Mit Folgen: Als Öberg nach dem Rennen von einer SVT-Reporterin darauf angesprochen wurde, dadurch nun die Disziplin-Wertung knapp verpasst zu haben, ging die Schwedin zunächst traurig wortlos weg und kam erst mehrere Minuten später wieder zum Interview.
Dabei machte sie verständlicherweise einen schlecht gelaunten Eindruck - den sie aber damit erklärte, zwar enttäuscht zu sein, vor allem aber von sich selbst.
Persson: Auch Konkurrentin von Öberg
Zwar sei sie enttäuscht - doch diese Enttäuschung betreffe ihren schlechten Spurt. Persson wollte sie - zumindest öffentlich - nicht kritisieren: „Linn trifft da keine Schuld.“ Weiter sagte sie: „Es ist Sport - und geht nicht um Leben und Tod.“
Und Persson? Die zeigte sich nach dem Rennen gelöst - und gab zu, ihr sei natürlich bewusst gewesen, dass ihre Teamkollegin um die Kugel kämpfte. Sie wusste jedoch laut eigener Aussage nicht, welchen Platz Öberg konkret benötigen würde.
Zwischenzeitlich habe sie daher sogar gedacht, im Schlussprint zurückzuziehen und Öberg freiwillig den Vortritt zu lassen, sagte sie - und begann zu lachen. Doch dann dachte sie, das könnte sie nicht tun - und begann wieder zu lachen.
Persson spricht von „bösen Nachrichten“
Ihre gute Laune kam jedoch nicht bei allen Schweden gut an und so bekam Persson auf ihrem Instagram-Account zahlreiche wütende Nachrichten. Dort wurde sie unter anderem gefragt, ob ihr ein vierter Platz wichtiger als eine Freundschaft sei.
Ein paar Tage später berichtete Persson auch im schwedischen Sender SVT von „ziemlich bösen Nachrichten“, die sie am Tag nach dem Wettkampf erhalten habe.
„Es ist sehr traurig, dass andere denken, ich hätte Elvira den Erfolg nicht gegönnt. Denn das stimmt definitiv nicht“, sagte Persson weiter.
Öberg-Schwester verteidigt Persson
Einige französische User bedankten sich sogar bei ihr und erklärten, Persson gehöre nun zum französischen Team.
Persson erhielt aber ebenso Unterstützung von zahlreichen Schweden. Unter ihrem Instagram-Post hieß es beispielsweise: „Starkes Rennen! Spannendes Finale, und du warst ein Zehntel besser als Elvira, lass dir das von niemandem nehmen...“
Auch Elvira Öbergs Schwester Hanna war der Auffassung, dass man im Biathlon außerhalb von Staffeln nur für sich selbst laufe.
Hanna Öberg fügte an, ihre Schwester hätte die Kugel auch sicher nicht durch so ein Geschenk gewinnen wollen.
Kleiner Trost schließlich für Elvira Öberg: Mit großem Abstand gewann sie die Kugel für die beste U25-Biathletin - und mit ihren 23 Jahren sollte sie noch einige Chancen auf die begehrten kleinen und großen Kristallkugeln erhalten.